Small- und Midcaps Warum Nebenwerte an der Börse besonders stark verlieren

Lange Zeit entwickelten sich Small- und Midcaps besser als Blue Chips. Jetzt verlieren MDax und SDax mehr als der Dax. Es gilt: kleine Werte, große Gefahr.
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Anleger steigen aus vielen Nebenwerten aus. Quelle: dpa
Frankfurter Börse

Anleger steigen aus vielen Nebenwerten aus.

(Foto: dpa)

FrankfurtSmall is beautiful. Das war viele Jahre das Motto von Anlegern, die an der Börse eine Überrendite erzielen wollten. Das gute Umfeld spielte ihnen in die Hände: steigendes Wirtschaftswachstum, risikofreudige Investoren und eine auffallend geringe Volatilität, also wenig Kursschwankungen an den Börsen. Doch diese Zeiten sind vorüber. Seit August ist die Nervosität an den Märkten mit Händen zu greifen. Und darunter leiden Nebenwerte besonders.

Handelskrieg, Ängste um Italien und der Brexit – all diese Themen und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaftsentwicklung werden schon lange diskutiert, rücken aber erst jetzt so richtig in den Fokus der Investoren“, sagt Markus Wallner, Aktienstratege bei der Commerzbank.

Dieses Risikobewusstsein trifft die Small- und Midcaps hart. Seit Ende August hat der Dax „nur“ rund sechs Prozent verloren, während der MDax für mittelgroße deutsche Unternehmen fast zehn und der SDax für die Aktien kleine Firmen rund zwölf Prozent einbrachen.

„In rauen Zeiten tun sich kleine und mittelgroße Firmen häufig schwerer“, sagt dazu Olgerd Eichler, der beim Vermögensverwalter Mainfirst den laut Ratinghaus Scope Analysis fünftgrößten Aktienfonds für deutsche Nebenwerte managt.

Gründe dafür gibt es viele. „Kleine und mittelgroße Unternehmen sind oft in zyklischen Branchen unterwegs, haben weniger Eigenkapital und sind auf wenige Produkte fokussiert. Von daher leiden sie unter einem Konjunkturabschwung stärker als die großen diversifizierten Unternehmen“, zählt Gerhard Schwarz, Aktienstratege bei der Baader Bank, einige Gründe auf.

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Auch die geringere Liquidität, also die schlechtere Handelbarkeit, von Nebenwerten belastet das Segment. „Wenn die Schwankungen an den Märkten steigen und die Unsicherheit zunimmt, bevorzugen Anleger Werte, aus denen sie auch gut wieder aussteigen können“, erklärt Wallner. Das sei bei Nebenwerten eben nicht der Fall – wenn viele Investoren verkaufen wollen, verstärke das den Kursverfall viel schneller als bei Bluechips.

Dazu kommt die laut Eichler „außergewöhnlich lange und ausgeprägte“ Outperformance von Small- und Midcaps. In der Tat haben SDax und MDax in den vergangenen zehn Jahren per saldo rund 300 beziehungsweise 350 Prozent zugelegt – und damit etwa doppelt so viel wie der Dax.

Das bedeutet aber auch, dass viele kleine Firmen an der Börse teurer bewertet sind als große Konzerne. „Bei einer weiteren Korrektur an den breiten Märkten könnten die kleinen Werte daher stärker betroffen werden“, räumt der Fondsmanager ein.

Gewinnwarnungen haben besonders hohe Auswirkungen

Wegen der hohen Bewertung schlagen aktuell auch die zahlreichen Gewinnwarnungen so stark ins Kontor. In den vergangenen Wochen schockierten unter den Small- und Midcaps unter anderem der stark von der Autoindustrie abhängige Maschinen- und Anlagenbauer Dürr, der Onlinehändler Zalando sowie der Medizin- und Sicherheitstechnikkonzern Drägerwerk die Anleger mit niedrigeren Gewinnprognosen.

Ihre Anteilsscheine gehören seit August zu den Aktien mit Kurseinbrüchen zwischen 20 und 35 Prozent. Massiv verloren haben auch die Aktien des Scheinwerferherstellers Hella. Der Konzern selbst hat zwar gute Zahlen vorgelegt, leidet aber wie alle Autozulieferer unter den Gewinnwarnungen der Autokonzerne Daimler und BMW und des Reifenherstellers Continental.

Den ebenfalls besonders deutlich abgestraften Konzern Wacker Chemie trifft der Preisrückgang für Polysilikon, obwohl der Ertrag mit Polysilikon nur einen relativ geringen Teil des Geschäfts der Unternehmen ausmacht.

„Zum Teil übertreibt der Markt nach Gewinnwarnungen“, sagt Aktienstratege Wallner von der Commerzbank: „Auch das ist ein Zeichen für die große Nervosität.“ Genau das mache die Auswahl von Aktien derzeit so schwer: „Abgesehen von Gewinnwarnungen schauen Investoren derzeit kaum auf fundamentale Unternehmensdaten, sondern nur auf die übergeordneten Themen wie zum Beispiel den Handelskrieg“, beobachtet der Stratege.

Nebenwerte trifft auch dies besonders. „Wenn eine Aktie deutlich verloren hat, kann es auch mal Wochen dauern, bis sich die Papiere wieder stabilisieren“, beobachtet Eichler. Er selbst hat für seinen Fonds aber auch in den vergangenen Wochen Aktien zugekauft und hält an seinen größten Positionen fest.

Dazu gehören die stark unter die Räder gekommenen Aktien von Dürr und Hella, aber auch Aktien wie die von Sixt, die in diesem Jahr zu den Top-Performern im SDax zählt. Er rechnet im nächsten Jahr mit einem „gedämpften Wachstumsumfeld“, in dem viele Unternehmen ihre Gewinne nochmals leicht erhöhen können.

Ob andere Investoren das ähnlich sehen, wird sich laut Schwarz von der Baader Bank Anfang nächsten Jahres zeigen. Dann stehe ein Test für Nebenwerte an, weil viele Investoren zu Jahresbeginn traditionell eher dazu bereit sind, Risiken einzugehen: „Bleibt der Januareffekt aus, ist das ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen dauerhafter in Schwierigkeiten stecken.“

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