S&P warnt Risiken für Chinas Wirtschaft nehmen zu

Die Gefahr von Unternehmenspleiten steigt, das Vertrauen von Investoren in die Regierung schwindet: Die US-Ratingagentur S&P zeichnet ein düsteres Bild von Chinas wirtschaftlicher Situation.
Die Ratingagentur rügt die Führung in Peking für ihre vermeintliche „Trial-and-Error“-Strategie. Quelle: Reuters
S&P kritisiert China

Die Ratingagentur rügt die Führung in Peking für ihre vermeintliche „Trial-and-Error“-Strategie.

(Foto: Reuters)

London/PekingDie Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hat vor erheblichen Risiken für den chinesischen Finanzsektor gewarnt. „Ein Einbruch wichtiger Vermögenswerte in China könnte die Wirtschaft und den Finanzsektor destabilisieren, wenn keine ausreichenden Maßnahmen ergriffen werden, um das Vertrauen der Investoren zu erhalten“, hieß es in einem am Donnerstag veröffentlichten Bericht der Agentur. Chinas Finanzwirtschaft stehe ein hartes Jahr bevor.

S&P sieht etwa die Gefahr zunehmender Unternehmensinsolvenzen. Sollte die Regierung in Peking mit Rettungsmaßnahmen gegensteuern, gehe das vermutlich auch auf Kosten des Bankensektors. „Wir erwarten daher, dass sich die Kreditqualität über den Finanzsektor hinweg verschlechtern wird, insbesondere für kleinere Marktteilnehmer.“

Die Chronik des Drachensturzes
7. Januar 2016
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Enttäuschte Anleger, leere Hallen. Nach einer kurzen Beruhigung wird der Börsenhandel in Shanghai und Shenzhen am 7. Januar für den Rest des Tages ausgesetzt – nach gerade einmal einer halben Stunde. Damit geht der Donnerstag als der kürzeste Handelstag in die chinesische Börsengeschichte ein. Die Aktienmärkte waren erneut um mehr als sieben Prozent gefallen.

4. Januar 2016
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Bereits am 4. Januar wird der Handel nach einem an Chinas Aktienmärkten für den Rest des Tages ausgesetzt. Gleich am Tag seiner Einführung kommt damit ein Sicherungsmechanismus zum Zug, der zu große Schwankungen verhindern soll.

24. August 2015:
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Den letzte Sturz erwischt die Anleger im August. Der Shanghai Component Index fällt um 8,5 Prozent, der Shenzhen Component Index um 7,8. Das sorgt nicht nur in China sondern auch in den USA und Europa für große Verunsicherung.

27. Juli
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Auch im Juli müssen Chinas Anleger einen neuen Kurssturz verdauen. Die Börse Schanghai bricht um 8,5 Prozent ein auf 3.726 Punkte. Das ist der heftigste Kurssturz innerhalb eines Tages seit 2007. Auch der Leitindex an der zweitgrößten chinesischen Börse in Shenzen schloss mehr als acht Prozent tiefer...

Börse Schanghai bricht ein
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Grund für den Sturz: Die Anleger haben Angst vor einem wirtschaftlichen Schwächeanfall der Volksrepublik. Dafür spricht, dass der Gewinn chinesischer Industrieunternehmen im Juni um 0,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückging.

24. Juli
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Eine private Umfrage zeigt, dass der chinesische Industriesektor im Juni so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr geschrumpft ist. Die wichtigsten Indizes Chinas in Shanghai und Shenzhen verlieren 1,3 und 1,8 Prozent. Damit endet eine seit rund drei Wochen andauernde Erholungsphase.

23. Juli
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Die chinesische Regierung sichert den Märkten erneut ihre Unterstützung zu. Die Anleger feiern die staatlichen Eingriffe. Der Shanghai Composite Index gewinnt mehr als zwei Prozent und schließt den sechsten Tag in Folge im Plus.

Zudem könnten auch die Wirtschaftsreformen der Regierung die Gewinnlage in der Industrie und im Bankensektor und somit das Investorenvertrauen belasten, heißt es in dem Bericht weiter. Sollte das Vertrauen in die Immobilien- und Anleihemärkte beschädigt werden, würden die Risiken für die Finanzbranche in besonderem Maße erhöht.

Auch die Regierungspolitik wird von der Ratingagentur kritisiert. So würden die Reformbemühungen gegenwärtig auf der Grundlage eines „Versuch-und-Irrtum“-Ansatzes betrieben. Wenn etwas nicht zu funktionieren scheine, könne die Führung die Maßnahmen einfach wieder rückgängig machen. Auch das berge das Risiko großer wirtschaftlicher und politischer Folgekosten für die Finanzbranche. Dabei verwies S&P auf die Turbulenzen an den chinesischen Aktien- und Währungsmärkten seit Mitte 2015. Kritiker sehen auch eine Mitschuld der Regierung.

Die anhaltenden Sorgen um die chinesische Wirtschaft haben derweil auch am Donnerstag an den Börsen des Landes zu starken Abschlägen geführt. Der Shanghai Composite Index schloss nach anfänglichen Gewinnen um 3,32 Prozent im Minus, der Shenzhen Component Index verlor 3,37 Prozent. Der ChiNext für Technologiewerte, der dem amerikanischen Nasdaq ähnelt, gab sogar um 4,18 Prozent nach. Offiziellen Zahlen vom Dienstag zufolge wuchs die chinesische Wirtschaft im vergangenen Jahr um 6,9 Prozent - das schwächste Plus seit 25 Jahren. Die Regierung in Peking hatte ein Wachstumsziel von etwa sieben Prozent für das Jahr 2015 vorgegeben.

  • dpa
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