Trotz erster Pleiten Mittelstandsanleihen bleiben gefragt

Immer mehr Anleger vertrauen auf die Zugkraft kleinerer Unternehmen. Deshalb haben auch unbekannte Mittelständler inzwischen Anleihen ausgegeben, die eine höhere Rendite versprechen als Festgeld oder Bundesschatzbriefe.
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Montagehalle von Siag: Die Anleihe ist akut vom Zahlungsausfall bedroht. Quelle: dpa

Montagehalle von Siag: Die Anleihe ist akut vom Zahlungsausfall bedroht.

(Foto: dpa)

FrankfurtDoch einige Anleger hätten bei der Jagd nach attraktiven Zinsen den Zusammenhang zwischen hohen Zinsen und hohem Risiko ausgeblendet, sagt Dirk Schiereck, Professor für Unternehmensfinanzierung an der TU Darmstadt. Experten warnen zudem davor, sich von den bekannten Markennamen allzu leicht verführen zu lassen und empfehlen die Konditionen genau zu prüfen.

Wie riskant Mittelstandsanleihen seien können, wurde im März mit der Insolvenz des Windkraft-Zulieferers Siag deutlich. Das Unternehmen hatte die Anleger mit einer Rendite von neun Prozent locken müssen, da es unter der Unsicherheit um die Windparks auf hoher See leidet. Aber obwohl die Siag-Anleihe nun akut vom Zahlungsausfall bedroht ist, hat es bislang keinen Aufschrei unter den Anlegern in diesem Segment gegeben, sagt Schiereck.

Diesen Eindruck bestätigen auch Vertreter der Börsen Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und Hannover, München und Stuttgart, die eigene Segmente für den Handel mit Mittelstandsanleihen aufgelegt haben. „Die Nachfrage auf Seiten von Unternehmen und Investoren ist ungebrochen hoch“, sagte etwa eine Sprecherin des Frankfurter Marktbetreibers. Die Hessen zählen neben den Börsen in Düsseldorf und Stuttgart zu den führenden Handelsplätzen. Mit einem Emissionsvolumen von nunmehr gut zwei Milliarden Euro haben diese drei Platzhirsche fast das gesamte Geschäft an sich gezogen.

Begonnen hat alles im Herbst 2010, als die Stuttgarter Börse die erste Mittelstandsanleihe des Landwirtschaftsunternehmens KTG Agrar platzierte. In den folgenden Monaten sammelten noch einige weitere Firmen bei privaten Gläubigern Gelder ein, bevor der Markt im Zuge der Staatsschuldenkrise zwischen August und Dezember 2011 fast zum Erliegen kam. In diesem Zeitraum gaben auch die Anleihennotierungen deutlich nach. Aktuell werden an den deutschen Börsen knapp 50 Mittelstandsanleihen gehandelt: Die Spanne reicht von einem Personaldienstleister mit einem Jahresumsatz von knapp drei Millionen Euro bis zu der im Aktienindex SDax notierten
Fluggesellschaft Air Berlin, die 2011 über vier Milliarden Euro erlöste.

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