Trotz Sanktionen Kapitalabfluss aus Russland verlangsamt sich deutlich

Nachdem Anleger einen Rekordbetrag aus Russland abzogen, verlangsamt sich der Kapitalabfluss nun deutlich. 2015 rechnet die Zentralbank mit einem Abzug von 90 Milliarden Dollar – fast halb so viel wie im Jahr zuvor.
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Der schwache Ölpreis belastet die russische Wirtschaft enorm. Quelle: dpa
Krise in Russland

Der schwache Ölpreis belastet die russische Wirtschaft enorm.

(Foto: dpa)

MoskauAus Russland wird weniger Kapital abgezogen. Von April bis Juni summierten sich die Abflüsse auf 20,0 Milliarden Dollar, wie die Zentralbank am Donnerstag in Moskau mitteilte. Im ersten Quartal waren es noch 32,5 Milliarden Dollar.

Wegen des Konflikts mit der Ukraine und der westlichen Sanktionen zogen Anleger 2014 den Rekordbetrag von 154,1 Milliarden Dollar aus dem lange Zeit boomenden Schwellenland ab. Die russische Zentralbank rechnet damit, dass es in diesem Jahr etwa 90 Milliarden Dollar sein werden.

Russland steckt derzeit in einer wirtschaftlichen Krise. Ein Grund dafür ist auch der deutlich gesunkene Preis für Öl, dem wichtigsten Exportschlager des Landes.

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Währungskrise: Der Rubel verlor gegenüber dem Dollar 40 Prozent und 35 Prozent gegenüber dem Euro. Die Inflation stieg auf neun Prozent. Mitte Dezember hob die Zentralbank den Leitzins auf 17 Prozent an. Solche Daten machen nicht nur Geldanlegern Angst. Die Kölner Privatbank Sal. Oppenheim erstellte eine Analyse, die zeigt, wie schlecht es Russland wirklich geht.

Plants are pictured near an oil pump, owned by oil company Rosneft, in Krasnodar region
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Ölfeld in Russland: Die russische Wirtschaft ist hauptsächlich auf die Förderung von Rohstoffen ausgerichtet. Der Ölpreis verlor zuletzt 50 Prozent seines Wertes und wird sich vermutlich so schnell nicht mehr erholen. Die Anhebung des Leitzinses durch die Zentralbank soll den Rubel stabilisieren, ist aber gleichzeitig Gift für notwendige Investitionen in die Wirtschaft.

People walk in the snow-covered Red Square in central Moscow
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Reformen verpasst: Die Regierung in Moskau hat die Chance auf wichtige Reformen verpasst. Das Land bleibt weiterhin stark abhängig von Öl-und Gasexporten. Der aktuell in etwa ausgeglichene russische Staatshaushalt würde ohne die Einnahmen aus Gas und Öl ein Defizit von zehn Prozent aufweisen.

Lehman Brothers
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Finanzkrise als Auslöser: Die internationale Finanzkrise 2008 kühlte das russische Wirtschaftswachstum von acht Prozent auf ein Prozent ab. Für ein Schwellenland ist das kein guter Wert. Die Sanktionen der westlichen Staaten gegen Russland, die als Reaktion auf die Annexion der Krim in Kraft traten, schnitten die Unternehmen von den internationalen Kapitalgebern ab. Das bekommen die Rohstoffproduzenten nun zu spüren.

Ölpreise halten sich auf hohem Niveau
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Zahlungsausfall: Immer wieder wird über eine mögliche Zahlungsunfähigkeit Russlands diskutiert. Um die Staatsausgaben zu decken, müsste Russland ein Barrel Öl für 4.000 Rubel verkaufen. Der aktuelle Preis von 3.200 Rubel pro Barrel führt nach Angaben der Deutschen Bank zu einem Defizit von zwei Prozent.

Russische Rubel
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Große Währungsreserven: Ein Zahlungsausfall Russlands droht laut Sal. Oppenheim so schnell jedoch nicht. Die Jahre des Rohstoffbooms haben Russland große Reserven gebracht. Aktuell beläuft sich die Höhe der Reserven auf 420 Milliarden US-Dollar. Die meisten Auslandsverbindlichkeiten werden zudem nicht vor zwei Jahren fällig.

An office of Sberbank is reflected in a car window in St. Petersburg
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Achillesferse Wirtschaft: Der öffentliche Haushalt scheint gesichert, in der Wirtschaft sieht es jedoch deutlich schlechter aus. Die russischen Banken stehen laut Sal. Oppenheim im Ausland mit 200 Milliarden US-Dollar in der Kreide. Allein 35 Milliarden werden dieses Jahr fällig. Durch die Abtrennung vom internationalen Kapitalmarkt könnte es für die Banken schwer werden, die Schulden zu begleichen. Auch die Unternehmen außerhalb der Finanzbranche sind mit 450 Milliarden US-Dollar im Ausland hoch verschuldet.

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