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Umfrage unter 16.000 Unternehmen Firmen sorgen sich um ihr Geschäft – wegen Trump und China

Unternehmen beurteilen ihre Geschäftsaussichten deutlich negativer als im vergangenen Jahr. Viele fürchten schädliche Auswirkungen der US-Handelspolitik.
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Viele Unternehmen fürchten, dass der US-Präsident ihrem Geschäft schadet. Quelle: Getty Images; Per-Anders Pettersson
In der New Yorker Börse

Viele Unternehmen fürchten, dass der US-Präsident ihrem Geschäft schadet.

(Foto: Getty Images; Per-Anders Pettersson)

FrankfurtUnternehmen halten nicht mehr viel von Donald Trump. Weltweit macht sich fast die Hälfte der Firmen Sorgen, dass die Politik des US-Präsidenten ihr Geschäft negativ beeinflusst.

Das ist ein Ergebnis einer Umfrage, die der Asset Manager Fidelity International in London unter 165 seiner Analysten durchgeführt hat. Diese Experten sprechen jedes Jahr mit insgesamt rund 16.000 Unternehmen, oft mit deren Chefs oder Finanzvorständen. Über diesen direkten Draht haben sie einen guten Einblick in die Stimmungslage der einzelnen Branchen.

Und die ist deutlich schlechter geworden, wie die Umfrage zeigt, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. „Vor einem Jahr setzten die Unternehmen laut Erkenntnissen unserer Analysten noch sehr auf die positiven Effekte der Steuerreform, der Deregulierung und der höheren staatlichen Ausgaben. Das ist jetzt weitgehend den Ängsten vor den Auswirkungen des Handelsstreits gewichen“, erklärt Michael Sayers, der bei Fidelity International das weltweite Aktienresearch leitet.

Eine wichtige Erkenntnis aus der Umfrage ist auch, dass viele Unternehmen jetzt sehr viel vorsichtiger mit Blick auf Investitionen sind. Das ist beängstigend, denn Handelsströme und Investitionen gelten als wichtige Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung. Positiv ist aber zumindest, dass die Unternehmen zwar eine schwächere Entwicklung erwarten, aber keine Rezession.

Das Stimmungsbarometer, das Fidelity aus den Befragungen ableitet, ist deshalb für das laufende Jahr global von 1,6 auf 0,6 Punkte gefallen. Niedriger lag es zuletzt nur 2016, also in dem Jahr, in dem sich die Briten gegen die EU entschieden und die Präsidentschaftswahlen in den USA anstanden. Dabei verschlechterten sich jetzt die Einschätzungen in allen Regionen.

Überzogene Börsenrally?

Durchgeführt wurde die Umfrage im Dezember. Seither sind die Börsen massiv gestiegen. Verantwortlich dafür waren vor allem die Ankündigung der US-Notenbank, bei weiteren Zinserhöhungen geduldig zu sein, und zuletzt die mögliche Annäherung zwischen den USA und China im Handelsstreit.

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„Implizit scheint der Markt damit zu rechnen, dass alles schon nicht so schlimm wird“, erklärt Felix Herrmann, Kapitalmarktstratege bei Blackrock. Die bisherige Rally an den Märkten sei vor allem bewertungsgetrieben. Auch Serge Pizem, der bei Axa Investment Managers den Bereich Multi-Assets leitet, ist vorsichtig: „Wir haben das Gefühl, dass ein großer Teil dieser guten Nachrichten bereits eingepreist ist.“

Genau das macht die Umfrage mit den Inneneinsichten aus den Unternehmen interessant. Denn sie geht tiefer als andere ebenfalls rückläufige Stimmungsindikatoren wie der monatliche Ifo-Geschäftsklimaindex oder Einkaufsmanagerindizes in den USA und Europa. Bei diesen beantworten Unternehmen schriftlich allgemeine Fragen, wie sich zum Beispiel Auftragseingänge, Beschäftigung und Produktion entwickeln.

Die Fidelity-Analysten werten dagegen nach ihren zahlreichen persönlichen Gesprächen auch aus, warum sich die Stimmung verändert. In diesem Jahr sind die Hauptursachen dafür laut Sayers der schwächere Konsum und steigende Kosten für Vorleistungen. Beides könnte die Gewinnmargen schmälern. Dabei ist die Lage jedoch von Branche zu Branche und von Land zu Land verschieden.

Schwächerer Konsum belastet

Besonders zu schaffen macht der nachlassende Konsum den Unternehmen in China. Demnach sind die Verbraucher zurückhaltend, weil die Aussichten für steigende Löhne unsicher sind. Dazu erwartet die Hälfte der Analysten, dass die Unternehmen in China steigende Preise nicht vollständig auf die Konsumenten überwälzen können. Die Folgen davon: Die Unternehmen in China dürften weniger investieren.

Insgesamt ist die Stimmung mit Blick auf China besonders schlecht. Dennoch sieht Martin Dropkin, Leiter des weltweiten Anleiheresearchs bei Fidelity International, zumindest einen Lichtblick: „Die Anleger sollten sich auf die Fähigkeit der chinesischen Regierung verlassen können, die Wirtschaft anzukurbeln.“

In der Tat hat Chinas Regierungschef Li Keqiang in der vergangenen Woche auf dem Volkskongress für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von immerhin sechs bis 6,5 Prozent avisiert sowie Investitionen und Steuersenkungen angekündigt.

Interessant ist auch ein Blick auf die einzelnen Branchen. Hier hat sich die Stimmung weltweit fast überall ebenfalls eingetrübt. Mit einer Ausnahme: In der Gesundheitsbranche sind die Unternehmen das dritte Jahr in Folge optimistischer geworden. Verantwortlich sind vor allem Langfristtrends wie die wachsende Nachfrage nach Gesundheitsdiensten in einer alternden Bevölkerung.

Unmittelbare Handlungsanweisungen für die Fondsmanager bei Fidelity International, die zusammen knapp 250 Milliarden Euro für Anleger in Europa, Asien, Australien und Südamerika verwalten, bietet die Untersuchung nicht.

Bei dem Asset Manager gibt es keine bindende Hausmeinung mit Blick auf die Über- oder Untergewichtung von bestimmten Regionen oder Branchen. Aber Konsequenzen hat die Auswertung durchaus: „Die Warnzeichen sind da“, betont Sayers. Er setzt hinzu: „Von den vielen Fragen, die wir Unternehmen stellen, werden sich in diesem Jahr noch mehr darum drehen, wie die Unternehmen mit Risiken wie dem nachlassenden Konsum, der politischen Unsicherheit und Handelshemmnissen umgehen.“

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