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US-Börsen Warum der Dow Jones trotz Rekordhochs anderen Indizes hinterherhinkt

Der Dow Jones entwickelt sich 2019 schlechter als Nasdaq und S&P 500. Das sollte Anleger nicht von Investitionen in „Blue Chip“-Aktien abhalten.
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Der Dow Jones erreichte zuletzt ein Allzeithoch, entwickelt sich aber relativ schwächer als andere US-Indizes. Quelle: AFP
Händler an der Wall Street

Der Dow Jones erreichte zuletzt ein Allzeithoch, entwickelt sich aber relativ schwächer als andere US-Indizes.

(Foto: AFP)

San Francisco Microsoft, Visa, American Express – im Dow Jones Industrial-Index befinden sich die Schwergewichte des US-Aktienmarktes. Eine Investition in diesen prestigeträchtigen Leitindex sollte im Umfeld einer starken Gesamtwirtschaft eigentlich eine gute Entscheidung sein. Doch ein Blick auf das bisherige Börsenjahr zeigt: Der Dow Jones entwickelt sich schlechter als die beiden anderen wichtigsten US-Indizes.

An diesem Mittwoch erreichte der Dow Jones ein Allzeithoch, seit Jahresbeginn legte er in diesem Jahr 15,6 Prozent zu. Auf den ersten Blick ein starker Wert, doch der marktbreitere S&P 500 stieg im selben Zeitraum um 19,5 Prozent. Beim technologielastigen Nasdaq Composite sind es sogar 22,5 Prozent, obwohl der Index den Niedergang der Tesla-Aktie zu verkraften hatte.

Die Entwicklung des Dow Jones wirkt auf den zweiten Blick zudem weniger imposant: Die Performance ist vor allem der Entwicklung eines Dreigestirns zu verdanken. Größter Gewinner des ersten Halbjahres war das Softwareunternehmen Microsoft, das laut dem US-Finanzunternehmen FacSet um 33 Prozent zulegte (einschließlich Dividendenreinvestition). Der Börsenwert des Unternehmens beträgt mittlerweile mehr als eine Billion Dollar. Die Plätze zwei und drei belegten die Finanzwerte Visa und American Express mit 32 und 31 Prozent Gewinn. Was also läuft im Dow Jones schief?

Unter den vier größten Verlierern des ersten Halbjahres stammen drei aus dem Gesundheits- und Pharmabereich: die Apothekenkette Walgreens Boots Alliance, das Versicherungsunternehmen United Healthcare und der Pharmakonzern Pfizer. Der Grund ist der Zustand des US-Gesundheitssystems, in dem Kosten und Preise außer Kontrolle geraten sind. Nicht umsonst steht die Regierung in Washington unter Druck, das undurchsichtige System vor der Präsidentschaftswahl 2020 nachhaltig zu reformieren.

Die Sorgen um den Gesundheitsmarkt wirkt sich auch auf die Aktienkurse aus. Die Aktie von Pfizer etwa brach im April deutlich ein und konnten sich bis zur Jahresmitte nur knapp wieder auf den Kurs zu Jahresbeginn retten.

Bei der legendären Drogerie- und Pharmakette Walgreens hält der Abwärtstrend allerdings schon gut drei Jahre an – und es deutet wenig darauf hin, dass es sich kurzfristig ändern könnte. Die Kostensenkungsmaßnahmen in der US-Gesundheitsindustrie halten die Umsätze unter Druck, die Preise für Generika fallen und zusätzlich kündigte der Onlinehändler Amazon mit der Akquisition von „Pillpack“ seinen Einstieg in den Versand verschreibungspflichtiger Medikamente an. Von einem schweren Kurseinbruch nach der Kampfansage durch den Online-Giganten hat sich der Walgreens-Kurs nur knapp wieder erholt.

Boeing wirkt wie ein Mühlstein

Wie stark die Schwäche einzelner Werte den Index bremsen kann, zeigte sich im April. Während S&P 500 und Nasdaq 100 zu neuen Höhen strebten, kollabierte das Industriekonglomerat 3M um mehr als zehn Prozent und zog den Dow Jones im Minus. Zuvor hatte der Konzern die Anleger mit einer um elf Prozent gekürzten Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr vergrault.

Von diesem Kursrutsch hat sich 3M nicht mehr erholt, das Unternehmen befindet sich unter den vier größten Verlierern im Dow Jones. JP Morgan-Analyst Stephen Tulsa stellt fest, dass 3M seinen Nimbus verloren habe. Das Traditionsunternehmen sei nicht mehr der mündelsichere Wachstumswert mit gleichzeitigem Defensivcharakter für schwere Zeiten. Das hätten die jüngsten Quartalszahlen gezeigt.

Ein weiterer Mühlstein am Hals des Eliteindex ist der Luftfahrtkonzern Boeing. Aus menschlichen Tragödien nach den Abstürzen von zwei 737 Max-Flugzeugen mit hunderten Toten entwickelte sich eine generelle Vertrauenskrise in die Zuverlässigkeit des größten Flugzeugherstellers der Welt. Immer neue Probleme tauchten auf, die 737 Max werden durch ein weltweites Startverbot weiterhin am Boden gehalten.

Der Kurs liegt zur Jahresmitte zwar mit rund 354 Dollar noch 14 Prozent über Jahresbeginn, aber weit vom Hoch bei 440 Dollar im März entfernt, bevor die Katastrophe ihren Lauf nahm. Seitdem ist Boeing ein konstanter Bremser im Dow, vor allem weil noch immer nicht klar ist, ob die Probleme bei der 737 Max überhaupt im Griff sind. Boeing ist, neben Walgreens, das größte derzeit erkennbare Risiko für die Entwicklung des Dow Jones im zweiten Halbjahr.

Diese relative Schwäche des Leitindex könnten Anleger allerdings für sich nutzen: Eine denkbare Strategie wäre ein „Dogs of the Dow“-Investment. Bei der Anlagestrategie werden die Aktien nach der Höhe der Dividendenrendite ausgewählt – ein Wert, der sich aus dem Verhältnis der Dividende zum aktuellen Kurs ergibt.

Diese Strategie müsste allerdings leicht modifiziert werden. Eigentlich wird sie immer zu Beginn eines Jahres eingegangen und mit Start des Folgejahres überprüft. Wer nun zum Halbjahr einsteigt, müsste seine Aktivitäten stattdessen Mitte 2020 überprüfen oder Ende Dezember umschichten, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Die Strategie wurde 1991 vom Investor Michael B. O'Higgins populär gemacht und besteht darin, sich am Kauftag die zehn Papiere mit der höchsten Dividendenrendite herauszusuchen – eine Fleißaufgabe, aber bei einem Index mit 30 Werten überschaubar.

Die Grundannahme ist, dass die 30-Edelwerte der US-Wirtschaft zum einen immer eine Dividende zahlen und diese auch nicht hektisch ändern, wenn es mal ein wenig rauf oder runter geht. Der Aktienkurs wiederum folgt langfristig dem Geschäftszyklus. Hat ein Unternehmen keine erkennbaren substantiellen Probleme und eine hohe Dividendenrendite, so die Annahme, befindet sich die Aktie nur am unteren Ende eines Kurszyklus. Die Aktie ist „überverkauft“, bietet aber ein gutes Einkommen während man darauf wartet, dass der Kurs mit den Geschäftszahlen wieder steigt.

Historische Studien haben gezeigt, dass dieser Anlagetrick keine Wunderwaffe für überproportionale Gewinne ist, aber eine solide Anlage, um langfristig den Gesamtindex mit einem geringeren Kapitaleinsatz abzubilden und mit dem Trend zu schwimmen. Die Theorie besagt, dass der gewünschte Anlagebetrag durch zehn geteilt und gleichmäßig auf die zehn Dow-Werte verteilt wird. Steigt zum Stichtag eine Aktie so stark, dass ihre Dividendenrendite zu gering wird, wird sie verkauft und durch den Wert ersetzt, der jetzt ihren Platz im Zehnerpack einnimmt.

Wirkliche Abstürze sind dadurch aber nicht zu vermeiden: Der Mischkonzern GE zum Beispiel war durch seine extrem hohe Dividendenrendite lange Zeit ein klarer „Underdog“. Dann brach die Fassade zusammen, die Dividende wurde praktisch gestrichen und der Wert flog aus dem Dow.

Gute Nerven brauchen die Anleger also auch bei dieser Anlagestrategie – ausgerechnet die angeschlagenen 3M und Walgreens sind nach ihren Kurseinbrüchen durch die hoher Dividendenrenditen potenzielle Kandidaten für die „Dogs of the Dow“ im Jahr 2020.

Mehr: Die Wall Street verabschiedete sich am Mittwoch mit einem Rekordtag in den Feiertag. Lesen Sie hier, welche Werte besonders profitierten.

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