Wall-Street-Ausblick Die Angst der Händler vor der Rally

Die Stimmung in den USA ist nervös. Das liegt nicht nur an der Schuldenkrise in Europa, sondern paradoxerweise auch an der Rally der vergangenen Woche. Händler befürchten, einen Aufwärtstrend zu verpassen. Kommt dieser?
Update: 10.06.2012 - 10:48 Uhr 7 Kommentare
Die Wall Street - Heimat der US-Börsen. Quelle: ap

Die Wall Street - Heimat der US-Börsen.

(Foto: ap)

New YorkAn der Wall Street dürfte der Auftakt der neuen Handelswoche von kollektiver Erleichterung geprägt sein. Europas bis zu 100 Milliarden Euro schwere Hilfen für die Rettung von Spaniens maroden Banken mildern an der New Yorker Börse die Furcht vor einem Flächenbrand in der krisengeschüttelten Euro-Zone. „Das ist ein entscheidender Schritt, um eine Ansteckung zu verhindern“, sagte Tim Speiss von EisnerAmper's Personal Wealth Advisors. Die Summe sei überraschend hoch und lindere an den Aktienmärkten zumindest kurzfristig die Euro-Angst. Nach langem Zögern hatte sich Spanien am Samstag zu einem Notruf an internationale Geldgeber durchgerungen.

Der viertgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone macht der Finanzsektor zu schaffen, der die Folgen einer geplatzten Immobilienblase schmerzhaft zu spüren bekommt. Spanien hatte sich damit in der Schuldenkrise zuletzt zu einem neuen Brandherd neben Griechenland entwickelt. Experten begrüßten die Entscheidung für Spanien-Hilfen noch vor der am kommenden Sonntag anstehenden Wahl in Griechenland, die über den Verbleib des Landes in der Währungsgemeinschaft entscheiden könnte. So sei Spanien besser gewappnet, sollte das griechische Votum die Märkte in Panik versetzen. Die Spanien-Hilfen dienten zur Beruhigung, sagte Peter Cardillo von Rockwell Global Partners.

Doch nicht nur die Lage in Europa lässt die US-Investoren immer noch etwas nervös auf die nächsten Tage blicken: Nach der besten Handelswoche in diesem Jahr ist es paradoxerweise auch die Möglichkeit einer Rally, die ihnen Sorge bereitet. Analysten sprechen von der Furcht der Händler, einen neuen Aufwärtstrend zu verpassen. Analysten wie Natalie Trunow von Calvert Investment Management gehen davon aus, dass die Händler schlechte Nachrichten aus Europa schon eingepreist haben. Auch Amy Wu von RBC Capital Markets sieht das so: "Am Markt werden eigentlich seit Anfang des Jahres schlechte Nachrichten erwartet." Entsprechend habe man sich in dieser Richtung gut abgesichert. "Jetzt macht die Rally den Leuten Angst", sagt sie: "Man will nicht derjenige sein, der seinem Boss erklären muss, warum man die Rally verpasst hat."

Neben der weiteren Entwicklung in Spanien und Griechenland stehen kommende Woche insbesondere US-Konjunkturdaten wie die Inflationsrate und die Anträge auf Arbeitslosenhilfe im Fokus.

In der vergangenen Woche verzeichnete der Dow-Jones-Index der Standardwerte ein Plus von 3,6 Prozent, der breiter gefasste S&P-500 stieg um 3,7 Prozent und der Index der Technologiebörse Nasdaq legte um vier Prozent zu. Für den S&P bedeutete das den kräftigsten Anstieg binnen einer Woche in diesem Jahr.

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7 Kommentare zu "Wall-Street-Ausblick: Die Angst der Händler vor der Rally"

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  • Ich schau' auf den DAX Kursindex (nicht Performanceindex) momentan 3351, bei einer saftigen Rezession kann ich mir da die 2000 gut vorstellen. Dann kann man wieder kaufen, aber bis dahin, Geduld haben, man muss nicht immer drin sein.

  • "Die Angst der Händler vor der Rally"

    Ich wuerde eher sagen, die Angst der Day Trader vor der Rally ;-) An der eigentlichen Situation hat sich nichts verbessert.

  • Btw.: Schau dir mal Gold an, wenns die nächsten Tage die 1600 stabil durchbricht, dann ist der Weg nach oben Richtung 1900 offen.

  • Wie bitte? Der Euro wankt und China hat, wenig beachtet durch das Euro-Desaster, praktisch nur noch ein Realwachstum durch den Immo-Sektor. Diese Blase platzt aber gerade in China auch immer mehr. Und du schreibst von einer Verdopplung? Jaja, ...

  • Ich würde es mir wünschen. Ich habe letzte Woche gekauft :-) Fast am Tief. *gg*

  • Wie? Staatsanleihen sind zur Zeit sicherer als Aktien!
    Warum? Weil die Politik dank unserer tüchtigen Frau Merkel den Euro als "alternativlos" erklärt hat und das bedeutet, dass die Politik alles daran setzen wird, dass die Staatsanleihen weiterhin gekauft werden und wenn es nur noch über die EZB sein wird.

    Nur das traurige wird sein, dass der Bürger alles zahlen muss und dies fängt mit den Steuerhöhungen, Umverteilungen, usw. an. Die PKW-Maut hat schon einmal angeklopft und wird wahrscheinlich spätestens nach der Wahl 2013 kommen.

    Die schönen Zeiten sind vorbei! Leider!

  • Viele Blue-Chips haben ein KGV von 6-10, was einer Gewinnrendite von 10-17% entspricht. Staatsanleihen in sicheren Häfen dagegen haben ein "KGV" von 50-90, was einer Rendite von 1-2% entspricht oder gar negative Renditen. Das Anleihen-KGV liegt auf dem Niveau, wie es Aktien auf dem Höhepunkt der Neue-Markt-Hype hatten. Wie das ausging, wissen wir. Ergo: Anleihenblase, Goldblase, Franken&Co-Blase. Eine Verdoppelung der Aktinekurse ist drinn und wäre von der Bewertung her locker zu rechtfertigen, parallel dazu 15-30% Kursverlust bei den angeblich sicheren Staatsanleihen. All das passiert, sobald die Euro-Panikblase platzt.

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