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William Dudley Fed-Mitglied stellt Zinswende infrage

Ein Fed-Mitglied findet eine Zinsanhebung im September nach den Börsen-Turbulenzen weniger angemessen als zuvor. Anleger könnten sich weiter über niedrige Zinsen freuen. Industriedaten sorgen derweil für Kauflaune.
Update: 26.08.2015 - 22:29 Uhr 7 Kommentare
Das Fed-Mitglied William Dudley findet eine Zinsanhebung im September nun weniger angemessen. Quelle: Reuters
William Dudley

Das Fed-Mitglied William Dudley findet eine Zinsanhebung im September nun weniger angemessen.

(Foto: Reuters)

New York Unerwartet gute Konjunkturdaten haben der Wall Street zum Handelsbeginn am Mittwoch ein deutliches Plus beschert. Dies drängte die Sorge um Chinas Wirtschaft, die den Handel zuletzt stark bestimmt hatte, in den Hintergrund. Die US-Industrie zog im Juli überraschend viele Aufträge an Land. Zur guten Stimmung trug ebenfalls bei, dass die Europäische Zentralbank nach Einschätzung ihres Chefvolkswirts bereit ist, bei Bedarf das ohnehin schon großangelegte Anleihe-Kaufprogramm noch zu erhöhen.

Doch besonders dürften sich Anleger über Aussagen des US-Notenbankers William Dudley gefreut haben. Bei der US-Notenbank Fed werden die Stimmen lauter, die wegen der jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten erste Zweifel an einer Zinsanhebung im September anmelden. Die Zinswende im nächsten Monat zu starten „scheint für mich weniger zwingend zu sein als noch vor ein paar Wochen“, sagte der Präsident der New Yorker Fed, William Dudley, am Mittwoch in New York. Die Risiken für die US-Wirtschaft hätten zugenommen. Er wolle vor einer endgültigen Entscheidung über den Zeitpunkt des Zinsschrittes erst noch weitere US-Konjunkturdaten sehen, sagte Dudley. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) hat ihre nächste Zinssitzung am 16. und 17. September.

Die Leitzinsen in den USA liegen seit der weltweiten Finanzkrise Ende 2008 auf dem Rekordtief von null bis 0,25 Prozent. Fed-Chefin Janet Yellen hatte bereits angekündigt, die Zinswende in diesem Jahr zu starten. Der genaue Zeitpunkt steht aber bislang nicht fest.

Manche Volkswirte und Analysten gehen davon aus, dass die Fed erst im Dezember oder im nächsten Jahr die Zinsschraube anzieht. Eine Reihe schlechter Konjunkturdaten aus China hatte Befürchtungen verstärkt, dass die Wirtschaft der Volksrepublik nachhaltig ins Straucheln geraten könnte. In der Folge brachen die chinesischen Börsen massiv ein und setzten den weltweiten Finanzmärkten zu. Eine nachhaltige Eintrübung der Konjunktur in China hätte negative Folgen für die US-Konjunktur.

Ganz ausschließen wollte Dudley, der als enger Vertrauter von Fed-Chefin Janet Yellen gilt, aber einen Schritt im September nicht. Er wolle sehen, wie sich die Märkte in den kommenden Wochen entwickeln, sagte Dudley.

Was aus 100.000 Euro wurde
Öl (Brent)
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Der Ölpreis hat dieses Jahr ziemlich Federn lassen müssen. Wer seit Jahresbeginn 100.000 Euro in das „schwärze Gold“ investiert hat, hätte jetzt nur noch 80.010* Euro. Die hohe Überproduktion, auch ausgelöst durch das Fracking in den USA, und Sorgen um eine schwächere Weltkonjunktur ließen den Ölpreis einbrechen.

Quellen: Bloomberg, Bank of America Merrill Lynch, FMH Finanzberatung

*Anlageergebnis in Euro gerundet ohne Steuern und ohne Kosten für Wertpapierkauf und Wertpapierverwahrung. Bei Öl Terminkontrakt,  bei Anleihen und Aktien Indizes.

(Foto: ap)
Dow Jones
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US-Aktien boten dieses Jahr bisher ebenfalls wenig Grund zur Freude. Wer zum Jahresstart 100.000 Euro in den Dow Jones Index gesteckt hätte, würde (wenn er jetzt verkaufen würde) nur noch 92.680 Euro besitzen. Der große Absturz kam vor allem Ende August. Im Vorjahr hatte der Index um rund acht Prozent zugelegt.

(Foto: AFP)
Shanghai Composite
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Ebenfalls bergab, wenn auch nicht ganz so stark, ging es für chinesische Aktien. Aus 100.000 Euro, die in den Shanghai Composite investiert wären, wären heute 93.600 Euro geworden. Für Turbulenzen an den chinesischen Börsen sorgten vor allem Konjunkturängste. Anleger befürchten, dass sich die chinesische Wirtschaft deutlich abkühlen könnte. Die Abwertung der chinesischen Währung verstärkte diese Sorgen und sorgte für einen Kursrutsch.

(Foto: Reuters)
MSCI Emerging Markets
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Die einstigen Hoffnungsträger, die Schwellenländer, enttäuschten bisher auch. Die traumhaften Wachstumsraten sind schon lange vorbei und Investoren zogen ihr Geld aus den Schwellenländern ab. Aus 100.000 Euro im MSCI Emerging Markets wären seit Jahresbeginn 96.980 Euro geworden. Bekannteste Vertreter der Schwellenländer sind die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika). An der Börse Börse in Bombay (Bild) ging es Ende August auch kräftig abwärts.

(Foto: AFP)
MSCI World
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Die Aktien der Industrieländer schnitten nur etwas besser ab – ein Plus schafften allerdings auch sie nicht. Wer 100.000 Euro in den MSCI World Index investiert hätte, hätte heute 98.130 Euro.

(Foto: AFP)
Deutsche Anleihen
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Fast unverändert ist die Entwicklung bei deutschen Staatsanleihen. Aus 100.000 Euro wurden hier 99.900 Euro. Während Anfang des Jahres die Zinsen 10-jähriger Bundesanleihen deutlich sanken, zogen sie im August rapide an. Vor allem die Unsicherheiten in China und die Turbulenzen an der Börse trieben die Anleger wieder in Anleihen.

(Foto: dpa)
Tagesgeld
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Das erste Plus in dieser Aufzählung, wenn auch nur ein kleines, schafft das Tagesgeld (Durchschnitt). Wer 100.000 Euro zum Jahresbeginn auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt hätte, der würde heute über 100.400 Euro verfügen.

(Foto: dpa)

Unerwartet gute Konjunkturdaten und Schnäppchenjäger haben der Wall Street am Mittwoch ein sattes Plus beschert. Dies drängte die Sorge um Chinas Wirtschaft, die den Handel zuletzt stark bestimmt hatte, in den Hintergrund. Die US-Industrie zog im Juli überraschend viele Aufträge an Land. Zudem verwiesen Händler auf Spekulationen, dass die Leitzinsen nicht schon im kommenden Monat erhöht werden. Der einflussreiche US-Notenbanker William Dudley hält eine Anhebung des Schlüsselzinsens im September wegen jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten inzwischen für weniger angemessen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss vier Prozent höher auf 16.285 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 kletterte um 3,9 Prozent auf 1940 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 4,2 Prozent auf 4697 Punkte. Für die Wall Street ist es der größte Tagesgewinn seit rund vier Jahren.

Bei den Einzelwerten schossen die Aktien des US-Ölfeldausrüsters Cameron 41 Prozent in die Höhe. Der Konkurrent Schlumberger will die Firma für knapp 15 Milliarden Dollar übernehmen. Schlumberger-Papiere fielen dagegen um 3,3 Prozent.

Auch die Anteilsscheine von Abercrombie & Fitch waren begehrt, sie kletterten neun Prozent. Die Modekette wies im abgelaufenen Geschäftsquartal auf bereinigter Basis überraschend einen Gewinn aus. Vor allem Bekleidung der Marken Hollister und Abercrombie für Kinder wurden gekauft.

Die Aktien von Monsanto zogen um rund acht Prozent an, nachdem der US-Genpflanzen- und Saatgutproduzent seine Übernahmepläne der Schweizer Syngenta aufgegeben hat..

An den europäischen Börsen war die Erleichterung der Anleger nach der überraschenden Zinssenkung in China nur von kurzer Dauer: Dort ging es am Mittwoch erneut bergab. "Offensichtlich genügen den Anlegern die Maßnahmen der chinesischen Zentralbank nicht", stellte CMC-Markets-Analyst Andreas Paciorek fest. Investoren fürchten eine deutliche wirtschaftliche Schwäche der Volksrepublik, die auch ein wichtiger Absatzmarkt für Europa ist. "Auf was der Markt wartet, ist eine 'große Bazooka' an staatlichen Ausgaben", sagte der Leiter der Kapitalanlagen bei DBS Bank, Lim Say Boon. "Man kann den Konsum nicht durch die Senkung der Zinssätze ankurbeln, zumindest nicht in Asien." Der Dax fiel um 1,3 Prozent auf 9997,43 Punkte, der EuroStoxx50 verlor 1,5 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,31 Milliarden Aktien den Besitzer. 2474 Werte legten zu, 646 gaben nach und 77 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,61 Milliarden Aktien 2136 im Plus, 713 im Minus und 110 unverändert.

Die US-Kreditmärkte ließen wegen der Zins-Spekulationen dagegen Federn. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 15/32 auf 98-12/32. Die Rendite stieg auf 2,184 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 1-26/32 auf 98-21/32 und rentierte mit 2,944 Prozent.

Finance Briefing
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7 Kommentare zu "William Dudley: Fed-Mitglied stellt Zinswende infrage"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Diese Artikel rufen bei mir nur Lachanfälle hervor :))))) Bei langjähriger Abwesenheit von Wachstum, stagnierenden Einkommen, fallender Beschäftigung in einer null Zinsen Ökonomie bleiben nur Kriege, Flüchtlinge aus Nahost und Afrika und die Manipulation des Ölpreises einzig wirksame Instrumente der globalen Wirtschaftspolitik der USA. Wenn sie schon selbst nicht mehr weiterkommen, dann streuen sie ein bißchen Sand ins Getriebe der anderen, bei denen es möglicherweise hätte besser laufen können ohne Griechenlandkrise, Flüchtlingswellen und Russlandembargo. Ende der Durchsage!

  • Die Zahlen der Unternehmen sind doch relativ gut. Starke Margen, hohe Umsätze, stabile Bilanzen. Und auch KGV/KCV sind auf normalem Niveau. Ich sehe keine Blase, zwar auch keine günstigen Märkte, aber sicher keine Blase. Die Kurse spiegeln die wirtschaftliche Realität relativ gut wider, würde ich sagen.

  • Die Frage bleibt nicht ob die Zinswende kommt, sondern wann.

  • In der Fachsprache nennt man so etwas "Forward Guidance": rhetorische Einlullungspolitik der Notenbanken. Damit versucht man bei den Marktteilnehmern, Zeit zu schinden. Ein Meister dieser Forward Guidance war Alan Greenspan: bei ihm reichte schon ein unverständliches Nuscheln, um die Märkte in freudige Erregung zu versetzen. Klartext hat er erst später geredet - sein Klartext hier z.B. hätte als Fed-Chef womöglich einen veritablen Crash der US-Treasuries ausgelöst:
    https://www.youtube.com/watch?v=q6vi528gseA
    Natürlich weiß jeder, der noch halbwegs klar bei Verstand ist, dass die Fed die Zinsen nie mehr signifikant erhöhen kann, sondern vielmehr das Gegenteil machen wird: nämlich ein QE4 auflegen.
    Den Marktmanipulateuren dort geht nur fürchterlich die Muffe, dass der USD dann gleich in die Hyperinflation geht.
    Ich halte daher an meinem bevorzugten Szenario fest: ERST Deflation , DANN Starkinflation...

  • Auf diese Korrektur haben ALLE gewartet, offen bleibt nun, wie lange diese Korrektur anhält, ausbremsen werden es vermutlich wiedermal die Zentralbanken, Marktwirtschaft und der willkommene "Bereinigungsprozess" sind seit längerem begraben, Wie lange wird sich diese "Zombie Witschaft" mit den aufgebaueten Überkapazitäten noch halten?

  • Wo bitte finde ich die Kauflaune? Die ist momentan weder im Dax noch den US-Indices zu sehen. Es dümpelt so vor sich hin - bis auf den Dax, der sein Heil eher im Minus sucht.

  • Oder anders ausgedrückt. Die Wirtschaft der USA ist dafür zu schwach. Kein gutes Signal für die Robustheit der US-Wirtschaft. Dazu noch China- da scheint auch kein Mittel zu wirken. Zumal jetzt auch der letzte Punkt ausgereizt ist, um die "Märkte" positiv zu überraschen. Gerade die Überraschungen hatten ja in den letzten Jahren die Märkte nach oben katapultiert.

    Mutig, wer jetzt kauft.

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