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Internationale Presseschau vom 7.4.2009 „Die Notenbanken fördern ein Zweiklassensystem“

Die internationale Wirtschaftspresse rückt das derzeitige Handeln der Notenbanken in ihren Fokus. BusinessWeek und Financial Times sehen Sun Microsystems in Gefahr, sollte der Deal mit IBM tatsächlich platzen. Les Echos vermag am Autohimmel keine Frühlingsboten auszumachen. Fundstück: Steve Jobs ist exakt 30,8 Milliarden Dollar wert.
  • Peggy Pfaff
Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

„Im Fokus der Anleger stehen in der laufenden Woche einmal mehr die Notenbanken“, prognostiziert die Börsen-Zeitung aus Frankfurt. Auch wenn der Zinssenkungszyklus abgeschlossen scheine, dürften die begleitenden Statements für die Devisenauguren erneut von größtem Interesse sein. Mit besonderer Spannung werde auf ein Papier der US-Notenbank (Fed) gewartet: das Protokoll der Sitzung von Mitte März. Seinerzeit habe die Fed angekündigt, zusätzlich zu den laufenden Programmen eine weitere Billion Dollar bereitzustellen, um hypothekenbesicherte Wertpapiere und lang laufende Staatsanleihen aufzukaufen, das habe den Dollar damals deutlich unter Druck gesetzt. Zudem sei die nicht unerhebliche Frage laut geworden, wie die Fed gedenke, aus all ihren Programmen zum Aufkauf von Wertpapieren wieder auszusteigen. „In den Protokollen dürfte sich der Tenor wieder finden, dass die Nullzinspolitik und die quantitativen Maßnahmen vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise fortgeführt werden müssten“, vermutet die Zeitung. Mit einer intensiven, Fed-internen Diskussion über den Zeitpunkt der Rücknahme der extrem expansiven Geldpolitik sei nach Einschätzung von Insidern nicht zu rechnen.

Das Wall Street Journal hinterfragt die Ankündigung der Bank of England, der Europäischen Zentralbank (EZB), der Schweizerischen Nationalbank und der Bank of Japan, der Fed umfangreiche Swap-Linien in ihren jeweiligen Landeswährungen einzuräumen. „Jedes mal, wenn die Fed mit einem neuen Programm aufwartet, muss man sich fragen, welches Problem sie zu lösen gedenkt, oder ob da eine weitere Bombe unter der Decke schlummert, die die Fed entschärfen will.“ Tatsache sei, dass Finanzinstitute außerhalb der USA während der Finanzkrise einen hohen Bedarf an Finanzierungen entwickelt hätten, die auf dem Dollar basieren. Dies habe Zentralbanken gezwungen, von der Fed Dollar zu erwerben. „US-Finanzinstitutionen haben dagegen kaum ernsthafte Engpässe an fremden Währungen erlebt. Es gibt derzeit kein strukturelles Finanzierungsungleichgewicht.“ Dennoch könnten die Swap-Linien Sinn machen, z. B. wenn US-Märkte aufgrund von Feiertagen geschlossen seien und Banken zeitlich begrenzte Finanzierungslücken hätten. Auch könnten die bestehenden Arrangements verbessert werden: „Die Fed hat Milliarden von Dollar anderen Zentralbanken zur Verfügung gestellt, die diese wiederum an Banken verliehen haben. Die neuen Swap-Linien ermöglichen nun den Rückfluss dieses Geldes, wenn er nötig sein sollte.“

Für die Neue Zürcher Zeitung illustriert die Währungstausch-Aktion der fünf Notenbanken, dass der Interbankenmarkt, auf dem sich die Banken gegenseitig Geld leihen, weiterhin schlecht funktioniert, und zwar nicht nur zwischen den Währungsräumen. So habe die EZB jetzt in einer Publikation darauf hingewiesen, dass nationale Grenzen am ungedeckten Interbankenmarkt auch im Euro-Gebiet wieder eine stärkere Rolle spielen: „Am ungedeckten Interbankenmarkt leihen sich Banken gegenseitig Geld aus, ohne dass diese Kredite mit Sicherheiten unterlegt werden. Wenn sich nun der Geldmarkt zersplittert, wird die Versorgung mit Liquidität für die Banken schwieriger und entsprechend teurer.“ Die EZB führe mehrere Indizien für diese These an, insgesamt sei eine Entwicklung hin zu einem Zweiklassensystem zu befürchten: So gebe es einige international tätige Banken mit einem starken Rating, die zwischen sich noch Geld handeln. Diese Banken fungierten auf ihren jeweiligen Heimmärkten als „money centers“, von denen kleinere, weniger bekannte Institute Liquidität zu höheren Zinssätzen beziehen müssen.

Sun braucht den Deal mit IBM

Nach dem Abbruch der Gespräche mit IBM steht Sun Microsystems vor einem komplexen Problem, meint BusinessWeek: „Das Scheitern der Verhandlungen hat für Sun bedeutendere Auswirkungen als für IBM.“ Sun stecke in finanziellen Schwierigkeiten und habe einen Verlust von fast 1,9 Milliarden Dollar gemacht und 2800 Angestellte entlassen, seit die Nachfrage nach ihren Qualitätsservern um zwei Drittel eingebrochen sei. IBM sie dagegen im Aufwind, der Aktienwert sei um 21 Prozent gestiegen. „Ein Deal mit Sun hätte die Position IBMs im Bereich hochwertiger Firmensoftware weiter gestärkt.“ Wenn Sun keinen Fusionspartner finde, würde mit ihm eine der Hauptstützen der IT-Branche abstürzen. Sun habe stets an vorderster Front gekämpft, wenn es um Innovationen und clevere Lösungen ging, das Unternehmen habe den Spruch „Das Netzwerk ist der Computer“ geprägt. Doch der Erfolg der Open-Source-Systeme von Linux und die steigende Nachfrage für preiswertere Prozessoren von Intel oder AMD hätten Sun stark zugesetzt. „Das Schicksal von Sun hängt nun vollkommen in der Luft.“

Die Financial Times spekuliert, ob der Deal zwischen Sun Microsystems und IBM nicht doch noch zustande kommen könnte: „Der Aktienwert von Sun fiel am Monatg um 24 Cent. Dass er nicht noch weiter abstürzte, ist ein Zeichen dafür, dass die Investoren hoffen, der angeschlagene Hardware-Hersteller könne doch noch das Angebot akzeptieren.“ Für IBM wäre der Zusammengang mit Sun zwar eine Waffe, um sich gegen den Konkurrenten Hewlett-Packard durchzusetzen, doch Netzwerkcomputersysteme seien letztlich nicht IBM-Geschäft, Sun also „nur eine schöne Zusatzsparte“. Bei Sun dagegen sehe es übel aus: Restrukturierungsmaßnahmen und Kapitalisierungsversuche seien fehl geschlagen, die Zukunftsaussichten als selbstständiges Unternehmen seien schlecht. Und einen anderen Partner als IBM werde Sun nur schwer finden. Fazit: „Bei Verhandlungen voll auf Risiko zu setzen, kann nach hinten losgehen, wenn der umworbene Partner weniger zu verlieren hat. Diese Lektion hat bereits Yahoo lernen müssen im Pokerspiel mit Microsoft. Und der Sun-Vorstand sollte sich klar machen, dass bei Microsoft damals mehr Interessen im Spiel waren als nun bei IBM.“

Japan steckt in einer schweren Krise

Die Japan Times zeigt sich vom aktuellen Tankan-Report alarmiert: Der von der japanischen Notenbank vierteljährlich herausgegebene Bericht zur gegenwärtigen Lage der Firmen und den Prognosen für die kommenden drei Monate zeige nicht viel Positives – im Gegenteil: Er unterstreiche, wie drastisch der wirtschaftliche Niedergang in Japan sei. Der so genannte Diffusions-Index, der die Schwankungen der Aktienpreise misst, sank auf einen Rekordtiefstand. Auch könne sich die Arbeitslosensituation deutlich verschärfen: Die Arbeitslosenquote lag im Februar bei 4,4 Prozent – die höchste der vergangenen drei Jahre. „Es ist ein geeigneter Mix aus kurzfristigen Maßnahmen nötig, um die gegenwärtigen wirtschaftlichen und sozialen Qualen zu mindern“, fordert die Zeitung die Regierung zum Handeln auf. Der japanische Premier Taro Aso habe bereits dazu aufgefordert, Maßnahmen zur Stimulierung der Wirtschaft auszuarbeiten. Außerdem habe er angekündigt, eventuell finanzielle Mittel für einen Nachtragshaushalt auszugeben: „Er sollte sicherstellen, dass das Geld sinnvollen Projekten zu Gute kommt.“

„Etwas ist faul im Staate Japan“, stellt das Wirtschaftsblatt aus Österreich fest: Die japanische Regierung habe Steuergeschenke angeboten, und die Bürger dankend abgelehnt. „Es sind in der Tat denkwürdige Zeiten, wenn die Regierten mehr Weitsicht an den Tag legen als die Regierenden. Angesichts einer Staatsverschuldung, die im kommenden Jahr 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen soll, sind Maßnahmen nach dem Prinzip der Gießkanne in der Tat nicht angebracht.“ Obendrein würden sie ohne Wirkung verpuffen, denn die japanische Wirtschaft habe ein massives strukturelles Problem: „Sie ist voll und ganz auf den Export ausgerichtet, der soeben kollabiert ist.“ Die einzige Chance liege in der Binnenkonjunktur, doch auch die sei am Boden: „Die durchschnittlichen Einkommen fallen seit Jahren, die Arbeitslosigkeit steigt und das soziale Sicherheitsnetz ist löchrig. Eine einmalige Steuergutschrift ändert nichts an dieser tristen Situation.“ Ausweg aus der Misere könnten nur qualitativ hochwertige staatliche Hilfsprogramme sein. Das nun angekündigte Konjunkturpaket sei ein erster Schritt in die richtige Richtung, denn es sehe mehr Geld für Niedrigverdiener und Arbeitslose vor und Investitionen in zukunftsträchtige Branchen. Ein weiterer Grund für Hoffnung seien zudem Wahlen, bei der die seit Jahrzehnten regierende LDP schlechte Karten habe: „Die Chancen auf einen Kurswechsel sind also groß.“

Kein Frühling am Autohimmel

„Die Verbraucher haben ihren Appetit wieder gefunden, und die Börsen haben sich ein wenig erholt, doch die Automobilindustrie hat gerade mal die Hälfte ihres Weges zurückgelegt, um wieder zu gesunden“, warnt Les Echos aus Frankreich vor überzogenen Erwartungen an die Autohersteller. Zwar verschlimmere sich deren Lage zurzeit nicht mehr, aber sie bleibe schlecht: „Die Prämien, die in fast allen Ländern gezahlt werden, haben den freien Fall des Automobils lediglich gestoppt.“ Nach einer Studie von Merill Lynch würden 2009 nur 59 Millionen Autos verkauft. Das seien 10 Millionen weniger als 2007. „Die Finanzkrise hat den Verbrauchern bereits viel geraubt, auch ihre Bereitschaft, einen Kredit für ein Auto aufzunehmen. Und wenn sie eins kaufen, dass ein preiswertes, und nicht ein protziges Bling-Bling-Fahrzeug.“ Die Konstrukteure mögen deshalb von einem Frühling träumen, doch in Wahrheit würde ihnen in den kommenden Monaten eher ein langer und schmerzhafter Winter bevorstehen. „Paradoxerweise wird der Umsturz der Branche dazu führen, dass die Hersteller endlich wieder zu einem gesunden Maß zurückfinden.“ Das Auto stehe an einem Wendepunkt: „Der Mensch kann nicht aufs Auto verzichten. Davon können die Hersteller profitieren. Das ist aber auch das einzige Versprechen dieses Frühlings.“

Fundstück: Steve Jobs ist exakt 30,8 Milliarden Dollar wert

Portfolio nimmt den sechsmonatigen Rückzug von Steve Jobs bei Apple zum Anlass, um dessen „Wert“ als Manager in den letzten zwölf Monaten zu kalkulieren – nicht nur für Apple, sondern für die gesamte IT-Branche. Apple allein, so rechnet das US-Magazin vor, habe Jobs mindestens 16,5 Milliarden US-Dollar eingebracht. Für alle Folgeprodukte, vom Bose-Lautsprecher bis hin zum Toilettenpapierhalter, die als iPod-Halter fungieren und für die Apple Lizenzgebühren kassiert, könne man 3,5 Milliarden Dollar ansetzen. Und schließlich kämen noch 10,8 Milliarden Dollar des Branchenumsatzes hinzu, der auf Jobs zurückgehe, z. B. für die Erfindung von MP3-Downloads, mit denen heute Google Riesensummen verdiene, oder für das Smartphone, ohne dass es weder das BlackBerry Storm Phone noch Google Android gebe. „Macht zusammen exakt 30,8 Milliarden Dollar. Dagegen nehmen sich die 5,7 Milliarden Dollar, die gern als persönlicher Nettogewinn von Jobs genannt werden, äußerst gering aus.“

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von » ecolot.de.

Mitarbeit: Kerstin Herrn.

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