Internationale Presseschau vom 9.10.2008 Feuern aus allen Rohren

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Britisches Rettungspaket nur der Anfang

Der Independent glaubt, dass der britische Premierminister Gordon Brown mit dem milliardenschweren Rettungspaket seiner Regierung - bis zu 50 Milliarden Pfund Kapitalspritze für Banken, 200 Milliarden Pfund der Bank of England für die Geldmärkte - zwar seine Kritiker im Parlament überzeugt und eine bemerkenswerte Rückkehr zum staatlichen Interventionismus nach Dekaden des "Der Markt weiß es am besten" eingeleitet habe. Gleichwohl dürfe man sich nicht von den Superlativen blenden lassen. Dies sei nur der Anfang. "Im nächsten Kapitel der Geschichte geht es um die Wirtschaft an sich und die Rezession. Darauf hat das Rettungspaket nämlich nur eine geringe Auswirkung."

Was kommt nach dem Paulson-Paket?

The Atlantic fragt nach möglichen Anzeichen für einen Erfolg des US-Rettungspakets. Kurzfristig werde durch die Entwicklung des "TED Spread" (Differenz zwischen dreimonatigen US-Schatzwechseln und US-Ausleihungen zwischen Banken gleicher Laufzeit) ersichtlich, ob die Notfallspritze wirke: Je stärker der "TED Spread" sinke, desto größer die Wirkung. Doch die Unsicherheit werde unabhängig von der Entwicklung des TED-Spread anhalten, da die US-Notenbank und US-Finanzminister Henry Paulson mit Sicherheit institutionen-spezifische Deals wie bei AIG, Fannie und Freddie abschließen müssten. Der Grund: Die Institute erhielten zwar durch die Beruhigung des Interbanken-Marktes mehr Liquidität, nicht jedoch zusätzliches Kapital. Sollten die Banken dieses Kapital nicht privatwirtschaftlich einwerben können, müsse die Regierung erneut einspringen.

McCain und Obama versagen in Fernsehduell

Die Presse aus Österreich geht hart mit dem zweiten Fernsehduell von John McCain und Barack Obama ins Gericht. Während Wall-Street-Banker und Wal-Mart-Kassiererinnen hilfesuchend nach Washington blickten, sähen sie dort nur wenig überzeugende Antworten auf die Finanzkrise. Bei der Fernsehdebatte sei keiner der beiden Kandidaten überzeugend gewesen: McCain habe gegen die Investition in einen Drei-Millionen-Dollar-Projektor in einem Planetarium in Obamas Heimatstadt Chicago gewettert - dies seien laut Presse aber "McPeanuts" angesichts von 1,6 Billionen für Rettungsmaßnahmen für Bear Sterns, AIG., Freddie Mac und den Rest der Wall Street, die es nicht wert seien, dass dafür wertvolle Sendezeit verschwendet werde. Obama habe demgegenüber Steuersenkungen versprochen, ohne zu präzisieren, woher das Geld in Zeiten wie diesen kommen solle. Keiner der beiden Kandidaten habe es bei der Fernsehdiskussion gewagt, die wahren Probleme Amerikas anzusprechen: besonders den hohen Schuldenstand (5,4 Billionen Dollar) und die niedrige Sparquote der privaten Haushalte.

Warum Merkel wieder freundlich zu Russland ist

BusinessWeek sucht nach den Gründen für den neuerdings wieder freundlicheren Ton der deutschen Regierung im Umgang mit Russland. So hätten Angela Merkel und Dmitri Medwedew bei ihrem jüngsten Treffen sogar lange auf einem Restaurant-Schiff diniert. Die rasche Rückkehr zum herzlichen Verhältnis sei mit der Verflechtung der russischen und deutschen Wirtschaft zu erklären: 4600 deutsche Firmen seien in Russland aktiv, 70.000 Jobs hingen in Deutschland von den Geschäften mit dem Land ab. So hätten die 25 Geschäftsleute, die Merkel nach St. Petersburg begleitet hätten, darauf gedrängt, schnell wieder Abschlüsse mit ihren russischen Partnern zu machen - was Eon und Gazprom dann auch vorgeführt hätten. Zwar sei Merkels Rhetorik gegenüber Russland schärfer als die ihres Vorgängers Gerhard Schröder. "Die deutsche Wirtschaftslobby sorgt aber dafür, dass Merkel nie vergisst, wie abhängig ihre Firmen vom früheren Sowjet-Staat sind."

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