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Presseschau Bringt die Aufseher zur Räson!

Die europäische Bankenaufsicht EBA erntet für ihre Pläne Kritik von den Medien: Sie wolle die Commerzbank mit den verschärften Kapitalregeln wohl sturmreif schießen. Die „sozialen Kosten“ seien immens. Die Presseschau.
  • Daniel Lenz
3 Kommentare
Die europäische Bankenaufsicht EBA will die Bedingungen für die Kapitalberechnung verschärfen. Medien warnen vor den negativen Folgen eines solchen Schritts. Quelle: dpa

Die europäische Bankenaufsicht EBA will die Bedingungen für die Kapitalberechnung verschärfen. Medien warnen vor den negativen Folgen eines solchen Schritts.

(Foto: dpa)

Die europäische Bankenaufsicht EBA will die Bedingungen für die Kapitalberechnung verschärfen, was bei zahlreichen Banken die Lücke vergrößern würde. Die Commerzbank braucht Finanzkreisen zufolge wahrscheinlich deutlich mehr Kapital als bisher angenommen, nach bankinternen Berechnungen rund fünf Milliarden Euro.

Die Börsen-Zeitung attackiert die EBA, die im Sommer fast die robust durch die Krise gekommene Helaba gegen die Wand gefahren habe und jetzt offenbar die Commerzbank sturmreif schießen wolle. Die Berechnungsgrundlagen für den EBA-Blitzstresstest würden so lange manipuliert, befürchtet das Blatt, „bis die Gelben garantiert durch die Prüfung rasseln“.

In dieser Situation sei das wahrscheinlichste Szenario, dass das teilverstaatlichte Institut erneut die Hilfe der Steuerzahler in Anspruch nehmen werde. Es sei denn, die europäischen Aufseher kämen zur Besinnung und die Verantwortlichen der Londoner Behörde würden zur Räson gebracht.

Die Financial Times Deutschland erinnert daran, dass mit dem wachsenden Druck auf die Banken, die Kernkapitalquote zu stärken, auch die „sozialen Kosten“ stiegen: nicht nur durch die mögliche Stützung systemrelevanter Banken, sondern durch eine eingeschränkte Kreditvergabe und den Verzicht der Banken auf die Finanzierung wohlfahrtssteigernder Geschäfte. Diese suchten händeringend nach Kapital, statt es zur Verfügung zu stellen. „Das sollte, bei aller Notwendigkeit zur Regulierung, nicht die Zukunft der Banken sein.“

Bei CNBC widmet sich der Banken-Analyst Dick Bove der von der US-Notenbank aufgelegten neuen Stresstest-Runde, bei der die Institute Bank of America, Citigroup, Goldman Sachs, JP Morgan Chase, Morgan Stanley und Wells Fargo unter die Lupe genommen würden. Investoren sollten darauf nicht ängstlich reagieren, da es keinen Hinweis darauf gebe, dass die Federal Reserve mit Blick auf die US-Banken besorgt sei.

Selbst bei einer Verschlimmerung der europäischen Schuldenkrise wären die US-Banken nicht gefährdet, sich „anzustecken“. Im Gegenteil, die Institute profitierten von der europäischen Banken-Krise, was sich in den Bilanzen niederschlagen werde. Hintergrund: Die europäischen Banken verkauften amerikanische Assets an amerikanische Banken zu reduzierten Preisen.

Exodus bei Firmeneinlagen

Das Wall Street Journal warnt davor, dass viele Unternehmen in Europa ihr Geld bei den Banken abziehen. Besonders in Italien sei dieser Trend Besorgnis erregend: Die Nicht-Privatkunden hätten in den drei Monaten bis September 56 Milliarden Euro abgezogen; bei Intesa Sanpaolo seien die Firmeneinlagen um 16 Prozent geschrumpft. In Spanien hätten die Unternehmen im dritten Quartal sogar 20 Prozent abgezogen.

Diese Entwicklung sei für den europäischen Bankensektor nicht per se problematisch, zumal Institute in anderen Ländern wie Deutschland Zuflüsse bei Unternehmenseinlagen verzeichneten. Gleichwohl könnte die Schuldenkrise verschärft werden, sollten die Banken die zu erwartenden höheren Kreditkosten an die Kunden weiterreichen.

Eurobonds müssen kein Allheilmittel sein Die britische Financial Times spricht sich dafür aus, das Thema Eurobonds ganz oben auf die politische Agenda der Eurozone zu setzen. Zu befürworten sei das im „Grünbuch“ der EU-Kommission ausgeführte Model, nach dem sich jedes Land nur mit bis zu 60 Prozent seiner Wirtschaftsleistung mit „blauen“ Eurobonds verschulden darf und weitere „rote“ Anleihen von den nationalen Regierungen selbst emittiert werden müssen.

Selbst für die „schwäbische Hausfrau“ sei etwas Attraktives an diesem Modell, gibt das Blatt der deutschen Kanzlerin zu Bedenken: Die Deckelung bei den blauen Eurobonds würde die „Markt-Disziplin“ jenseits dieses Levels verstärken. „Berlin hat recht, dass dies kein Allheilmittel ist. Aber die Staatsführer suchen keine Allheilmittel, sondern politisch akzeptable Maßnahmen, die funktionieren.“

Das Nein aus Berlin zu Eurobonds müsse nicht das letzte Wort sein, kommentiert die Frankfurter Rundschau. Dass die Kanzlerin, die weder die Europäische Zentralbank aufrüsten noch Eurobonds auflegen möchte, keine Alternativen aufzeige, werten die Frankfurter als Zeichen dafür, dass Merkel am Ende wieder nachgeben werde – und aktuell taktiere, um ihren Wunsch nach einer EU-Vertrags-Veränderungen durchzusetzen, inklusive rigide Kontrolle der Defizitsünder.

Doch mit dieser Strategie habe Merkel „ein riskantes Spiel“ begonnen: „Es könnte passieren, dass es die Währungsunion nicht mehr gibt, die sie nach deutschen Plänen stabilisieren möchte. Dann aber nützen die schönsten Vertragsänderungen nichts.“

Lukaschenko wickelte Putin um den Finger

Chinesen sollten sich Europa-Hilfe leisten
China sollte Europa in der Schuldenkrise unterstützen, fordert die Business Times aus Singapur. Das Land sitze auf Währungsreserven im Wert von 3,2 Billionen US-Dollar und müsse diesen „Riesenberg an Rücklagen“ optimal verwalten. Da China voraussichtlich nicht im großen Stil im eigenen Land investieren werde, kämen nur Staatsanleihen und ausländische Direktinvestitionen in Frage – andere Anlageformen seien entweder zu riskant oder brächten zu wenig Zinsen.

Zwar berge der europäische Markt Risiken. Doch es sollte im Interesse der Chinesen liegen, den Euro zu unterstützen oder gar einen Bailout für verschuldete europäische Länder in Erwägung zu ziehen. Nur so ließe sich verhindern, dass der Dollar letztlich als einzige wichtige Reservewährung übrig bliebe. Fazit: China und Europa müssten sich in der gegenwärtigen Situation gegenseitig unterstützten.

Putin fällt auf „Wiedervereinigungsmärchen“ herein
Dem weißrussische Herrscher Alexander Lukaschenko sei es wiederholt gelungen, den russischen Premier Wladimir Putin um den Finger zu wickeln, schreibt die Zeitung Vedomosti. Minsk habe eine Halbierung des Gaspreises auf 150 Dollar herausgehandelt, im Tausch gegen weitere Versprechen zur wirtschaftlichen Integration. Der Preis für Weißrussland werde in etwa auf dem innerrussischen Niveau liegen. Putin falle immer wieder auf das „Wiedervereinigungsmärchen“ hinein. Es sei kein Geheimnis, dass der Politiker, der beinahe im Rentenalter sei, den Zusammenbruch der UdSSR als größte Katastrophe ansehe.

Im Prinzip sei gegen eine wirtschaftliche Integration nichts einzuwenden, meint das Blatt – allerdings nicht unter den Umständen, dass einer darunter der Hauptakteur ist und der andere nur gegen Belohnung mitmache. Die geringe Stabilität solcher Bündnisse habe ausgerechnet Lukaschenko den Russen schon wiederholt demonstriert.

Fundstück: Occupisten ziehen bei Bankern ein
Der Guardian berichtet über den jüngsten Schachzug der „Occupy“-Bewegung, die ein verwaistes Gebäude der UBS in London gekapert habe, um dort eine „Bank der Ideen“ zu gründen. Mit dem Schritt solle die Bevölkerung Räumlichkeiten zurückerhalten, die durch den Sparkurs der Regierung verloren gegangen seien. Was die Protestler dort genau wollen? Nächste Frage.

Zusammengestellt von ecolot.de

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3 Kommentare zu "Presseschau: Bringt die Aufseher zur Räson!"

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  • Wenn Deutschland zahlt, dann haben wir jede Menge Freunde, sei es in Europa oder den USA, aber besonders in Israel.

  • Das Geschätsmodell der Banken ist nicht tragfähig. Zu lange hat man hingeschaut, immer höhere Eigenkapitalrenditen wurden durch viel zu wenig Eigenkapital ermölgicht. Was muss ein Dienstleister, im margenschwachen Bankengeschäft, eine Ziel-Eigenkapitalrendite von 25% haben? Die Banken haben von Haus aus eine viel zu geringe Eigenkapitalquote. Sehr kritische Anmerkungen zu Banken finden sich im Buch Spielgeld-ein neues Wirtschaftssystem.

  • Wann wird den Deutschen endlich klar, daß sie keine Freunde haben auf dieser welt?