Presseschau Der Fall Wulffs wird zur Falle Merkels

Für die Bundeskanzlerin bedeutet der Rücktritt ihres Getreuen Christian Wulff einen politischen Rückschlag, so die Ansicht ausländischer Medien. Von der nächsten Präsidentenwahl hänge auch ihre eigene Zukunft ab.
Update: 18.02.2012 - 15:03 Uhr 41 Kommentare
Der französische „Figaro“ beschäftigt sich mit Christian Wulff. Quelle: Screenshot

Der französische „Figaro“ beschäftigt sich mit Christian Wulff.

(Foto: Screenshot)

Der Rücktritt von Bundespräsident Christian Wulff ist am Samstag auch in ausländischen Medien mit Blick auf die Folgen für Kanzlerin Angela Merkel kommentiert worden. Die französische Zeitung „Le Parisien“ schreibt: „Der Rücktritt stürzt das Land nicht in eine politische Krise, weil der Präsident in Deutschland nur eine repräsentative Rolle hat, aber er ist eine Schmach für Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Wulff extrem unterstützt hat.“. „Le Figaro“ analysiert: „Welche politischen Schäden diese Affäre hinterlässt, wird davon abhängen, wie schnell es Bundeskanzlerin Merkel schafft, einen Konsenskandidaten zu finden.“

Auch die Zeitungen in Großbritannien nehmen die Konsequenzen des Rücktritts für die Bundeskanzlerin in den Fokus: „Daily Mail“: „Peinlich für Merkel - Deutscher Präsident tritt blamiert zurück, nachdem er versucht hatte, die Presse zu vereinnahmen.“ „Independent“: „Deutscher Präsident geht nach Kreditskandal - Die Entscheidung des 52 Jahre alten Konservativen zurückzutreten ist ein peinlicher Schlag für Kanzlerin Merkel, die ihren Vertrauten vor 18 Monaten persönlich für den weitgehend zeremoniellen Posten ausgesucht hatte.“ „The Guardian“ schreibt: „Christian Wulff wurde von Angela Merkel als Staatsoberhaupt ausgesucht, aber konnte den Streit über unpassende Verbindungen zu Geschäftsleuten nicht abschütteln.“

Die tschechische Zeitung „Dnes“ schreibt am Samstag über den Rücktritt von Christian Wulff: „Angela Merkel und ihre Koalition aus Christdemokraten und Liberalen haben die Funktion des Präsidenten für Machtspiele missbraucht. Nun zeigt es sich, dass ein derart kaltblütiges politisches Kalkül letzten Endes kontraproduktiv ist. Über die derzeitige deutsche Kanzlerin heißt es, sie überlege ihre politischen Schritte wie ein Schachspieler analytisch über mehrere Züge im Voraus. Es muss ihr daher klar sein, dass von der Wahl eines neuen Staatsoberhaupts jetzt sowohl ihr eigenes als auch das Schicksal der Koalition abhängt. Sie muss auch im Interesse der Sache eine Persönlichkeit finden, zu der die Deutschen aufsehen können.“

Die linksliberale bulgarische Zeitung „Sega“ am Samstag urteilt ähnlich: „Wulffs Rücktritt ist ein schwerer Schlag für die Kanzlerin Angela Merkel und ihre Christlich Demokratische Union (CDU), weil gerade Merkel vor zwei Jahren im Parlament durchgesetzt hatte, dass der Konservative Christian Wulff - erst beim dritten Anlauf - gewählt wurde. (...) Merkel musste nun ihren geplanten Besuch in Rom absagen, wo sie die Krise in der Eurozone erörtern sollte. Sie erklärte, dass sie mit den Oppositionsparteien zusammen arbeiten möchte, um einen Konsens-Kandidaten für Wulffs Nachfolger zu finden. Mit diesem ungewöhnlichen Schritt will Merkel wahrscheinlich versuchen, eine potenziell zerreißende nationale Debatte über Wulffs Nachfolger zu einem Zeitpunkt zu vermeiden, wenn sie sich auf die Bewältigung der Schuldenkrise in der Eurozone konzentrieren möchte.“

Bürger begrüßen Wulff-Rücktritt

Zur Suche nach einem neuen Bundespräsidenten schreibt die niederländische Zeitung „NRC Handelsblad“ (Abendzeitung) am Freitag: „Die große Frage ist, welche Lehre Bundeskanzlerin Merkel aus dem Fiasko der letzten zwei CDU-Bundespräsidenten zieht. Sie hatte Wulff mit Macht durchgedrückt, obwohl die SPD und die Grünen mit dem parteilosen Ostdeutschen Joachim Gauck eine ausgezeichnete Alternative boten. Aus parteipolitischen Gründen ging sie nicht darauf ein und Wulff begann mit einem Fehlstart. (...) Nun will sie mit SPD und Grünen nach einem gemeinsamen Kandidaten suchen. Hoffentlich hält sie Wort, auch wenn ihre Parteifreunde in CDU und CSU verschärft in den eigenen Reihen suchen. Und hoffentlich hat die Opposition nicht vergessen, dass sie vor zwei Jahren einen Kandidaten präsentierte, der über den Parteien stand.“

Der rechtsliberale Mailänder „Corriere della Sera“ verbindet am Samstag den Rücktritt von Christian Wulff mit der deutschen Haltung in der Schuldenkrise: „Unser Urteil in solchen Affären hängt letztlich von der Reputation eines Landes ab und dabei vor allem von dem Image, das es der Welt von sich geben will. Und deshalb erscheint uns der Fall des deutschen Bundespräsidenten schwerwiegender als die aufsehenerregenden Vorfälle in anderen Demokratien (...) Wir haben zwar Schlimmeres gesehen. Aber all dieses geschieht, während die Kanzlerin und ihre Minister Griechenland und anderen Ländern der Eurozone Lektionen in öffentlicher Moral erteilen. In der Art und Weise, wie die Deutschen in der Schuldenkrise gehandelt haben, hat es eine Arroganz gegeben, hinter der sich ein Gefühl der Überlegenheit verbarg. „Ein Bad der Bescheidenheit“ zu nehmen, das würde die Lösung der griechischen Krise begünstigen und Europa mehr Luft zum Atmen geben.“

Kritik an den „Moralbuddhas der Medien“
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41 Kommentare zu "Presseschau: Der Fall Wulffs wird zur Falle Merkels"

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  • Es sollte klar sein, warum hektisch der "passende" Winke-August gesucht wird. Expastor Gauck alias IM ´Larve´ wird sich „entpuppen“ und ESM zustimmen, anders als Köhler oder gar Wulff, die sich eindeutig gegen die Finanzmafia und den Ausverkauf unseres Landes an die Banken ausgesprochen hatten und deswegen von den Propaganda-Medien zum Abschuss freigegeben wurden. Wer von der STASI geschult wurde, auf den kann man eben zählen. Himmel hilf..

  • Geht es in erster Linie um Wulff? Mir geht es in erster Linie um die BILD, die offensichtlich immer noch in der Lage ist, aus niederen Beweggründen Existenzen zu vernichten, weil die Menschen die Mechanismen nicht verstehen. Was man Wulff vorgeworfen hat, ist doch in der Summe lächerlich. Ich lebe seit mehr als acht Jahren auf Sri Lanka. Wenn hier jemand über fehlende demokratische Strukturen und Korruption klagt, so mag das seine Berechtigung haben. Doch ein Bobbycar für die Kinder, die Nutzung eines Handys, ein Kredit vom Freund des verstorbenen Vaters, ein paar Hotelübernachtungen... Das sind doch alles Peanuts und keine strafrechtlich relevanten Dinge. Davon abgesehen denke ich, dass Christian Wulff und seine Frau ganz ausgezeichnete Repräsentanten für ein modernes, tolerantes und weltoffenes Deutschland waren. Doch was rede bzw. schreibe ich. Es ist vorbei. Deutschland bekommt nun wieder was es verdient. Mit dem neuen Präsidenten zieht wieder ein Vertreter der Grauen Panther ins Schloss Bellevue. Damit können Leute wie Sie vermutlich mehr anfangen.

  • Also doch nur Emanzen-Geseier!

  • @ Volkmar Gerber :das Ende der Treibjagd: Warum symphatisieren Sie so offen für Wulff bei all seinen üblen Machenschaften. Auch ich lebe mehrheitlich im Ausland (Costa Rica) und kann nicht erkennen, das Wulff hier in Lateinamerika irgendetwas positives für Deutschland bewirkt hat außer das wir nun auch das Image einer Bananenrepubklik haben. Einzig die Türkei und Erdogan werden seinen Abgang bedauern. Eigentlich könnte Erdogan ihm nun politisches Asyl anbieten da er in Deutschland nix mehr zu melden haben wird. Aber es scheint eben einige Zeitgenossen zu geben, die mit Vorteilsnahme keine Probleme haben. Schade das wir bereits eine solche Verschiebung der Werte haben. Aber Wulff hat offensichtlich abgefärbt

  • Gerber, wer dumme Fragen stellt kriegt entweder eine dumme Antwort oder Schweigen.

    Gegen Dummheit ist noch kein Heilmittel erfunden worden. Besonders nicht wenn es chauvinistisch gefärbt ist.

  • Ist das wirklich wahr oder nur Emanzen-Geseier?

  • In der Tat. Die Frau steht zu gerne im Rampenlicht und im Mittelpunkt, als dass das nicht auch ene wesentliche Rolle gespielt hätte. Ob ihre Vergangenheit zutrifft oder nicht, spielt hier keine so grosse Rolle, wie die Tatsache, dass sie im falschen Beruf ist: Schaupielerei oder im Showbusiness oder der Modeindustrie (Präsentation von Modeshows wär doch was für die Frau).

    Veronica Ferres ist ja schon eine gute Bekannte. Da ist es nur noch ein Sprung bis auf Bühne. Ihren faden Ehemann kann sie da lassen wo er hingehört: in den Schatten, und hinter den Vorhängen versteckt.

    Oder sie kann "Wetten dass...?" übernehmen. Dann kann sie sich ihre Kleider selber kaufen und braucht sie nicht mehr auszuleihen (was ihr gutes Recht ist und was gang und gebe bei Hollywoodverleihungen ist) und kann sie dananch für viel ca$h versteigern und das Geld für wohltätige Zwecke spenden.

    Aber den Wulff soll sie da raushalten.

  • VG, ich würde die Bild nicht lesen und wenn sie mir jemand unter die Nase legen würde! Aber ich kann trotzdem nicht ganz dem zustimmen, dass Sie glauben es sei alles 'nur Schuld' der Medien - das ist es sich zu einfach gemacht.

    Merkel hat Wulff auf Biegen und Brechen durchgeboxt - keiner wollte diesen farblosen Schlappschwanz und Streber. Der Mann ist peinlich. Einfach nur megapeinlich (schlimmer insofern als Theo von u. zu) und er hat niemandem einen Gefallen mit seinem 'Aussitzen' getan. Sogar im Ausland hat die Prese kapiert dass Wulff Merkel's "Laufbursche" und 'Schutzschild' war. Also...immer schön bei den Fakten bleiben.

    Wulff hat sich selbst gestürzt. Er hat sich Dinge herausgenommen, die keiner sich als Normalbürger erlauben könnte. Dass die FAZ als erste (und etwas doch seriösere Zeitung) einen Artikel über Wulffs komische Geschäfte publizierte, wird allzu oft und gern vergessen, weil dann Bild nicht mehr als 'Sündenbock', den zwar alle hassen aber (ausser ich - ich könnte die Zeitung nicht lesen ohne mich übergeben zu müssen) jeder zu lesen scheint, herhalten kann.

    Wulff ist ein Loser. It's as simple as that. Aber sogar inseinem Abgang fehtlt es an Stil und Würde. Einfach eine Katastrophe. Und von daher Merkel's totale Fehlbesetzung und Überschätzung. Genau wie übrigens bei Guttenberg.

  • Man kann auch übertreiben. Und sich an einem Datum aufzuhängen oder festzubeissen ist Zeichen mangelnder analytisch-logischer Auseinandersetzung mit sehr komplexen Verhältnissen die sich über Jahrtausende aufgebaut haben. Darwin war das was man in den USA heute als Fundamentalist (im übertragenen Wortsinn) bezeichnen würde und es steht im totalen Widerspruch Ihrer 'Fürsprache' für DrittWeltländer auf denen die 'Starken' (Darwin: "Überlebensfähigen") ihre Macht aufgebaut haben. Ausbeutung hat es immer und überall gegeben, egal ob in Asien, LateinAmerika oder in Afrika. Man kann die 'Drachenkultur' (DNS) der Chinesen genauso als feudales System verschreien, als das der Atzeken und Maya mit ihren Blutopfern (...).

    Und, wenn jetzt eine der ältesten Sprüche überhaupt hier passt in Bezug zu Dez. 2012 kann ich nur sagen: 'The more things change, the more they stay the same'.

    Je mehr sich die Dinge zu verändern scheinen, umso mehr bleibt alles beim Alten. Und, das wird sich auch nach 2012 nicht ändern, auch wenn manche ihre Zukunft darauf aufbauen. Genauso wenig wie Geld jemals ganz abgeschafft werden wird (was auch in die Kategorie gehört von denen die sich den 21.12.12 herbeisehnen) und nur nicht zugeben wollen, dass sie Geld hassen aber eigentlich doch lieber mehr davon hätten.

    Eine verkorkste Welt, in der wir leben! Wulff ist da nur die Ausgeburt seiner eigenen 'Dichte' (3D) und Selbstverleugnung bis an die Schmerzgrenze. Merkel wird weiter auf stur schalten und nicht eingestehen können/wollen, dass sie sich schon mehr einmal verschätzt hat ('copy&paste' Theo war ja auch eine Fehlbesetzung ihrerseits).

    Also bleibt alles beim Alten.

  • Diekmann ist ein schmieriger Proll. Dem geht es nur um die Machtdemonstration, nach dem "Aufpumpen der Geschichte zu einem Machtkampf zwischen der größten Zeitung und dem ersten Mann in der Republik".

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