Presseschau Wulff und sein „Puppentheater“

Ein Gehabe wie im „Puppentheater“, ein „blamiertes“ Amt: Das TV-Interview von Bundespräsident Christian Wulff stößt in der Presse auf heftige Kritik. Die Zeitungen stellen klar, die Affäre sei damit nicht beendet.
  • Maxim Kireev
29 Kommentare

Interview-Zusammenschnitt: "Ich habe nichts Unrechtes getan"

Der Spiegel bezeichnet den gestrigen TV-Auftritt von Bundespräsident Christian Wulff als dreist, aber auch geschickt. Er habe versucht, sich ein wenig reumütig zu zeugen und sich als Opfer einer Kampagne zu stilisieren. „Gut möglich, dass er damit durchkommt“, so das Blatt. Trotzdem muss Wulff viel Kritik einstecken. Er habe demnach lediglich versucht Transparenz, Offenheit und Ehrlichkeit zu simulieren. „Das ist nicht einmal Staatsschauspiel, das ist Osnabrücker Puppentheater“, schreibt das Magazin weiter. Der Bundespräsident habe mit seinem Auftritt das Fernsehvolk für sich mobilisieren wollen. An wirklicher Offenheit sei er nicht interessiert. Es sei klar, dass er die Affäre aussitzen wolle. Dies könne ihm sogar gelingen, denn momentan seien Merkel und Co. nicht an einer Neuwahl der Präsidenten interessiert. „Es liegen fade, mittelmäßige Jahre vor ihm - und vor uns“, so das Fazit des Spiegels.

Auch die Financial Times Deutschland findet keine echte Reue und Einsicht in Wulffs Interview. „Ich bin klein, mein Herz ist rein“, fasst das Blatt seine Botschaft zusammen. Er habe sich als Opfer dargestellt und trotz einer Entschuldigung für den Anruf bei der Bild-Zeitung behauptet, er habe nichts Unrechtes getan. Dies offenbare, dass der Präsident nicht verstanden habe, worum es seit knapp vier Wochen gehe. Zu seiner Verteidigung habe Wulff die Guttenberg-Taktik gewählt: Die böse Hauptstadtpresse jage den Liebling des Volkes. „Das darf man Wulff nicht durchgehen lassen“, fordert das Blatt. Natürlich dürfe der Bundespräsident Fehler machen, sich aber hinter dem Rücken des Volkes zu verstecken, sei eines Bundespräsidenten unwürdig. Die Affäre sei mit dem Fernsehinterview jedenfalls nicht vorbei.


Die Süddeutsche Zeitung hat Mitleid mit Christian Wulff, der sich in seinen Widersprüchen verwickelt habe. In seiner Schwäche halte er sich am Amt fest, weil es ihm Halt gebe, den er sonst nicht habe. Es wäre verständlich und richtig, wenn er den Weg zum Rücktritt gefunden hätte. Zwar seien auch die vorherigen Bundespräsidenten keine Heiligen gewesen, und gewiss sei Wulff auch ein Opfer einer neuen Mediengesellschaft, deren „Gebläse“ viel größer sei als vor 30 oder 40 Jahren. Vor allem sei Wulff jedoch das Opfer seiner selbst, indem er versucht habe zu vertuschen, und sich mit falschen Freunden wie der Bild-Zeitung umgeben habe. Das Amt des Bundespräsidenten sei nun „bemakelt und blamiert“.

Die Welt glaubt, dass sich viele von Wulffs Satz, er wolle nicht Präsident eines Landes sein, in dem man sich von Freunden kein Geld leihen könne, „verarscht fühlen“. Dann solle er sich entscheiden, was ihm wichtiger sei: „Präsident sein oder sich Geld zu extrem günstigen Bedingungen von Freunden leihen, die ihrerseits ihr Geld unter teilweise dubiosen Bedingungen gemacht haben“. Auch wenn der Bundespräsident im Vergleich zu manchem Konzernchef unterbezahlt sei, so sei er trotzdem nicht auf Gefälligkeiten angewiesen. Außerdem werde er auch mit der Möglichkeit entlohnt, eine Person der Zeitgeschichte zu werden. Das sei viel mehr als ein geldwerter Vorteil, und dafür müsse Wulff eben auf Einiges verzichten.

Iran spürt den Druck des Westens
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Presseschau - Deutsche Presse zerreißt Wulffs „Puppentheater“

29 Kommentare zu "Presseschau: Deutsche Presse zerreißt Wulffs „Puppentheater“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Wulff, der Unheilige im Amt.
    Welch schäbige Auffassung vom Amt des BP muß der jetzige Amtsinhaber haben, wenn er glaubt, dass er als Landespolitiker einfach wechseln und so weitermachen kann, wie gewohnt? Es entsteht Eindruck, dass er nur größere gesellschaftliche Anerkennung, gefühlte Macht und Geld (vor allem Pension und weitere Annehmlichkeiten auf Dauer)gesehen hat. Dafür opfert er gerne Anstand, die Würde des Amtes und die Moral in einer Bananenrepublik, wo weintrunkene Schnäppchenjäger dem Volk Wasser predigen. Wie kann man sich nur so blamieren und dieses Amt beschägigen? Die Bundeskanzlerin und fühere SED-Aktivistin ist hier ausdrücklich mit eingeschlossen!

  • Hallo Herr Wulff,
    dieses TV-Frage- u. Antwortspiel dokumentiert doch nur weiterhin die Volksverarschung.
    Ist denn der BP mittlerweile ein Ausbildungsberuf?
    Dann sei Ihnen hiermit gesagt, dass Sie nicht ausbildungsfähig sind!

    Leider haben wir einen schwanzgesteuerten BP der seiner jungen Stute noch den Hengst machen möchte. Und dazu gehört auch Sonne, Sand, Bussi und Boni und mehr von Allem.
    Aber leider hat unser BP auch zu wenig Blut im Körper um Hirn und Schwellkörper gleichzeitig zu betreiben.
    Diese Fehlbesetzung aus Merkels Gnaden wird zum Bumerang für die CDU/ CSU.

  • "Auch wenn der Bundespräsident im Vergleich zu manchem Konzernchef unterbezahlt sei,"

    Ich gehe davon aus, dass überbezahlte Konzernchefs mindestens acht Stunden am Tag arbeiten und hoffentlich komplizierteren und komplexeren Beschäftigungen nachgehen, als Sternsinger zu empfangen, hin und wieder Orden umzuhängen, einmal im Jahr zu einen Neujahrsempfang einzuladen und ein paar Hände zu schütteln. Und ab und zu mit Gattin auf Weltreisen zu gehen und schöne Orte besuchen, um dort ein wieder ein paar Hände zu schütteln und abends lecker zum Essen eingeladen zu werden. Dafür ist der Bundespräsident unangemessen bezahlt!? Ich gehe davon aus, dass er auch die Logis gratis bekommt. Oder muss er für Bellevue Miete zahlen? Was ist mit der sogenannten "Kost": Ist der Aufenthalt in Bellevue "All Inclusive" oder nur Halbpension?

  • Was mich gestern gestört hat, war, dass Wulff sich die zwei Journalisten selbst ausgesucht hat, also von "vor die Presse treten" konnte keine Rede sein.
    Und diese beiden gestern sind ja nun regierungstreue Journalisten. Wahrschienlich haben sie von Merkels Polit-Büro Anweisugnen erhalten ganz sanft zu sein
    Dann hat mich gestört, dass er sich immer wieder als Opfer dargestellt hat.
    Und der Satz dass er nicht zurück tritt, er mache sein Amt gerne, sagte mir eigentlich alles.
    Klar, macht er es gerne. Für 200.000 € p.a. bis ans Lebensende macht man das gerne.
    Denn, wenn er jetzt zurück tritt, ist er polit. erledigt. Also hat er kein Einkommen.
    Genau das sagte mir dieser Satz und das zeigt, dass Wulff, offensichtlich dem Geld und Glamour erlegen ist.
    Mag auch einiges stimemn, von dem was ich im Beitrag auf Seite 1 sagte, aber Wulff sollte doch Charakter haben und endlich gehen.
    Das Amt des BuPrä ist derart beschädigt durch ihn, dass ein sauberer Schnitt her muß

  • es widert mich an, der feine Herr sollte schleunigst des Amtes enthoben werden; zwingend ohne finanzielle Entschädi- gung oder Rente. Ich hoffe doch, dass es trotz der bekannten Drohungen einer wagt, die Vergangenheit von Ehefrau Bettina zu klären.Privatkredit,der Zinssatz einer Landesbank - der BP steht für die verkommene politische Klasse

  • Vielleicht sind es aber gar nicht die Medien alleine, vielleicht wurden sie beauftragt. Schon mal drüber nachgedacht?
    Denn, blasser Wulff hin oder her, eines ist doch komisch, nach Jahren kommt nun diese Kredtvergabe ans Tageslicht. Diese war aber schon zu Zeiten als MP in Niedersachsen.
    Wollte Wulff vielleicht tatsächlich Merkel und den sonstigen Sozialisten im Land in die Suppe spucken mit dem kriminellen Rettungsschirm?
    Natürlich ist Wulff blass und war für das Amt nie so recht geeignet.
    Aber merkwürdig ist da schon einiges

  • Hänsel und Gretel haben den “bösen Wolf” interviewt ohne sich ausreichend zu informieren. Dreh- und Angelpunkt ist das überfinanzierte Pfefferkuchenhäuschen, welches zu einem Zeitpunkt erworben wurde als die Nachfrage an Einfamilienhäusern sehr gering war. Angeblich wurde das Objekt wegen einer sehr kostspieligen Scheidung überfinanziert. Banken machen das für gewöhnlich nicht.
    Nun aber erfahren wir, dass das nicht der erste Deal war, sondern zwei weitere völlig unbelastete Immobilien die Bonität unterstützen. Hier hätten Hänsel und Gretel nachhaken müssen, denn wo drei Geschäfte vorliegen, sind noch mehr zu vermuten. Auch ist es ungewöhnlich, dass Immobilien (Mietkasernen) nach kurzer Zeit von Hypotheken frei sind.

    Nein, der “böse Wolf” muss abtreten und in die Immobilienbranche wechseln. Ich fühle mich beleidigt.

  • Das war ein Schlag ins Gesicht eines jeden, denkenden Bürgers.Wulff hat sich unter Druck gefühlt! Das soll er mal einem Hartz IV Bezieher sagen, der von Ämtern unter Druck gesetzt wird. 24/7 und das 365 x im Jahr. Die können sich kein Geld von Freunden leihen, wenn sie die Nebenkosten nicht mehr gezahlt bekommen.
    Fremdschämen für eine gesamte Regierung und keine Besserung in Sicht.
    Ich möchte den ganzen Tag "wulffen" und damit durch kommen.
    Ohne Ehrensold müsste er zurücktreten, denn von Ehre, Moral und "Einsicht" habe ich nichts mitbekommen.
    Es war gut geübt vom B-Präsidenten, denn er wusste, welche Fragen kamen.
    Ich wünsche mir einen A-Präsisenten ! Einen, dem man vertrauen kann und der fürs Volk eine moralische Unterstützung gibt. Ich finde, Herr Wulff hat sein "Gesicht verloren" ( wobei ich ihn niemals gewollt habe )

    Denk ich an Deutschland in der Nacht....

  • Das sogenannte hohe Gut der Pressefreiheit zu verwalten und anzuwenden, setzt ein hohes Gut auch an moralischer Verantwortung voraus, die ich hier sehr vermisse. Es werden Menschen in die Defensive getrieben, von wo aus sie gefälligst mal richtig zu agieren haben, egal wie sehr ihre Menschenwürde angegriffen wurde. Und, dass dies nur schwer möglich ist, wird weidlich ausgenutzt. Außerdem hat das Verhalten von Herrn Wulff nichts mit Guttenberg zu tun, der nachweislich im größeren Stil betrogen hat. Eine gefährliche Moral, gefährlich auch für eine Demokratie, denn hier wird auch ein Volk nach außen hin unnötig beschädigt. Man stellt sich schon die Frage, wessen Handlanger die sogenannte Presse im Fall Wulff ist?

  • Jeder Beamte wäre fristlos entfernt worden, wenn er sich derartig "schmieren" ließ und Vorteile angenommen hätte.
    Zumal dies bereits bereits als Ministerpräsident geschah.
    Vor diesem Bundespräsidenten habe ich keinerlei Respekt mehr.
    Es gibt nur Rücktritt !

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%