Presseschau „Deutschland muss sich mehr kümmern“

Die Medien sorgen sich um Italien und überlegen, was Deutschland tun könnte. Außerdem: Wie die EU an Ungarn zur Freiheitsunion heranreift und was gegen Rundfunkgebühren für Bundesligarechte spricht. Die Presseschau.
  • Midia Nuri
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Angela Merkel (r) sollte sich (noch) mehr um Mario Monti (l) und Italien sorgen, rät der britische Economist. Quelle: Reuters

Angela Merkel (r) sollte sich (noch) mehr um Mario Monti (l) und Italien sorgen, rät der britische Economist.

(Foto: Reuters)

WiesbadenLockerung der Schlussverkaufsregeln, Ausgabe neuer Taxilizenzen: Die am Freitag von Italien bekanntgegebenen Maßnahmen, wie das Land seine träge Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen will, würden der Startschuss für ein Kräftemessen mit den Gewerkschaften werden, erwartet die deutsche Redaktion des Wall Street Journal. Viele der umstrittenen Punkte zielten auf lang bestehende Wachstumshürden in der drittgrößten – und zugleich seit der Euroeinführung am langsamsten wachsenden – Volkswirtschaft der Eurozone. „Nicht alle von Montis Vorschlägen greifen alte Gewohnheiten so radikal an“, hält das WSJ am Beispiel der Notare fest, dem höchstbezahlten Beruf laut Einkommenssteuerstatistik, dessen Zahl sogar noch wachsen solle.

Auch die Neue Zürcher Zeitung hegt Zweifel, dass die von der Regierung geplanten Liberalisierungen radikal genug sein werden, um die Wirtschaft anzukurbeln. „Und es ist zu befürchten, dass der frühere EU-Kommissar und Wirtschaftsprofessor Mario Monti mit seinen Attacken gegen die Deutschen genau diese Schwierigkeiten zu übertünchen versucht“, fürchtet das Blatt. Mit Blick auf die am Freitag anzukündigenden Opfer, die die Regierung der Bevölkerung abverlange, habe er Bundeskanzlerin Merkel dazu aufgefordert, ihren Widerstand gegen Euro-Bonds und andere Maßnahmen gegen die Euro-Schuldenkrise aufzugeben.

Der britische Economist rät der Bundeskanzlerin, sich mehr um Italien zu kümmern. Es gebe Anzeichen einer den ganzen Kontinent erfassenden Rezession. Eine Griechenlandpleite könne dabei dramatisch und schmerzhaft sein. Auch Spanien sei gefährdet, aber seine Schulden sind weit geringer und die Märkte viel zuversichtlicher, sie zurückzubekommen. Das entscheidende Land sei jedoch Italien. Es sei zu groß zum Retten. Für den weltweit drittgrößten Schuldner seien die derzeit 6,5 Prozent Anleihezins sträflich hoch. Doch größer als das Problem der Verschuldung, sei das der Wachstumsschwäche.

Neben niedrigeren Zinsen fordere Premierminister Mario Monti von Deutschland, den deutschen Dienstleistungssektor zu liberalisieren. Wenn die wirtschaftlichen Argumente Frau Merkel nicht überzeugten, könne es vielleicht demokratische Vernunft, mutmaßt das Wirtschaftsmagazin. „Für den Euro wäre eine populistische Revolte in Schuldnerländern die größte Bedrohung überhaupt“, warnt das Blatt. „Daran sollte Frau Merkel denken.“

Das Magazin Cicero setzt auf Euro-Bonds für die Rettung Europas. „Einfach gesagt: Sollte die Staatsschuldenlast der armen Partnerstaaten nicht in den nächsten Wochen auf mehrere Schultern verteilt werden, verwandelt sich die Euro-Zone in ein havariertes Kreuzfahrtschiff, dessen Kapitän frühzeitig von Bord gegangen ist.“ Diesmal allerdings wäre es kein verantwortungsloser Italiener. Sondern Angela Merkel persönlich. „Und der schöne Dampfer ‚Europa’ würde sinken. Not with a bang but a whimper“, zitiert der Kommentator aus einem Gedicht des amerikanischen Literaten T.S. Eliot. Nicht mit einem Knall werde das Ende der gemeinsamen Währung einherkommen, glaubt das Blatt, sondern mit einem Seufzer – einem deutschen Seufzer vielleicht.

An Ungarn reift Europa zur Freiheitsunion
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13 Kommentare zu "Presseschau: „Deutschland muss sich mehr kümmern“"

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  • Werter Rüdiger Kalupner,

    "und Chaosphysiker, die den Übergangsprozess steuerbar macht."

    Das war jetzt sehr mutig von Ihnen und, räusper, klang doch ein bißchen nach diesem Angie-Fan aus der "Heute Show".

    Aber, ich habe ein Schmankerl für Sie, das Ihnen das Wochenende versüßen wird (vertrauen Sie mir, ich meine es so wie ich es sage)

    http://mp3-download.swr.de/swr2/forum/2012/02/swr2_forum_20120209_warum_ist_angela_merkel_so_populaer.6444m.mp3

    Frauen, die sich über Angela Merkel unterhlten - nicht dieses TV Gekreisch, nein ein ruhiges Gespräch mit einer Vielzahl interessanter und erhellender Anekdoten. Es dauert zwar 50 Minuten, aber die werden Sie am Ende gerne noch zwei, drei oder viermal hören wollen, zumal die witzigsten Sachen am Ende kommen.

    Wie gesagt: Es wird Ihnen das Wochenende versüßen.

    Nicht, daß ich die wählen würde, aber ... wie gesagt: "erhellend".

  • @Margrit1877

    "Die Welt lacht doch über"

    Nope, es ist eigentlich das genaue Gegenteil zu vermelden, es herrscht großes Vertrauen in die Deutschen und ihre Fähigkeit, halbwegs mit der Krise umzugehen. Natürlich gibt es auch andernorts Neidhämmel as Pendant zu den stolzgewellten Hühnerbrüstchen hier, aber so ist das Leben.

    Ob das Vertrauen gerechtfertigt ist und ob die bislang verantwortungsvollen Akteure über das Ziel hinausschiessen, das ist nochnicht ganz raus - aber in dem Konzert, das gerade aufgeführt wird, spielt halt jeder das Instrument, seine Rolle.

    Für mich stellt sich das gerade ein bißchen wie "Good Cop" / "Bad Cop" dar, auch ein bißchen "Schluss mit lsutig" ... jedenfalls kann man erkennen, wenn man denn _will_, daß es keine Kakophonie ist, in der alle den hysterischen Hühnerhaufen, der hier täglich aufgeführt wird, nachspielt.

    So ist Politik. Das hartnäckige Bohren dicker Bretter. Kann halt nicht jeder die cholerische Natur haben, die hier mit dem einenoder anderen, der seine Blähungen und seine Rülpser mit "Gedanken" verwechselt.

    Einfach mal tiiiief durchatmen.

  • Ihr solltet heiraten, Ihr zwei.

    Aber wahrscheinlich seid Ihr schon weit jenseits der 70. Euer dummdreist nationalistisches Gechwätz jedenfalls klingt so, als hättet Ihr Alzheimer.

    Das mit dem "Noch nie um Hilfe gebeten", das solltet Ihr noch mal nachlesen, das ist nämlich gequirlter Mist. Das Gegenteil ist der Fall. Inclusive der kriechen, sie gehörten sogar zu den ersten, nachdem "wir" gerade ihr Land vergewaltigt hatten

    http://www.dw.de/dw/article/0,,15412868,00.html

    Sind halt nicht so kleinkariert, die Griechen, im Gegensatz zu Euch beiden Hanswürsten.

    "Bevor andere uns kritisieren, sollen sie uns das erst einmal nachmachen."

    "Ich jedenfalls bin stolz, ein Deutscher zu sein"

    Es ist mir unsäglich peinlich, mit Vollpfosten wie Ihnen das Land teilen zu müssen.

    Arme Irre ...

  • @ W.Fischer:

    Falsch, auch als Patriot muß ich leider zugeben, daß die Ami`s bedingt durch die Marshall-Plan-Hilfe den Anschub dazu gegeben haben.
    In dieser Zeit waren u.a. die Engländer damit beschäftigt unsere Maschinen und Güter aus der Vorkriegszeit zu demontieren, auch ein Grund für den Vorsprung den die dt. Wirtschaft über viele Jahre hat.
    Ich ziehe meinen Hut vor der Schaffenskraft der jetzt älteren Generationen!
    Sicherlich hat unser Wohlstand mit dem Fleiß und der Disziplin der Deutschen an sich zu tun!

  • Ja sicher erscheint Deutschland als dummer Michl und die Deutschen sind ja auch dumme Michl, sonst hätten sie dem Treiben unserer antidemokratischen Politiker doch längst ein Ende bereitet
    Die Welt lacht doch über uns, mit uns kann man doch alles machen. Wir zahlen immer. Entwicklugnshilfe, die völlig kontraproduktiv ist, jetzt wrden wir ganz Europa finanzieren, bis wir selbst am Hungertuch nagen.
    Geht die ganze Sache schief und es gibt Verwerfungen, wird wieder ausschließlch Deutschland als Schuldiger hingestellt.
    Dafür sorgen dann schon unsre eigenen Politiker, die sich ja immer so gerne im Schulkult wälzen.
    Und unsere bekloppten Politiker merken nicht, das alles eben nicht so endet, wie sie glauben??
    Nein, denn sie machen ja kräftig mit. Deuthe Politiker dienen ja schon lange nicht mehr Deutschland

  • @ Pro-D : Haben Sie es einmal mit einer wirklich guten Therapie probiert ? einer Realitätstherapie ?

  • "Nicht mit einem Knall werde das Ende der gemeinsamen Währung einherkommen, glaubt das Blatt, sondern mit einem Seufzer – einem deutschen .. ." Heinrich Heine hat 1834 den globalen Knall durch die Deutschen vorhergesagt. Dem deutschen Idealismus - einer Revolution im Bereich des Geistes, werde evolutionslogisch auch im Bereich der 'Erscheinungen' eine Weltrevoluton nachfolgen. Eine 'schöpferische Zerstörung' des 2%Wachstumszwang-Regimes der Kapitalstockmaximierrer ist unaufhaltsam. Dieser Crashordnung wird die Ordnung-des-kreativen-Evolutionspfades folgen. Angela Merkel ist auf dem Stand der Evolutionsprozess- und Chaosphysiker, die den Übergangsprozess steuerbar macht.

  • Pro-D, sie haben recht. Wir Deutschen haben nie um Hilfe bei unseren sogenannten Freunden nachgefragt, sondern haben die Ärmel hochgekrempelt, und gearbeitet und aufgebaut.
    Unsere sogenannten Freunde vergessen leicht, dass die BRD auf Druck der USA in den 60 Jahren viele Gastarbeiter bei uns beschäftigen mussten, und jetzt wieder.
    Die sogenannten Freunde sollten zuerst einmal ihre Hausaufgaben verrichten, bevor sie um Hilfe nachsuchen.
    Danke

  • Ja, D muss sich mehr kümmern: um seine HartzIVler, Aufstocker, Minijobber, maroden Straßen, seine steigende Altersarmut und Kinderarmut, mangelnde Investition in Bildung, Innovation und Infrastruktur.
    Die italienischen Finanzvermögen sind größer als die der Deutschen, deshalb soll Monti an eine Reichensteuer denken, bevor er Eurobonds, die verfassungswidrig sind, ins Spiel bringt. Bekämpfung der Korruption bringt auch was.
    Warum soll der deutsche Steuerzahler haften für die Risikofreude ausländischer Banken und die Sozialgeschenke der GIIPS-Regierungen? Nur noch mehr verlorene Gelder, noch mehr Verluste, die sozialisiert werden, noch größere Schuldenblase.
    Außerdem hat Deutschland mit den Target2 schon eine halbe Billion (nicht zurückzahkbarer) Kredite an die GIIPS geleistet.
    Vielleicht kann das HB auch diese Thematik (target2 als Kredithilfe) thematisieren. Auch das sollte Monti nicht vergessen.

  • In einer kaputten Welt, wo es als "edel" gilt, wenn man andere betrügt, ausnimmt oder über den Tisch zieht, muss Deutschland als "Dumme-Michel" erscheinen.

    Deutschland ist nicht sturmreif geschossen, wir sind nur anders. Wie schon bei den Römern bekannt, sehen sich die Deutschen noch immer als ein Volk mit besonders hohen ethischen Werten an.

    Aus der Sicht von Völkermördern und Kriegstreibern mag man das als Dummheit auslegen. Trotzdem gehört uns die Zukunft und nicht den Völkern, die immer noch davon träumen, dass sie mit Mord und Totschlag ihr angebliches Glück machen (Kolonialmächte).

    Ich jedenfalls bin stolz, ein Deutscher zu sein

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