Presseschau Die Welt braucht Saab nicht mehr

Die internationale Wirtschaftspresse vergießt keine Träne über die geplatzte Übernahme von Saab durch die schwedische Sportwagenschmiede Koenigsegg. Die Financial Times Deutschland freut sich über die Rettung der WestLB. Cinco Días sieht die baskische Bank BBVA in China im Dilemma. Fundstück: U-Haft für Trinkgeldverweigerer.
  • Maxim Kireev
14 Kommentare
Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der Opel-Mutterkonzern General Motors ist mit dem Verkauf der schwedischen Marke Saab vorerst gescheitert. Der designierte Investor, die schwedische Sportwagenschmiede Koenigsegg, hat die Vereinbarung über Saab gekündigt. Es sei nicht vollkommen klar, was die Übernahme der GM-Tochter durch Koenigsegg genau scheitern ließ, schreibt das Wall Street Journal. Grundsätzlich könne es jedoch sein, dass es keinen Platz mehr in der Autoindustrie für die Marke Saab gebe. Weltweit hätten Autobauer Kapazitäten, um 85,9 Millionen Autos herzustellen – verkaufen ließen sich jedoch in diesem Jahr nur 50 Millionen. Nur in einem der zwölf vergangenen Jahre habe Saab Gewinn gemacht und werde voraussichtlich nur 100.000 Autos verkaufen. „Saab ist einfach zu klein zum Überleben“, schreibt das Blatt. Die Rettungsversuche der schwedischen Regierung seien eher ein Versuch gewesen, Jobs zu retten, als eine Stütze für eine erfolgreiche Marke in vorübergehenden Schwierigkeiten. „Der Fall zeigt, dass Staatshilfen nicht den langfristigen Erfolg eines Autobauers sicherstellen können“, resümiert das Blatt.

Die schwedische Heldengeschichte ende in einer Tragödie, schreibt das schwedische Wirtschaftsmagazin Veckans Affärer anlässlich der geplatzten Übernahme der schwedischen GM-Tochter durch Koenigsegg. Von Anfang an sei es ein Fehler gewesen, ein Unternehmen, das seit Jahren Verluste anhäufe und dem es an Innovationskraft mangele, nicht in Konkurs gehen zu lassen. Der schwedische Staat habe mit den in Aussicht gestellten Garantien versucht, eine Struktur aufrecht zu erhalten, die allein in den vergangenen zwei Jahren sechs Milliarden Kronen Verlust eingefahren habe. Ein Unternehmen, das sich nicht trägt, solle mit der bitteren Realität konfrontiert werden, meint das Blatt, nur so könnten reale Werte identifiziert werden. Schweden müsse Konsequenzen aus dieser Geschichte ziehen: Es sei keine Lösung, unrentable Unternehmen an ausländische Investoren zu verkaufen und darauf zu hoffen, dass Arbeitsplätze erhalten bleiben. Vielmehr müsse das Gerede um Unternehmertum und Risikokapital ernst genommen werden, um neuen Unternehmen die Chance zu geben, die Lücke zu schließen, die Saab schon vor 15 Jahren aufgerissen habe.  

„Der Autobauer Koenigsegg ist wieder bei Sinnen“, kommentiert BusinessWeek den Rückzug der Sportwagenschmiede vom Deal mit GM. Für den GM-Vorstand Fritz Henderson sei es nun der dritte angestrebte Deal, der scheitert. Für GM wäre die Abwicklung der Marke Saab das Beste. „Das Letzte, was die Detroiter in ihrer schwierigen Lage in Amerika und vor dem Hintergrund der Opel-Restrukturierung in Europa brauchen, ist ein Ringen um Saab“, meint das Magazin. General Motors sei seit der Übernahme von Saab 1990 nie in der Lage gewesen, die Tochter zu finanzieren. Das Unternehmen sei ein Nischenhersteller, dessen Verkäufe um rund zwei Drittel eingebrochen seien. Bei weltweiten Verkaufszahlen von rund 100.000 Autos sei es selbst mit einer Opel-Plattform schwierig für die Marke, profitabel zu sein.

 

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14 Kommentare zu "Presseschau: Die Welt braucht Saab nicht mehr"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Kein anderer Hersteller hat was vergleichbares an individualität zu bieten. ich will mein Leben lang SAAb fahren!!! Lasst die Marke nicht sterben

  • ich liebe meinen Saab, auch wenn die Firma von unfähigen Managern platt gemacht wird.

  • Um keine Mißverständnisse für evtl. potenzielle Umsteiger aufkommen zu lassen: Man muss um einen SAAb fahren zu können KEiN Abitur haben! Ein Führerschein reicht völlig aus. ich besitze zwei von den wunderbaren Autos (9-5 und 900 S!
    Und wieso braucht die Welt SAAb nicht mehr? bei der zurzeit herrschenden Überproduktion von Fahrzeugen bräuchte man eher keine Massenhersteller mehr.

  • @aruba:

    Du erkennst alle SAAb-Fahrer?
    Du würdest mich nicht erkennen: ich bin gerade mal 30 und leidenschaftliche Mountainbikefahrer, Snowboarder etc. ich trage Turnschuhe, basecap und bis in den späten Oktober kurze Hosen.
    ich freue mich jedesmal wenn M-bMW oder S-Audi im 120iger Teil der Autobahn mit Lichthupe drängeln und plötzlich bei freigebener Strecke nicht mehr an meinem Hirsch dran bleiben können...

    SAAb-Fahrer rasen nicht! Sie fliegen tief...

  • Da fragt man sich doch, welcher Naseweiss diesen Artikel geschrieben hat? Was soll denn aus einer Firma werden, wenn man ihr systematisch Kernkompetenzen, image und Qualitätsanmutung entzieht? Eine Marke verkauft sich mit einer Philosophie. Auch Mercedes muss das aktuell neu lernen. Das rein von Controllern dominierte Steuern eines Unternehmens führt nun mal zu mangelnder Flexibilität und in das Einerlei. Man sollte sich lieber fragen: Was kann ich machen, um die verloren gegangenen Visionen wieder ins Leben zu rufen? Das macht man bestimmt nicht mit Controllern.

  • aruba!

    es stimmt schon: vorurteile machen das leben so übersichtlich. deswegen pflege ich meine vorurteile nicht nur, ich lebe auch die vorurteile der anderen.

    also: ich fahre SAAb. ich habe studiert. ich besitze zwei karierte schals und trage sie auch. ich trage außerdem einen drei-tage-bart, was in meiner generation irgendwie angesagter ist als eine schifferfräse. außerdem besitze ich eine lesebrille und ein zippo-feuerzeug, das man eben braucht, um sich im SAAb 900 turbo 16S cabrio des baujahrs 1990 mal was zum rauchen anzuzünden.

    in der summe ist das nicht arroganz, sondern - haltung. man könnte auch stil dazu sagen. jedenfalls ist es das, was den unterschied macht.

    anders gesagt: glamour can be bought - style must be taught. und glauben sie mal: jeder SAAb-fahrer hat seine lektionen gelernt. und die wichtigste lektion ist die: von unten betrachtet sieht niveau immer wie arroganz aus. oder wie nervensägentum.

    nix für ungut. :-)

  • in aller Kürze:
    1. Geranien gehen gar nicht, in meinem Cabrio sind meistens die Seitenscheiben unten.

    2.Karierte Schals und Mütze mit Ponpon hatte ich nicht mal als Rover-Fahrer

    3. Der Akku meines Rasierers reicht für eine komplette Gesichtsrasur.

    4. Lederjacke statt Lodenmantel!

    5. Ausbildung: könnte stimmen ;-)

    6. Meine Frau hat einen eigenen SAAb ist schlank statt dünn, brünett statt blond und trägt keine brille mit farbigem Gestell; Hochschulbildung vorhanden...

    7. Klugheit ist eine Tugend und zeigt sich am überlegenen Fahrstil!

    8. Nichtraucher!

    9. Sympathisanten ( Fahrer und Ex-Fahrer )werden wir spielend enttarnen. Sie sind freundlich, sympathisch und meistens mächtig stolz auf ihre schönen, non-konfirmistischen und nicht jedem Mainstream nachrennenden Autos.

    Gruß Konny

  • @aruba
    im Normalfalle ist das Stichwort "Saab" die letzte Warnung für die Zeitgenossen mit den vier Ringen auf der Kühlerhaube, diese Ringe -sowie ihr automobiles Ego - endlich auf von der linken Autobahnspur zu bewegen. Ein im Tiefflug von hinten ansetzender Schwede kann zudem durchaus auch ohne Seidenschal oder Lodenmantel so manchen Links-Spur-Schnarcher im noch nicht abbezahlten Audi, Daimler oder bääEmmWäääh zu recht akutem Herunterfallen des überaschten Unterkiefers verleiten. Nordic sei Dank...
    in schwedischen Seitenscheiben hängen übrigens keine Geranien, sondern Strichlisten - von den an Autobahnsteigungen versägten Leasing-Droschken deutscher bauart.
    Die Pendelschläge eines Ladedruckanzeigers sind übrigens auch ohne Lesebrille gut sichtbar. Das herrlichste dabei ist allerdings, dass es niemand den Fahrzeugen ansieht, wie schnell sie sein können - wenn es erforderlich wäre - aber das rücksichtslose Rasen überlassen wir dann doch lieber den Aussendienstvertretern in ihren Leasing-Dschunken, welche sie sich privat wohl niemals leisten könnten.
    Richtig, da war noch was...
    Die Ausbildung... - bitte unterschätzt nicht den Anteil von Saab-Fahrern mit technischem Hochschulabschluß - was allerdings nicht zwingend eine dürre blondine auf dem beifahrersitz zur Folge hat, denn Frauen von Saab-Fahrern können sich ihren eigenen Wagen leisten...

  • ich hoffe, ich zerstöre das bild nicht, aber als besitzer zweier (verhältnismäßig neuer) Saabs möchte ich gern folgendes mitteilen:

    1. Geranien gibt es bei mir weder auf dem balkon, noch an der Seitenscheibe, die ist nämlich beim Cabrio öfter unten als oben.

    2. in aller Regel trage ich keinen Halsschmuck, wenn es aber der Job fordert grundsätzlich nur Schlipse. Karierte Schals und Ponpon-Mütze habe ich auch als Roverfahrer nicht getragen.

    3. ist es schlimm, dass ich lieber Lederjacke als Lodenmantel trage? Und: mein Rasierapparat funktioniert so gut, dass ich nicht auf halbem Weg Schluß machen muß.

    4. Meine (ebenfalls einen eigenen Saab fahrende) Frau trägt keine brille, ist brünett und hat - Gott sei Dank - wenigstens eine Fachhochschulausbildung. Sie kauft mir übrigens zu Weihnachten gern etwas Schönes - aber sicher keine Seidenschals.

    5. Sorry - Nichtraucher!

    6. ich habe zumindestens die meisten Saabfahrer bisher als sehr freundlich und sympathisch kennengelernt. Daran sind sie zu erkennen und daran, dass sie in aller Regel mit ihrem Auto zufrieden sind.

    Freundliche Grüße
    Konny

  • liebe(r) aruba !
    nicht nur dass ich seit 30 Jahren einen Oberlippenbart trage, begeistert und aktiv im Motorsport tätig bin, Zigaretten rauche und trotz meiner knapp 50 Jahre weder eine brille habe noch brauche,
    ich habe sogar 3 Stk. Saab vor der Türe stehen (allerdings ältere Modelle) dafür aber keinen Krawattenschal..... bitte, bitte sagen Sie mir was mache ich falsch ?
    Und jetzt viel Spass beim Entlarven, gerade Saab-fahrer sind nicht einschätzbar, und just das ist auch ein Grund für mich einen Saab zu fahren.

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