Presseschau Griechenlands Staatspleite als Plan B

Was soll aus Griechenland werden und was würde im Falle einer Staatspleite passieren? Dieses Szenario spaltet die Kommentatoren der Internationalen Medien. Ein weiteres Sorgenkind: Frankreichs Banken.
  • Maxim Kireev
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Bedeutet ein Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone eine Katastrophe für Athen, Deutschland und den Rest Europas? Die Süddeutsche findet: Ja. Quelle: Armin Dahl

Bedeutet ein Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone eine Katastrophe für Athen, Deutschland und den Rest Europas? Die Süddeutsche findet: Ja.

(Foto: Armin Dahl)

DüsseldorfDas österreichische Wirtschaftsblatt plädiert für einen „geordneten Default“ Griechenlands und ein „Herausschälen“ des Landes aus der Eurozone. Dies würde den Griechen erlauben, ihre Währung abzuwerten und sich so leichter aus der Krise zu manövrieren. Das Problem sei jedoch, dass über eine solche Option bisher nicht nachgedacht worden sei. Vielmehr sei die Staatspleite immer wieder ausgeschlossen worden. Nun könne endlich darüber diskutiert werden. „Der Plan B, dem sich Europa nun ausgesetzt sieht, ist also keiner, der von den Verantwortlichen geschmiedet wurde, sondern einer, in den sie gerade hineintorkeln“, ätzt das Blatt. Die Regierungen sollten nun ihre Wirtschaftsinstitute ein Szenario durchrechnen lassen, das eine griechische Pleite beinhalte, und entsprechend handeln. „Mit aller Konsequenz“, fordert die Zeitung.

Die Süddeutsche Zeitung hält dagegen und prophezeit im Falle eines Rauswurfes Griechenlands aus der Eurozone eine Katastrophe für Athen, Deutschland und den Rest Europas. Der Wirtschaftsminister Philip Rösler habe auf seiner „rührend anmutenden Suche nach Profil“ die Staatspleite Griechenlands ins Spiel gebracht. „Was das ist, weiß der Neu-Ökonom nicht so genau“, spottet das Blatt. Der Vorschlag sei kein Tabubruch, wofür sich Rösler gern lobe, sondern Eskalation. Die Aktien der in Griechenland engagierten französischen und deutschen Banken seien am Montag bereits abgestürzt. Die Wiedereinführung der Drachme würde das Land keineswegs sanieren. Griechenland sei kein Exportland, das seine Waren dann billiger im Ausland anbieten könne. Stattdessen könnte Athen seine in Euro gemachten Schulden nie zurückzahlen, weil sich die Verbindlichkeiten durch die Abwertung vervielfachen würden. Am Ende könnte sogar die gesamte Währungsunion kippen, was für Deutschland ein „Minusgeschäft“ wäre.

Auch die kanadische Financial Post glaubt nicht an den Nutzen des Rauswurfes. „Wer glaubt, die Wiedereinführung der Drachme würde die goldene Ära der griechischen Wirtschaft wiederbeleben, hat zu lange in der mediterranen Sonne verbracht“, echauffiert sich die Zeitung. Die Einführung der Drachme wäre ein „fiskalischer Alptraum“ für deutsche und französische Banken, die auf großen Teilen der Athener Staatsschulden säßen. „Banken wollen Euros zurück und keine Drachmen“, kommentiert das Blatt. Eine eigene griechische Währung habe sich in der Geschichte oftmals als ein Desaster herausgestellt. „Es wäre Selbstmord, die Griechen mit der Last ihrer Schulden alleine zu lassen“, findet die Zeitung. Die Kosten einer möglichen Staatspleite müssten sich daher auf Steuerzahler und Banken verteilen.

Der Kolumnist der New York Times und Ökonom Paul Krugman kritisiert den Drang der europäischen Politiker, die vermeintlichen Schuldenstaaten zu bestrafen. Die Deutschen seien dabei nicht die einzigen. Das Bild des unmoralischen Schuldners treffe, wenn überhaupt, nur auf Griechenland zu. Spanien etwa habe bis 2008 einen Budgetüberschuss eingefahren. Die Europäische Zentralbank sollte nun die Anleihen der Krisenländer Italien und Spanien aufkaufen – als Ersatz für die fehlende Möglichkeit dieser Länder, ihre Währung abzuwerten. Dies habe die EZB auch getan und sei sofort von den „Moralaposteln“ unter Druck gesetzt worden. Die Vorstellung, dass diese nun weitere Rettungsaktionen blockieren würden, habe eine Panik auf den Märkten ausgelöst. „Die ganze Welt schaut nun zu, ob die EZB das richtige tut und großzügig Kredite vergibt, oder ob die Politiker Europas die Schuldner bestrafen wollen, um sich selbst zu retten“, meint die NYT.

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15 Kommentare zu "Presseschau: „Es wäre Selbstmord, die Griechen alleine zu lassen“"

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  • Es ist fast so, wenn Luxemburg US Konten dicht macht und die USA daran eingehen.

  • Was interessiert uns Deutsche Griechenland ,sind sie doch selbst verantwortlich für ihren Untergang .

    Griechenland braucht eine Militärregierung wie in früheren
    Zeiten . Nur so ist das Land überlebensfähig .

    An der Türkei kann Griechenland sich messen .Diese haben
    ein BIP von 8.0% zur Zeit .
    Die Türken können froh sein , wenn sie nicht in der EU u.
    Euro sind u.somit wäre es Selbstmord für das Land.

  • Preußen hatte mit dem Taler nicht nur eine stabile Währung, es hatte auch als europäische Großmacht die wenigsten Schulden.
    GR gehörte bis 1862 zu Bayern, von da an ging es bergab.

    Die Behauptung, GR hätte nichts zu exportieren ist falsch. Neben landwirtschaftlichen Erzeugnissen exportiert GR Sonne und Meer; zum Abholpreis! Da liegt aber GR Stärke, konnte sich aber im Zuge der Globalisierung durch den Euro nicht anpassen.

  • "„Es wäre Selbstmord, die Griechen alleine zu lassen“"

    Gähn, ja natürlich birgt das riesige Gefahren auch bis zum Selbstmord. Aber das süße Gift des Gelddruckens ist auch Selbstmord nur eben ein kollektiver Tod auf Raten versüßt mit allerelei Illusionen irgendwann würde alles auf wundersame Weise gut. Die Schulden sind den "Ökonomen" und Politikern über den Kopf gewachsen und nun ist die Lüge zu groß zum Scheitern und würde das ganze Weltbild zerstören. Das ist das Problem.

  • Eigentlich könnte man doch gleich alles nördlich von Köln aus dem Euro verbannen ... diese ganzen Empfängerländer sollen lieber sparen als unser gutes Geld zu verprassen. Ganz besonders trifft das auf Berlin zu!

  • Hallo talentus 123,
    Sie haben scheinbar das Ganze nicht verstanden.Es ist wohl ein Unterschied ob ein deutsches Bundesland oder ein mit Betrug in die Gemeinschaft EU gekommenes Land von uns alimentiert wird.

  • Die kanadische Financial Post belustigt mich:
    „...goldene Ära der griechischen Wirtschaft wiederbeleben... Kosten einer möglichen Staatspleite müssten sich daher auf Steuerzahler und Banken verteilen."

    Soso, die goldene Ära der griechischen Wirtschaft. Wann war die denn? Muss schon länger her sein.

    Die Steuerzahler sollen also neben den Banken die Last tragen und die Last der Banken werden ebnfalls auf die Steuerzahler abgewälzt. Komisch ist, dass die reichen Griechen gar keine Steuerzahler sind, also bleiben bloß alle anderen europäischen Steuerzahler.
    Nachdem nichtmal die betuchten Griechen ein Interesse haben, ihr Land zu retten, weshalb sollten wir dann ein Interesse dran haben.
    Wenn Griechenland endlich für pleite erklärt wird, dann bricht mitnichten der Euroraum zusammen, dafür ist Griechenland zu klein. Aber es wäre endlich ein Signal an die anderen Südländer. Man kann nicht leben, als hätte man eine Inflationswährung aber gleichzeitig die Stabilität einer harten Währung genießen, man muss halt auch was dafür tun.

  • Wenn die FDP Experten schon einmal dabei sind,
    dann sollten sie Nägel mit Köpfen machen.
    Berlin und Bremen auch raus aus dem Euro !!
    Die sollen gefälligst den preußischen Reichstaler
    wieder einführen.

  • Stellt euch mal 17 Menschen vor, dessen Lebensalter, Geschlechte, Körpermasse, Blutgruppe, Gesundheitsstatus und Krankheitsgeschichte unterschiedlich sind.

    Sie sind seit Jahren mit künstlichen Adern miteinander knüpfelt und dasselbe Blut läuft schon durch ihre Körper.
    Das Blut ist €uro!

    Wenn ein körperliches Eieigness bei einem Menschen davon passiert, z.B. Erkältung, Kopfschmerzen, Infektion, Verleztung, Herzanfalle, ein Mal pro Monate bei Frauen usw, dann müssen alle 17 Menschen unbedingt miteinander den Einfluss teilen.
    Obwohl deutscher Michael supergesund und -intelligent ist, wird er jedesmal beunruhigt.

    Deshalb stürbe auch deutscher Michael, wenn die Blutgemeinschaft Griechen allein sterben ließe.

  • Super interessant. Die SZ kommt also zu der Erkenntnis, das Griechenland kein Exportland ist. Wenn sie in der Lage wären, den Gedanken weiterzudenken, käme man schnell darauf, das es keinerlei Sinn macht, so einem Land dauerhaft Milliardenkredite hinterherzuwerfen, für die es selbst in 100 Jahren keine Chance auf Rückzahlung gibt.
    Können wir doch gleich, als Alternative 300 Milliarden an den Club Mediterrane überweisen.

    Hier wird nicht weiter getan, als ein instabiles System, welches keine Aussicht auf Bestand in der Zukunft hat, künstlich am Leben zu erhalten.
    Erinnert irgendwie an die masslose Kohleförderung in Deutschland, die über Jahrzehnte Kapital in eine überholte Technologie gebunden hat, anstatt dieses für Forschung in zukunftsträchtige Konzepte und Entwicklungen zu investieren.

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