Presseschau Es wird eng für die Eurozone

Die internationale Presse prognostiziert sowohl den Bankrott Griechenlands als auch das Ende des Euro. Weitere Themen: Steve Ballmer sollte sich opfern und die UBS wirft einen Schatten auf Investmentbanken.
  • Peggy Pfaff
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"Alarm in Athen": Zweifel an dem griechischen Sparprogramm. Quelle: dpa

"Alarm in Athen": Zweifel an dem griechischen Sparprogramm.

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Wiesbaden„Alarm in Athen“ schreibt Spiegel Online: Die EU drohe Griechenland möglicherweise mit einem Zahlungsstopp, weil das bisherige Sparprogramm gescheitert und die verabredeten Ziele verfehlt worden seien. Wegen des zu geringen Reformtempos sei die Überweisung der nächsten EU-Kredittranche an das südeuropäische Land in Frage gestellt, hat Spiegel Online von EU-Währungskommissar Olli Rehn erfahren. Europa knüpfe dieselben Bedingungen an seine Hilfszahlungen wie der Internationale Währungsfonds (IWF), dieser aber erwäge, seine für Juni geplante Überweisung zu verweigern. „Die Lage ist sehr ernst“, zitiert das Magazin Rehn. Grund für die ungenügenden Ergebnisse sei, dass die griechische Regierung noch immer mehr ausgebe, als im Hilfsprogramm vereinbart. Auch sollen die Steuereinnahmen hinter den Vorgaben zurückbleiben. Auch die griechische EU-Kommissarin Maria Damanaki sehe die Lage ihres Landes dramatisch: Ohne ein „Programm mit großen Opfern“ drohe Griechenland der Ausstieg aus der Eurozone.

„Es wird immer enger“, konstatiert der Wiener Standard nach dem Bericht von Spiegel Online. Zwar hätten der IWF und Griechenland den Bericht des Magazins umgehend dementiert, doch Zweifel an der Wirksamkeit des griechischen Sparprogramms seien angebracht. So habe sich die Opposition am Freitag geweigert, dem Sparkurs von Ministerpräsident Giorgos Papandreou zuzustimmen. Auch verfüge Griechenland nur noch bis Mitte Juli über Mittel, um seine Verpflichtungen zu erfüllen und etwa Löhne oder Pensionen zu zahlen. Jean-Claude Juncker, Vorsitzende der Eurogruppe, habe zudem Medienberichten zufolge angedeutet, dass der IWF seinen Teil der aktuellen Tranche von gut drei Milliarden Euro nicht auszahlen wolle. Und schließlich habe sich auch die Europäische Zentralbank kritisch geäußert. „Aus Sicht der EZB muss der Verkauf von Staatsbesitz schneller gehen als von der Regierung geplant.“ Wäre Griecheland hier ehrgeiziger, würde das den Schuldenstand um 20 Prozentpunkte drücken.

„Wird Griechenland zur Auktion freigeben?“, bringt die Financial Times die aktuelle Debatte auf den Punkt. Die Bemerkung der griechischen EU-Kommissarin Maria Damanaki, das Land werde zur Drachme zurückkehren müssen, wenn es sich nicht mehr anstrenge, sei eine ernste Warnung an die Politiker ihres Landes. Und die Forderungen, die EU und IWF an das Land stellten, seien sicher berechtigt: „Griechenland würde profitieren von einer verbesserten Wettbewerbsfähigkeit, von mehr Effizienz, von einer höheren Privatisierungsrate. Doch das wird Griechenland nicht heilen, denn die Schulden betragen inzwischen 150 Prozent des BIPs.“ Es dränge sich der Verdacht auf, dass EU und IWF so sehr auf Privatisierungen drängen, um ihre eigene Unfähigkeit, eine umfassende Lösung für die Probleme des Landes zu finden, zu überdecken. „Die Kernfragen sind doch, wie Griechenland sich in den kommenden zwei finanzieren kann und ob eine Umschuldung nötig ist. Diese Fragen werden durch Privatisierungen nicht beantwortet.“

Kanadas Report on Business erinnert an die gut gemeisterte Staatsschuldenkrise im eigenen Land ab 1993 - und hinterfragt, warum Europa seine Krise nicht schultert: „Griechenland steht kurz vor dem Bankrott, der Ausstieg aus der Eurozone ist plötzlich vorstellbar. Portugal und Irland ergeht es ähnlich, Spanien und Italien haben sich angesteckt, Großbritanien leiht aktuell so viel Geld wie nie zuvor.“ In Kanada habe ein Radikalsparkurs die Wende gebracht, in Europa würden die Ausgaben dagegen nur ganz allmählich zurückgefahren. Auch habe Kanada vor der Schuldenkrise einen starken wirtschaftlichen Aufschwung genossen, Europa wachse nur marginal. „Und schließlich ist Politik ein Grund: Kanada hatte eine starke liberale Regierung, die ein klare Botschaft an die Bevölkerung richtete und sie hinter sich brachte. In Europa werden die Sparmaßnahmen von lahmen Regierungen vertreten.“ Spaniens Sozialisten seien in den letzten Wahlen „geschlachtet“ worden, Angela Merkels Stern sinke, ebenso Nicoals Sarkozys, und Silvio Berlusconi sei in Prozessen gefangen. „Die Kanadier haben sich damals zusammengerissen und Opfer erbracht. In der EU sieht es nicht danach aus: Die Schuldenkrise ist längst noch nicht ausgestanden.“

Die Eurozone könne versuchen, ihre Strategie des „delay and pray“ weiterzuverfolgen, doch die Tage des Euro seien gezählt, lautet die pessimistische Prognose des britischen Telegraph. Von Anfang an habe der Einheitswährung Glück, starkes Wirtschaftswachstum und aufgeklärtes Wirtschaftsmanagement gefehlt, zu Fall gebracht hätten sie nun einige Fehler: Zum einen zu hohe Ausgaben im Privatsektor in Spanien, Irland und Griechenland, zum anderen Regierungen, die hohe Staatsverschuldungen zuließen. „Die EU-Behörden haben die reale Gefahr eines Staatsbankrottes und die Möglichkeit einer nachfolgenden Bankenkrise fahrlässig unterschätzt.“ Griechenlands Schuldenberg sei nun so hoch, dass es dem Land unmöglich sei, ihn ohne Hilfe - das heißt ohne Geschenke - abzutragen. „Es muss etwas passieren mit Griechenland. Sie werden es Restrukturierung oder Neuprofilierung nennen, doch in Wahrheit wird es ein Staatsbankrott sein.“ Die „Rechnung“ dafür werde das EU-Bankensystem erschüttern, auch die EZB, die eine große Anzahl an griechischen Anleihen erworben hat. Die daraus resultierende Krise könne die EU-Staatschefs veranlassen, das Ende des Euro einzuläuten. 

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17 Kommentare zu "Presseschau: Es wird eng für die Eurozone "

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  • Die Länder, die die Kriterien nicht erfüllen, hinauswerfen? Dann wäre Deutschland auch draußen. Darf ich daran erinnern, dass uns Frankreich und Deutschland den Schlamassel eingebrokt haben, die seinerzeit als erste sämtliche Kriterien gebrochen haben und erklärt haben, diese wären ihnen egal? Danke, Herr Schröder!

  • http://coveringdelta.wordpress.com/2011/05/29/accusations-of-treason-in-the-greek-parliament/

  • @AS1
    Volle Zustimmung
    Der Euro in seiner jetzigen Form ist das Problem.
    Staaten unterschiedlichster Wirtschaftsstrukturen und Stabilitätsvorstellungen wurden in einem Wahrungsblock zusammengeführt. Das Resultat sehen wir heute.
    Der Euro muß, wenn er erhalten bleiben soll, auf zwei Füßen stehen, einem stabilitätsorientierten "Nord-Euro" und einem "Süd-Euro" derjenigen Länder, die andere Traditionen und Vorstellungen haben, die ihren spezifischen Interessen entsprechen.
    Davon abgesehen, sollte man den Euro in seinen jetzigen Ausgestaltung nicht zu einen Frage von Krieg und Frieden in Europa machen. Das ist das letzte Argument derjenigen, denen alle anderen Argumente ausgegangen sind.

  • @Fortunio

    Zur Zeit der EWG gab es noch kaum Konkurrenz aus China und den Schwellenländern. Vergessen Sie nicht, dass wir gerade mit dem Euro eine wichtige Rolle im internationalen Handel spielen.
    Den Euro abzuschaffen halte ich für schlecht. Besser wäre es, die "schlechten" Länder erst gar nicht eintreten zu lassen bzw. wieder hinaus zu werfen. Der oft zitierte Vorschlag, nur noch die wichtigen Kernländer, die die Stabilitätskriterien erfüllen, im Euro zu lassen, halte ich dagegen für besser. Und Länder, die nicht die Kriterien erfüllen, dagegen in einen Euro 2 zu schicken.


  • Warum wird an Griechenland so verbissen festgehalten?

    Wenn Griechenland kippt, fallen Irland und Portugal mit um. Ist wie beim Domino Day. Die EZB ist pleite, da sie schon bei eine Forderungsverzicht von 50% der griechischen Anleihen bilanziell überschuldet ist. Von den europäischen Banken ganz zu schweigen. Das Resultat? Die EU und der Euro fliegen auseinander.

    Und jetzt schauen wir uns mal die wichtigsten, handelnden Protagonisten und ihre Motivationen an!

    Junker und Rehn wären sofort arbeitslos. Aber was für solche Herren viel schwerer wiegt - machtlos.

    Der eitle Trichet verliert sein „Mythos“ als „Stabilitätsbanker“ und müsste eingestehen, dass Weber recht hatte.
    Sarkozy kann sein Wiederwahl vergessen und nicht mehr den Klein-Napoleon geben.

    Merkel und Schäuble haben nicht nur davor Angst, die nächste Wahl zu verlieren, sondern eher davor, die nächste Laterne zu zieren, wenn der Michel offiziell bestätigt bekommt, dass nicht nur sein Geld, sein Rente und sein LV´s weg sind, sondern er noch einen A... voll Schulden hat.

    Also jetzt mal ehrlich. Von diesen Leuten erwarten wir eine Abkehr vom Euro und sinnvolle Entscheidungen zum Wohle unserer Nation?

    Nie im Leben. Da macht man lieber alternativlos weiter und hofft, dass man sich beim unausweichlichen ganz großen Chaos irgendwie verdrücken oder anderen den schwarzen Peter zuschieben kann.

    Ergo - (Lach) der Untergang ist vorläufig abgesagt.

    Vorher kommt eher noch QE 1-3 wie bei den Amis. Damit es ganz sicher auch richtig knallt.

  • Der Euro war die dümmste Entscheidung für die Europäer seit dem zweiten Weltkrieg.
    Hier handelt es sich nicht um ein friedensstiftendes Geldsystem, sondern um eine Lunte.
    Und die Lunte brennt!
    Das merkt man schon dadurch, dass die Deutschen und die Griechen gegeneinander aufgehetzt werden.

  • Heinrich mir graust vor dir. (Goethe, Faust I)
    Es gab zu Zeiten der EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) und des Nichtvorhandenseins des Euro keinerlei Friedensprobleme zwischen den Staaten der damaligen Gemeinschaft. Die massiven Probleme sind mit der Einführung des Euro zu Tage getreten. Heinrich stellt die Dinge auf den Kopf. Er sollte sich wieder auf die Füße der Tatsachen stellen und den Euro als das erkennen, was er ist, nämlich Träger zu sein einer Entwicklung, die zu erheblichem Unfrieden in Europa führt und schon geführt hat.

  • Verstehe, das ist Ironie in Reinkultur.

  • es ist heutzutage möglich in jedem land und bei jedem presseorgan wichtigtuer und spinner zu jedem thema und jedem tenor zu finden. speziell in der englischen und amerikanischen presse wird ein süppchen gegen euroland gebraut.
    also was soll´s ?

  • Die Griechenlandkrise kochte hoch, als klar wurde, dass das Land nicht gleichzeitig seine staatlichen Aufgaben finanzieren und seine Schulden bedienen wuerde koennen. Vor einem Jahr war das Land so ueberschuldet, dass neue Schulden das Land nur noch tiefer in die Krise treiben wuerde. Die Griechenland als Bedingung fuer weitere Kredite auferlegten Massnahmen waren reine Augenwischerei. Das Sparprogramm musste tief in die wirtschaftliche Depression fuehren und die Privatisierung war unrealistisch. Bei der Privatisierung eigengenutzter Immobilien faellt zukuenftig Miete an, bei der Privatisierung anderer Objekte entfaellt Einkommen. Fuer viele Privatisierungsobjekte ist unter gegebenen Umstaenden kein fairer Preis zu erzielen.

    Was ist der Grund fuer die augenscheinliche Kehrtwende? Ich sehe zwei Moeglichkeiten. 1) Die Verantwortlichen waren absolut unfaehig die Situation einzuschaetzen und versuchen jetzt einen tragischen Irrtum zu korrigieren. 2) Man wollte den Banken Zeit geben, ihre fallierten Engagements bei oeffentlichen Institutionen abzuladen. Letzteres ist aus Sicht des deutschen Steuerzahlers ein unglaublicher Vorgang, weil die deutschen Banken verpflichtet wurden, ihre Griechenland Anlagen bis 2013 zu halten, waehrend die EZB von anderen Banken abenteuerliche Betraege uebernommen hat.

    Fest steht, dass hunderte von Milliarden Euro verbrannt wurden, ohne dass damit auch nur der geringste Nutzen erzielt wurde.

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