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Presseschau EU-Kommission schont die Kernländer

Die internationale Wirtschaftspresse ist nicht überzeugt vom strengeren Euro-Stabilitätspakt – kleinere Staaten drohten weiter drangsaliert zu werden. Laut WSJ folgt Federico Ghizzoni dem scheidenden Unicredit-Chef Alessandro Profumo. La Tribune zweifelt an der geplanten Übernahme von Genzyme durch Sanofi-Aventis. Fundstück: Financial Crimes in Deutschland.
  • Daniel Lenz
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Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse. Quelle: dpa

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

(Foto: dpa)

Die EU-Kommission hat einen strengeren Euro-Stabilitätspakt und eine bessere Wirtschaftsaufsicht verabschiedet. Die Behörde zieht unter der Regie von Kommissionspräsident José Manuel Barroso damit die Konsequenz aus dem griechischen Schuldendebakel, geplatzten Immobilienblasen in Irland und Spanien sowie der Eurokrise im Frühjahr.

Die britische Financial Times zweifelt an den neuen Regeln, da diese voraussichtlich nicht gleichmäßig bei allen EU-Staaten angewandt würden. Folge: Große Staaten würden weiter die kleinen drangsalieren. Als Beispiel erinnert das Blatt daran, dass Frankeich und Deutschland 2003 und 2004 gegen den Pakt verstoßen hätten und straffrei davongekommen seien. Immerhin gehe die Kommission mit der Regelung, dass von der Brüsseler Behörde verhängte Sanktionen als beschlossen gelten, wenn der Rat sie nicht mit qualifizierter Mehrheit ablehnt, einen Schritt in die richtige Richtung – gleichwohl sei es aus heutiger Sicht weiterhin kaum vorstellbar, dass diese Regel tatsächlich einmal gegen Kernländer der EU angewandt würde.

Das Wall Street Journal greift den an die Kommission zu zahlenden Pfand in Höhe von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts des betroffenen Landes auf, der bei Verstößen gegen den Pakt in ein Strafgeld umgewandelt werden soll - dieser falle in guten Zeiten zu klein aus und sei in schlechten Zeiten kontraproduktiv. „Das Problem der Kommission besteht darin, dadurch ausgebremst zu werden, dass sie kompatibel bleiben muss mit den Verträgen, die der Europäischen Union zugrundeliegen und die eine Fiskalunion bisher vereitelt haben.“ Gleichwohl verkörpere der Plan eine Verlagerung der Macht zur Kommission – allein aus diesem Grund könnten einige Ländern versuchen, die Reform zu verwässern, warnt das Blatt.

Das Manager Magazin fordert einen EU-Währungsfonds (EWF), um drohende Insolvenzen abzufangen. Zu diesem Zweck sollten die bereits bestehenden 860 Milliarden Euro für Griechenland und der Stabilisationsmechanismus für den Euro in diesen Fonds überführt werden. Einerseits müssten die Entscheidungen über finanzielle Hilfe künftig schneller getroffen werden können; andererseits gäbe die Finanzierung des Fonds den Ländern einen klaren Anreiz, ihre Haushalte stets in Ordnung zu halten. Schließlich könnte der EMF eine reguläre Insolvenzprozedur für Staaten festlegen, so dass die damit einhergehenden Verwerfungen minimiert würden.

Federico Ghizzoni folgt Alessandro Profumo

Das Wall Street Journal berichtet, dass Federico Ghizzoni das Rennen um die Nachfolge von Alessandro Profumo als Chef der Unicredit gemacht hat. Angeblich soll der bislang für die zentral- und osteuropäischen Märkte zuständige Vorstand bei Italiens größtem Institut schon am heutigen Donnerstag den offiziellen Ritterschlag erhalten. Diese Personalie sei so zu werten, dass die italienische Bank an ihrem Geschäft in den Regionen, für die Ghizzoni bislang verantwortlich zeichnete, festhalten wolle – Profumo habe dort Banken übernommen, weil er von höheren Wachstumsraten als auf dem Binnenmarkt Italien ausging. Gleichwohl sei die Strategie umstritten. Viele Aktionäre forderten, dass sich das Institut stärker auf den italienischen Markt konzentrieren solle, statt in Europa zu expandieren. Der 55-Jährige arbeite seit 1980 für Unicredit und habe seit der Übernahme der Verantwortung für die zentral- und osteuropäischen Märkte den Fokus auf die Reduktion von Kosten gelegt und dabei Hunderte von Jobs in der Ukraine gekürzt.

Stabilitätskultur bei BMW & Co.

Die Börsen-Zeitung greift die Vertragsverlängerung von BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer um weitere fünf Jahre auf. Dass auch bei Daimler der Vertrag von Konzernchef Dieter Zetsche um drei Jahre verlängert worden sei und ein entsprechender Schritt bei Volkswagen folgen dürfte, sei kein Zufall. Während längere Amtszeiten von Spitzenmanagern bei den Autobauern bisher selten gewesen seien, habe die Finanz- und Wirtschaftskrise die Unternehmen zur einer „Stabilitätskultur“ gezwungen. Als Ingenieure würden von Reithofer, Zetsche und Winterkorn jetzt neue Impulse erwartet. „Letzteres haben sowohl BMW als auch Mercedes-Benz Cars und VW bitter nötig. Zwar haben die drei Manager ihre Konzerne erfolgreich durch die tiefe Krise gelenkt. Zugleich stehen die Zeichen für die Flagschiffe der deutschen Autoindustrie dank der sich unerwartet rasch erholenden Absatzmärkte wieder auf Aufschwung.“

Greift Sanofi-Aventis erfolglos nach Genzyme?

Eine „riskante Therapie“ bescheinigt La Tribune aus Frankreich dem Konzern Sanofi-Aventis mit Blick auf sein Vorhaben, Genzyme zu übernehmen. „Im unerbittlichen Universum der Pharmariesen zählt jede Chance auf Wachstum und Erweiterung des eigenen Portfolios. Ohne Zweifel ist auch ein Biopharma-Wettbewerber interessant, der die gut verkäuflichen Medikamente von Morgen entwickelt.“ Doch Sanofi-Aventis biete für den Biopharmazeutiker Genzyme 69 Dollar pro Aktie. „Mit dieser Offerte wird der Konzern kein Erfolg haben“, kommentiert das Blatt. Genyzme wünsche sich ein Angebot zwischen 75 und 80 Dollar, zudem bewerte die Wall Street die Aktie mit mehr als 71 Dollar. „Sanofi-Aventis müsste also sechs bis elf Dollar pro Aktie drauflegen, in der Summe wären das mehr als 20 Milliarden Dollar. Soviel Geld aufzubringen für eine einzige Übernahme - und obendrein Schulden zu machen -, wäre finanziell hochriskant“, warnt das Blatt.

Nach Generalstreik Dialog gefordert

Einen Tag nach dem Generalstreik in Spanien müssen sich Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände schnell mit der Politik an einen Tisch setzen, fordert die Wirtschaftszeitung Cinco Días. Völlig unangebracht seien die jüngsten Drohungen der Gewerkschaftsführer, nur dann mit der Regierung zu sprechen, wenn diese ihre umstrittene Arbeitsmarktreform aufgebe. Die Reform sei zwar nicht perfekt, bedeute aber in jedem Fall einen Schritt in die richtige Richtung und ein Annähern an geltendes Recht in anderen europäischen Ländern. Gäbe die Regierung dem Druck der Gewerkschaften nach, so handelte sie bezüglich internationaler Vereinbarungen unverantwortlich und sende zudem ein falsches Signal an die Finanzmärkte. Verweigerte die Gewerkschaft den Dialog mit der Regierung, so bedeutete dies einen Rückschlag nicht nur für die von der Reform betroffenen Arbeitnehmer, sondern auch für ein Land, das sich längst noch nicht von der Krise erholt habe, warnt das Blatt.

Financial Crimes in Deutschland

Konrad Kujau, Autor der Hitler-Tagebücher, würde wohl vor Neid erblassen: Die Globalisierungskritiker von Attac haben in ihrer Fälscherwerkstatt einen Klon der Financial Times Deutschland gebastelt und mit Hintergrundberichten über Ursachen und Folgen der Finanzkrise gefüllt. Am gestrigen Mittwoch, zum Treffen der EU-Finanzminister, wurde die achtseitige Financial Crimes in einer Auflage von 120.000 Stück in 75 deutschen Städten verteilt. Für die Ausgabe konnte Attac prominente Autoren gewinnen, darunter der Journalist und Buchautor Harald Schumann und Heribert Prantl, Ressortleiter Politik bei der Süddeutschen Zeitung. Zentrale Forderung von Attac: Zerschlagung der Großbanken.

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Mitarbeit: Florian Käfer, Peggy Pfaff

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