Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Presseschau Fällt das „Merkozy“-Tandem bald auseinander?

Die internationale Wirtschaftspresse fürchtet eine Verschärfung der EU-Krise: Die Schuldenstaaten drohten ihre Reformen zu verschleppen. Deutschland und Frankreich könnten dagegen von der Innenpolitik abgelenkt werden.
  • Maxim Kireev
Kommentieren
Das Bündnis zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatschef Nicolas Sarkozy könnte sich durch innenpolitische Querelen auflösen. Quelle: dpa

Das Bündnis zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Staatschef Nicolas Sarkozy könnte sich durch innenpolitische Querelen auflösen.

(Foto: dpa)

Das Wall Street Journal blickt trotz des wirtschaftlich guten Starts ins neue Jahr mit Sorge auf Europas Krisenstaaten. Die europäischen Kapitalmärkte hätten in der ersten Woche zwei Prozent gewonnen, der Markt für Bankenschulden sei nach sechs Monaten wieder angesprungen und die Zinsen für Italien und Spanien blieben stabil. Trotzdem sei die „große Frage von 2012“, ob Spanien, Italien und Griechenland die versprochenen Strukturreformen bewältigen können. Die Sparmaßnahmen seien noch der einfache Teil. „Es sind radikale Reformen auf der Anbieterseite notwendig, um über Jahrzehnte verlorene Wettbewerbsfähigkeit zurückzuholen und langfristiges Wachstum herzustellen“, meint das Blatt. In Italien sei seit Antritt von Mario Monti noch nicht viel geschehen. Auch Griechenland hinke dem Plan hinterher. Hinzu kämen Befürchtungen, der 50 % Haircut für private Gläubiger reiche nicht aus, um den Schuldenstand nachhaltig zu stabilisieren. Die Regierung in Spanien ringe trotz weitreichendem Mandat um eine Reform des archaisch geregelten Arbeitsmarktes. Die Abschwächung des Drucks der Märkte dürfe von den Regierungen nicht für eine Atempause genutzt werden.

Der australische Business Spectator sieht die Lage hingegen nicht so positiv und glaubt an eine Verschärfung nach dem Ende der Weihnachtsferien. Dafür spreche der italienische Zinssatz, der wieder auf sieben Prozent geklettert sei oder die wiederaufkeimenden Gerüchte um Griechenlands Pleite. „Es gibt genug Gründe für die Europäer, sich wieder den Kernproblemen zu widmen“, schreibt die Zeitung. Die Bundeskanzlerin Angela Merkel werde jedoch von anderen Problemen abgelenkt. Mit der Wulff-Affäre drohe sie bereits den zweiten Bundespräsidenten zu verlieren und auch das Tandem Merkozy dürfte bald auseinanderfallen. „Nicolas Sarkozy braucht ein Wunder, wenn er im Amt bleiben möchte“, schreibt das Blatt. Die politische Ablenkung drohe den Kampf gegen die Krise in Europa zu lähmen. Jede nun getroffene Abmachung könnte die französische Wahl im Mai nicht überdauern, weshalb Merkel jeden Schritt ihres Partners in Europa mit Sorge betrachten werde. 

Die Financial Times fordert ein schnelles Ende im Drama um die Gläubigerbeteiligung bei der Rettung Griechenlands. Dabei sollte Europa auf einen Deal drängen, der die Belastung für Griechenland so weit wie möglich reduziere. Es gebe keinen Grund, Mitleid mit den Gläubigern zu haben. Diejenigen von ihnen, die griechische Bonds zu Niedrigpreisen erworben haben, würden von einem Tausch ihrer alten Anleihen gegen neue Papiere mit geringerem Wert sogar profitieren. Gleichzeitig müsse Europa versuchen, die Belastung andernorts zu minimieren. So würde das griechische Bankensystem von Abschreibungen belastet und müsse rekapitalisiert werden. Der Rettungsfonds könne dazu verwendet werden, der EZB die griechischen Anleihen abzukaufen. Richtig durchgeführt, werde diese Operation den Griechen einen Verbleib in der Eurozone erleichtern. Es müsse jedoch ein einmaliger Vorgang bleiben.

EU nimmt Ungarn in die Mangel

Die Financial Times Deutschland begrüßt die härtere Gangart der Europäischen Union gegenüber Ungarn und den Regierungschef des Landes Viktor Orban. Seine Partei Fidesz habe das ganze Land zur Beute erklärt und hemmungslos versucht ihre Macht zu festigen. Selbst die Unabhängigkeit der Notenbank habe Orban in Frage gestellt. Die Europäische Union nutze nun die prekäre Haushaltslage des Landes, um Einfluss auf die Situation zu nehmen. Die Drohung des Währungskommissars Olli Rehn, Ungarn das Geld aus dem Kohäsionsfonds zu streichen, ganz korrekt wegen fehlender Haushaltsdisziplin, sei mehr als ein Warnschuss. „Es ist die eindeutige Botschaft: Wer in unserem Klub mitmischen will, der hält sich gefälligst an die Spielregeln“, schreibt das Blatt. Das Land stehe kurz vor der Pleite und sei dringend auf internationale Geldgeber angewiesen. Das muss die Kommission ausnutzen und den Druck aufrechterhalten, damit sich Ungarn in Punkto Rechtsstaatlichkeit und Unabhängigkeit der Notenbank wirklich bewege. Sie dürfe sich nur nicht mit Versprechen abspeisen lassen.

Fundstück: Reiche Briten klauen gern

Eons großer Wurf

Dem deutschen Versorger Eon könnte in Brasilien der „große Wurf“ gelungen sein, berichtet die Börsen-Zeitung. Mit MPX habe Eon einen ambitionierten Partner gefunden, der sich auf dem schnell wachsenden Energiemarkt in Brasilien auskenne. Die dortige Wirtschaft wachse und brauche neue Kraftwerke – die Stromnachfrage steige mit 5 Prozent jährlich. Die Risiken scheinen recht begrenzt, da Eon keine Milliarden in die Hand nehme. Der Konzern wolle es zunächst mit einer Minderheitsbeteiligung und einem Joint Venture versuchen. In der Vergangenheit habe Eon bereits Milliarden wegen Fehlinvestitionen in Spanien abschreiben müssen. Auch hinter MPX stünden einige Fragezeichen, denn das Unternehmen hat nur wenige Megawatt bereits am Netz, dafür aber umso mehr Großprojekte. Laut Schätzungen könnten der deutsche Versorger bis zu vier Milliarden Euro in die neuen Baustellen investieren.

Ein Schattenkrieg im Iran

Die Süddeutsche Zeitung sieht nach einem Attentat auf einen iranischen Atomphysiker Hinweise auf einen Schattenkrieg zwischen westlichen Geheimdiensten und dem Teheraner Regime. Zwar gebe es keine konkreten Belege dafür, dass hinter dem Anschlag tatsächlich die USA oder Israel stecken, wie es im Iran heiße. „Was es aber durchaus gibt, sind plausible Argumente“, schreibt das Blatt. Es sei nicht das erste Attentat nach diesem Muster und gezielte Tötungen gehörten zum Arsenal vom Mossad, dem Geheimdienst Israels. Der ehemalige Mossad-Chef Meir Dagan mache keinen Hehl daraus, dass er Sabotage für Effektiver als einen Militärschlag gegen Irans Nuklearanlagen halte. Offenbar sollte die Tötung auch eine psychologische Wirkung erreichen, schließlich werde das Atomprogramm des Iran nicht durch den Verlust einzelner Wissenschaftler aufgehalten. „Es geht darum, Angst und Schrecken zu verbreiten“, meint die SZ.  Den Atomkonflikt mit dem Iran lösten solche Taten nicht.

Frankreich hat einen eigenen Steve Jobs
Der spektakuläre Einstieg des französischen Internetdienstanbieters Iliad in den Mobilmarkt inspiriert L‘Expansion, Parallelen zwischen Apple und Free, zwischen Steve Jobs und Xavier Niel zu sehen. Iliad habe bereits im Internetgeschäft der Konkurrenz geschadet, mit günstigen Breitband-Anschlüssen, nun wolle es mit „Free Mobile“ den Mobilmarkt in Frankreich aufmischen. Vieles bei Free erinnere an Apple: „Beide sind elitär: Apple hat teure Produkte, Free preiswerte, die Computerfreaks ansprechen. Beide plädieren für einfache Anwendungen. Und bei beiden rühren Innovationen aus der Überzeugung ihrer Chefs, und nicht aus Marktentwicklungen oder Erhebungen.“ Beide kommunizierten auch ähnlich, liebten das Spiel mit Gerüchten, um ihre Fangemeinde vor der Einführung eines neuen Produkts „anzuheizen“. In Frankreich könne schon längst nur etwas auf sich halten, wer Apple oder Free habe. „Und letztlich führen beide den Kampf Davids gegen Goliath: Apple kämpft gegen Microsoft, Free gegen Orange.“

Putins Korruptions-PR

Für russische Staatsunternehmen beginne das neue Jahr nervenraubend, schreibt die Zeitung Vedomosti. Grund sei wiederholt eine Korruptionskampagne, die die Regierung angeschoben habe. Die Staatsbetriebe hätten nur wenige Wochen Zeit, um umfangreiche Informationen über die Endbegünstigten ihrer Geschäftspartner zur Verfügung zu stellen. Neue Verträge dürften nur unterzeichnet werden, wenn die Partner ihre Eigentümerstruktur offenlegten. Hinzu müssten alle Top-Manager detaillierte Auskünfte über ihre Einkünfte und finanzielle Verpflichtungen Auskunft erteilen. Wenn die Rede nicht von Russland wäre, könnte man die Aktion als effektiven Schlag gegen die Korruption bezeichnen. Schließlich sei es gängige Praxis, dass mit Hilfe dubioser Off-Shore-Gesellschaften korrupte Manager unerkannt und staatliches Geld praktisch unkontrolliert bleiben können. Das Verbot von Verträgen mit zwielichtigen Partnern könnte die Situation zum Besseren wenden. Allerdings sehe das Ganze eher aus wie eine billige PR-Aktion vor der Wahl aus. Die Fristen seien einfach zu kurz, um die ganze Arbeit zu bewältigen. Außerdem gelte der Aufruf nicht für einige staatliche Giganten wie etwa den Ölkonzern Rosneft.

Fundstück: Warum Reiche im Supermarkt klauen

Napoleon nannte die Briten einst eine Nation der Ladenbesitzer. Offenbar sind wir jedoch eine Nation von Ladendieben, schreibt die britische Zeitung  The Guardian nach einem wiederholten Fall von „Promi-Diebstahl“ im Supermarkt. Es sei unklar, warum der Star-Koch Antony Worrall einfachen Krautsalat mitgehen lasse, während er gleichzeitig für etwa 200 britische Pfund Champagner kaufe. Der Mann ist ein Mysterium, wohl auch für sich selber. Seit er beim Klauen erwischt worden sei, habe er alle möglichen tiefsitzenden psychologischen Probleme als Grund angeführt. „Schade eigentlich, dass es in Großbritannien nicht die Anonymen Ladendiebe, wie in den USA gibt“, schreibt die Zeitung. Es gebe ganze Studien über die so genannten „Netten Frauen, die stehlen“. Viele von ihnen sind im mittleren Alter und versuchten sich einen zusätzlichen Nervenkitzel gegen die Midlife-Crisis zu verschaffen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

0 Kommentare zu "Presseschau: Fällt das „Merkozy“-Tandem bald auseinander?"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.