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Presseschau „Griechenland braucht keinen Aufpasser“

Die internationale Presse diskutiert den deutschen Vorschlag, Griechenland unter noch umfänglichere EU-Kontrolle zu stellen: Die Probleme des Landes löse das nicht, vielmehr werde es förmlich aus der Eurozone vertrieben. Die Presseschau.
  • Peggy Pfaff
15 Kommentare
Eine griechische Fahne neben einer EU-Fahne im Brüsseler Residenzpalast. Griechenlands Finanzprobleme bestimmten die Agenda des EU-Gipfels. Quelle: dapd

Eine griechische Fahne neben einer EU-Fahne im Brüsseler Residenzpalast. Griechenlands Finanzprobleme bestimmten die Agenda des EU-Gipfels.

(Foto: dapd)

Eine Idee mit Stammtisch-Niveau sieht die Financial Times Deutschland in dem Vorschlag Deutschlands, einen „europäischen Aufseher“ nach Griechenland zu schicken: „Die Probleme Griechenlands und der Euro-Zone löst das nicht.“ Weder Premier Papademos noch „irgendwelche Brüssel-Gesandten“ könnten über Jahrzehnte gewachsene Verwaltungsstrukturen umkrempeln. Wenn die EU direkt in Griechenland eingreife, könne der Widerstand gegen Reformen wachsen. Und schließlich habe Griechenland kein Ausgaben-, sondern ein Einnahmen- und Wachstumsproblem. Was Athen brauche, sei ein Ratgeber, kein „Aufpasser“. Vor allem aber würde Deutschland selbst es nie akzeptieren, wenn jemand aus Brüssel käme und sich über Beschlüsse von Regierung und Parlament hinwegsetze. Würde dies tatsächlich umgesetzt, schüfe man einen juristischen Präzedenzfall im EU-Recht - und der könne auch die Deutschen treffen, „etwa wenn sie das nächste Mal die Maastricht-Kriterien verletzen.“

„Dieser Vorstoß bringt Griechenland einen Schritt weiter Richtung Euro-Ausstieg“, kommentiert der Business Insider. „Das Griechenland seine Souveränität aufgibt, ist undenkbar. Deutschland kann nicht wirklich glauben, dass Griechenland das schluckt.“ Das Land habe im Zuge der Bewilligung der Rettungspakete schon viel an Hoheitsgewalt abgeben müssen, mit diesem deutschen Vorschlag aber sei nun der Moment gekommen, in dem Griechenland tatsächlich über einen Ausstieg aus der Eurozone nachdenken sollte. „Früher oder später muss den Griechen klar werden, dass es vielleicht besser ist, zu gehen - statt eine Finanzdurstrecke über viele Jahre durchzustehen. Eine Abwertung nach dem Ausstieg könnte das Wirtschaftswachstum in Griechenland vielleicht sogar schneller in Gang setzen.“

Als Ausdruck wachsender Ungeduld unter den Eurozone-Mitgliedern wertet dagegen Le Monde den Vorschlag: „Die Gespräche über einen teilweisen Schuldenabbau, die Griechenland mit privaten Gläubigern führt, dauern an. Der Fortschritt der Bemühungen des Landes, das auf weitere 130 Milliarden Euro EU-Hilfe hofft, geht ihnen zu schleppend voran.“ Der Druck auf die griechische Regierung unter Lucas Papademos solle offenbar auf ein Maximum erhöht werden, das Land solle gezwungen werden, seine Sparpolitik zu verschärfen und seine Wirtschaft noch stärker zu regulieren. „Das Misstrauen der europäischen Partner ist zuletzt auch durch die Reibereien in der griechischen Regierungskoalition gestiegen, die stellen sich mehr und mehr gegen weitere Opfer, die die EU von den Griechen fordert.“

Das Wall Street Journal wertschätzt indessen die Anstrengungen Griechenlands in Gesprächen mit privaten Gläubigern - in dieser Woche könne ein Deal über eine Schuldenreduktion in Höhe von 100 Milliarden Euro abgeschlossen werden. „Doch nun richtet sich die Aufmerksamkeit auf den Gipfel in Brüssel am heutigen Montag, wo die EU-Partner Griechenlands die Umschuldung und die neuen Kredithilfen für das Land sanktionieren werden - oder nicht. Dass Deutschland in diesem Moment mehr EU-Kontrolle über den griechischen Haushalt und die Sparbemühungen fordert, verkompliziert die Gespräche nur “, kritisiert das Blatt.

Kapitalismus braucht Vertrauen

Großbritanniens Schatzkanzler George Osborne in Davos. Quelle: dpa

Großbritanniens Schatzkanzler George Osborne in Davos.

(Foto: dpa)

„Wir befinden uns nicht einer Kapitalismus-, sondern in einer Vertrauenskrise“, schaltet sich Großbritanniens Schatzkanzler George Osborne in die aktuelle Kapitalismus-Debatte ein. In einem Kommentar für die Financial Times schreibt er, dass ein Blick nach Osten zeige, dass der Kapitalismus funktioniert - und z. B. in Asien Millionen Menschen aus der Armut befreit habe. „Das Problem des Westens ist, dass seine Bürger nicht mehr glauben, ihre Regierungen könnten den Lebensstandard in ihren Ländern halten und verbessern.“ Ursache für dieses Misstrauen sei z. B. die Tatsache, dass Banken, die mit Steuergeldern gerettet wurden, Boni auszahlten. Auch das Festhalten am Wohlfahrtsstaat, der sich längst nicht mehr rechnet und Menschen in Abhängigkeit hält, sei falsch. Und schließlich seien Politiker nicht mehr in der Lage, mutige Entscheidungen zu treffen - der US-Kongress oder die EU zeigten dies. „Wir müssen unseren Binnenmarkt stärken und Handelsabkommen mit Indien, Japan oder Singapur schließen, wir müssen unsere Infrastruktur für ausländische Investoren öffnen, statt nationalistisch-protektionistisch zu handeln, wir müssen Institutionen wie die WHO oder den IWF stärken.“ Die offene Gesellschaft der westlichen Welt habe immer Feinde gehabt, doch der Kapitalismus zähle nicht dazu.

Apple hat’s kapiert…

Report on Business nimmt die Quartalszahlen von Apple - Rekordnettogewinn in Höhe von 13 Milliarden US-Dollar und ein Umsatz von 46,3 Milliarden US-Dollar - zum Anlass, um den Erfolg des Unternehmens im Gegensatz zur Konkurrenz zu erklären: Apple kapiere einfach, was die Nutzer brauchen und mögen, es macht sich ihre Erfahrungen mit dem Apple-Produkt zu eigen, um es zu verbessern. „In dieser Fähigkeit kommt nur noch Google an Apple heran, die anderen - Kodak, Sony, Nokia, RIM - aber nicht.“ Kodak zum Beispiel habe keine Welt für Filme geschaffen wie Apple mit seinem iTunes-Portal für Musik, und habe nie ernst zu nehmende Investoren angezogen. Nokia und RIM hätten sich auf dem Erfolg ihrer Systeme ausgeruht, und nicht an sich ändernde Wünsche ihrer Kunden angepasst. „Der nächste Apple-Coup könnte Apple TV sein, vielleicht mit der Siri-Software, die es dann Fernsehzuschauern ermöglicht, jeden Film, jede Show, jeden Song aus dem Apple-Netzwerk zu bestellen. Das dürfte dann TV-Hersteller wie Sony oder Samsung ziemlich primitiv aussehen lassen.“ Apple habe es eben einfach kapiert.

… RIM hat’s dagegen weiter schwer
Die Probleme RIMs nimmt der indische Business Standard näher unter die Lupe. Den Wechsel an der Spitze des Smartphone-Herstellers bezeichnet er als „Akt der Verzweiflung“. Das kanadische Unternehmen mit der Blackberry-Produktlinie habe im Smartphone-Segment Marktanteile verloren und das RIM-Playbook habe sich erst gar nicht auf dem Tablet-Markt etablieren können. So überrasche es kaum, dass die Aktienpreise 2011 um 75 Prozent gefallen sind. RIM-Produkte scheinen jedoch einfach den anderen hinterherzuhinken, wenn es um nützliche Anwendungen (Apps) gehe – keine der angebotenen Funktionen sei neu und der Markt spüre offenbar, dass andere Smartphones flexibler und weniger umständlich zu bedienen seien. Zwar sei eine Wende zum Besseren für den Ex-Marktführer theoretisch noch möglich. Doch nur wenige Unternehmen hätten die einmal verlorene Marktführerschaft zurückerobern können. Wer gegenwärtig die Nase vorn habe, wo Web 2.0-gestützte Social-Networking-Anwendungen mit mobilem Hochgeschwindigkeitszugang vernetzt würden, könne noch nicht ausgemacht werden. Die Führung im IT-Bereich hänge stark von der Fähigkeit des Unternehmens ab, immer einen Schritt voraus zu sein. Und nur wenige Firmen schafften es, längere Zeit Marktführer zu sein.

Fundstück: Frauen sind die besseren Autokäufer

Davos zeigt Deutschland die Schulter

 „Es wird einsam um Deutschland“, bringt das Manager Magazin seine Bilanz des Weltwirtschaftsforums in Davos auf den Punkt. Mehr deutscher Einsatz sei in „vielstimmigen Forderungen“ zum Ausdruck gebracht worden, eine höhere Brandmauer müsse her, um ein Ausufern der Krise zu verhindern. „Im Kern bedeutet das: Noch mehr Geld vom deutschen Steuerzahler.“ Der IWF, die EU-Kommission, Frankreich, die Nicht-Euro-Staaten USA, Großbritannien und Mexiko - sie alle hätten eine Aufstockung des Rettungsfonds angemahnt. „Es müsse so viel Geld aufgeschichtet werden, dass ein Angriff der Finanzmärkte von vornherein aussichtslos erscheine.“ Davos habe damit deutlich gemacht, wie isoliert Deutschland unmittelbar vor Beginn des EU-Krisengipfels am heutigen Montag sei.

Fundstück: Frauen sind die besseren Autokäufer

Von wegen Frauen verstehen nichts von Autos: Ein US-Unternehmen, das einen Gebrauchtwagen-Marktplatz betreibt, hat herausgefunden, dass Frauen den angebotenen Service vor dem Autokauf viel stärker nutzen: „Sie stellen häufiger knallharte Fragen, wollen viel mehr über Sicherheitsaspekte wissen und lassen den Wagen viel häufiger von einem Mechaniker vor dem Kauf prüfen“, berichtet das Portal Daily Finance. Männer dagegen interessierten sich oftmals nur für die Motorleistung und die Technik. Erklärbar sei das gut: „Frauen achten auf Sicherheit für sich und ihre Kinder, wenn sie viel Zeit in einem Auto verbringen. Männer sind bei Autos romantischer: Sie mögen viel PS und ein gutes Radio.“

 

Für Handelsblatt.com zusammengestellt von ecolot.de. Mitarbeit: Kerstin Herrn.

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15 Kommentare zu "Presseschau: „Griechenland braucht keinen Aufpasser“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ja stimmt.
    Ich bin ebenfalls entsetzt über diese primitivn Artikel die ich hier lesen kann.
    zeigt aber auch die total ganze politischen Nichtbildung

  • wir müssen uns über eins bewußt bleiben: in Griechenland und Italien amtieren keine demokratisch legitimierte regierungen sondern allparteien -koalitionen mit überwiegend spezialisten, die sich in zukunft zuminderst in italien nicht zwangsläufig zur wahl stellen.
    in griechenland soll diese notregierung bis april weiterregieren, weil man die notwendigen änderungen einer ordentlichen aus einer wahl hervorgegangenen regierung nicht zutraut. wenn der griecvhische finanzminister mehr respekt vor der demografie fordert zeigt das, wioe weit sich die politiker vond wirklichkeit entfernt haben oder wie frech sie lügen

  • Es ist vollbracht ! ! !

    die Kommentare haben das BZ-Level von 0 nach -10 gestürzt. Sensationell......

  • 1. Beleidigungen gegen Griechen oder Griechenland sind hier nicht angebracht !!
    2. Glaube kaum, dass die Russen sich Griechenland ans Bein binden werden.
    3.Viel Spaß mit der kommunistischen Partei in Griechenland !!

  • Leute, was sollen diese Beleidigungen gegen GR?
    Ihr werdet so oder so zahlen müssen, bis zum bitteren Ende der EU, wir sitzen alle im selben Boot.
    Wenn ihr uns jetzt im Stich läßt, werden wir uns mit den Russen verbünden, so wie damals, um die Osmanen loszuwerden. Das wollt ihr doch nicht, oder? Unsere Kommunistische Partei steht bereit für die Wahlen im April, und sie ist derzeit nach Umfragewerten eine der stärkstens Fraktionen in GR. Hehe!

  • Herr Wulff braucht ebenso einen Aufpasser....
    Nicht Griechenland,sonder sein Politiker MÜSSEN unter Dauerkontrolle stehen!Das wäre höchstwillkommen für uns Griechen!

  • Verwenden sie mal keine deutschen Produkte, die sie nicht bezahlen können. Dann bleibt ihnen ihr Esel, denn bis auf eine Erfindung ,,Demokratie" die in der Realität die Verpackungshülle des Kapitalismus ist, haben die Griechenland gar keine nennenswerte Idustrie.

  • Was Griechenland braucht ist ein Aufpasser.
    Und es waere vollkommen legitim. ImPrinzip muesste man den Sachverhalt anders beschreiben. Die Haushaltshoheit der Griechen erstreckt sichur auf Gelder, die in den griechischen Haushalt fallen, da die Finanzhilfen definitiv nicht Teil des Staatshaushaltes sind, muss sogar eine Ausgabenkotrolle ueber diesen Teil erfolgen, naemlich durch due Geberlaender, da diese Gelder sehr wohl Teil des Staatshaushaltes der Geberlaender sind.
    D.h die Griechen sooen sich besser aus unserer Finanzhoheit raushalten.
    Zum weiteren Vorgehen schlage ich vor, dass die noch nicht erfolgte Privatisierung der Staatsbetriebe, die auf Eis gelegt ist erfolgen soll und zwar durch die Gebetlaender; diese geben 50 Milliarden zur sofortigen Schuldentigung und.dafuer gehen die Dtaatsbetriebe an eine Genossenschaft aus Gebetlaendern, die diese spaeter zu einem guenstigeren Zitpunkt verkaufen
    Zudem muessten endlich die 2 Milliarden Schwarzgeldet auf schweizer Konten von griechschen Steuerhintetziehern eingeforder werden. Das Griecjenproblem ware dann schon fast geloest.

  • Nochmals Vielen Dank.

    GRuss aus Kreta

  • Ich habe den Griechen nicht die Demokratie zu verdanken, die wir in Deutschland haben. Zur Erinnerung, es waren Großbritanien, die Sowjetunion und die USA, die den zweiten Weltkrieg gegen Deutschland gewonnen hatten und nicht Griechenland. Und es waren mit Frankreich die vier Siegermächte, die in der BRD die Demokratie einführten und im Osten die Sowjetunion die DDR.

    Davon mal ganz abgesehen, die Deutschen haben für ihre Schulden selber gezahlt. Die Griechen dagegen sind zu feige dafür.

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