Presseschau Griechenland erteilt Europa eine Lektion

Die Internationale Wirtschaftspresse sorgt sich um die Zukunft Europas und warnt vor den Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Eurozone. Gefahr für die EU geht vor allem von nationalistischen Strömungen aus.
22 Kommentare
Die Zukunft Europas steht am Scheideweg. Quelle: dpa

Die Zukunft Europas steht am Scheideweg.

(Foto: dpa)

Was wir gerade erlebten, sei der Untergang des Europas, wie wir es über Jahrzehnte hinweg gekannt haben, stellt Die Welt fest. Man verteilte den Reichtum der starken Nationen über die Strukturfonds in ärmere Länder. Gleichzeitig habe man sich vornehm zurückgehalten, um nicht den Eindruck zu erwecken, man mische sich in innere Angelegenheiten ein. Der hohe Preis dafür: „Plötzlich müssen wir feststellen, dass wir unser politisches und ökonomisches Schicksal an Gesellschaften gebunden haben, über die wir herzlich wenig wissen. Wir müssten erkennen: Brüsseler Gelder hätten ungesunde und korrupte Strukturen zum Teil sogar gefestigt.

Der Übergriff der Geberländer sei aus der akuten Notwendigkeit des Krisenmanagements geboren. Sorgenkinder in der EU müssten unter Beobachtung und Reformdruck. Dass Europa zwei Jahre nach dem Beginn seiner tiefsten Nachkriegskrise immer noch in sektiererische Einzelöffentlichkeiten zerfällt, sei eine der enttäuschendsten Erkenntnisse dieser Jahre. „Wenn die akute Krise überwunden ist, wird man sich also Gedanken machen müssen über die künftige Gestalt des europäischen Projektes“, schlägt die Welt vor. Und schlägt einen Zustand wohlwollender Distanz unter den EU-Ländern vor.

Ein griechischer Austritt aus der Eurozone werde zu Chaos in Griechenland führen, während die externen Folgen von EU und EZB beherrscht würden, schreibt das zur Wall Street Journal-Gruppe gehörende Blog Marketwatch. Merkel solle vorsichtig sein. Einerseits fürchteten ihre Leute einen  Wirtschaftseinbruch wie in der Weimarer Republik. Aber es gebe noch eine andere Lektion aus dieser Zeit – darüber, was mit Ländern geschieht, die in Abwärtszyklen sinnloser, Hoffnung zersetzender Sparsamkeit gedrängt würden.

In ganz Europa, erhöben sich populistische, nationalistische Kräfte. „Sie bieten eine Alternative zu den pessimistischen Optionen der Sparsamkeit, und dessen sollte Merkel sich bewusst sein – vor allem mit Blick auf die griechischen Wahlen im April. „Hat Merkel die Welt in das teuerste Feige und aus-Spiel verwickelt, um – wenn sie jedes Zugeständnis gewonnen hat – zu einer ausgewogenen Wachstumsstrategie aus Eurobonds und EZB-Aktion umzuschwenken?“, fragt sich das Blog. Es sehe ganz so aus. Dies sei das beste Deutschland, das wir je hatten, zitiert die Internetredaktion den britischen Historiker Timothy Garton Ash.

Die britische Financial Times erinnert an eine Episode, die Spuren auf der Zentralbankerseele hinterlassen hat. In der Frühphase der japanischen Bankenkrise Mitte der 90er, hätten Bank of Japan-Offizielle entschieden, Zentralbankgeld dafür zu verwenden, eine scheiternde Finanzfirma in einem verzweifelten Versuch, Probleme zu lösen und Zeit zu kaufen. Aber die Firma sei pleite gegangen und habe ein riesiges Loch in der BoJ-Bilanz gerissen. Die japanischen Zentralbanker seien nicht die einzigen, die sich Verluste nicht eingestehen könnten. „Im Gegenteil.“ Die praktischen Konsequenzen dieser Haltung seien grundlegend geschwächt worden. Der Widerstand der EZB gegen freiwilligen Schuldenschnitt habe es schwerer gemacht, private Kreditoren vom eigenen, freiwilligen Haircut bei der Restrukturierung griechischer Schulden zu überzeugen. „Es ist sehr schade. Verluste zu verdecken, bringt sie nicht zum Verschwinden“, hält die Wirtschaftstageszeitung fest. „Guckt doch nach Japan.“

„Wulff-Entscheidung darf nicht juristisch fallen“
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

22 Kommentare zu "Presseschau: Griechenland erteilt Europa eine Lektion"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ein netter Fake! Ein echter Grieche könnte vor lauter Quzo und demonstrieren hier gar nichts posten!

  • Sehr wahr,wahrer gehts nicht!

  • Genau! ESM ist das endgültige finanzielle und demokratische Aus für Deutschland und wird im Juni durchgenickt. Hier ein Auszug:
    (Art. 27 und 30)
    „Der ESM, sein Eigentum, seine Finanzmittel und Vermögenswerte genießen unabhängig von ihrem Standort und Besitzer umfassende gerichtliche Immunität“.

    “Das Eigentum, die Finanzmittel und Vermögenswerte des ESM sind unabhängig davon, wo und in wessen Besitz sie sich befinden, von Zugriff durch Durchsuchung, Beschlagnahme, Einziehung, Enteignung und jede andere Form der Inbesitznahme, Wegnahme oder Zwangsvollstreckung durch Regierungshandeln oder auf dem Gerichts-, Verwaltungs- oder Gesetzesweg befreit.”

    “Die Archive des ESM und alle ihm gehörenden oder in seinem Besitz befindlichen
    Dokumente im Allgemeinen sind unverletzlich.”

    “Die Räumlichkeiten des ESM sind unverletzlich.”

    “Die Gouverneursratsmitglieder, stellvertretenden Gouverneursratsmitglieder, Direktoren, stellvertretenden Direktoren, der Geschäftsführende Direktor und das Personal genießen Immunität von der Gerichtsbarkeit hinsichtlich der in ihrer amtlichen Eigenschaft vorgenommenen Handlungen und Unverletzlichkeit in Bezug auf ihre amtlichen Schriftstücke…”.

  • Warum beschäftigen sich die Griechen nicht zuerst mal mit ihren eigenen Fehlern? Reichen 20% Behörden-Abzokker statt 10% in den übrigen Staaten nicht aus? Sollen die alle von der Gemeinschaft bezahlt werden, während die kleine Oberschicht bis zu 150 Mrd. Euro ausser Landes schafft?
    Leider beschäftigt sich auch im übrigen EU kaum jemand mit der griechischen Vergangenheit. Schon 1858 hat ein französischer Autor die Korruption und Steuerzahlungsunfähigkeit der Griechen beschrieben (Artikel FAZ vom 15.2.2012)
    Es ist eine bodenlose Unverschämtheit, jetzt andere für die Dauerkrise verantwortlich zu machen und zu beschimpfen. Hat ein solches "Mitglieg2 überhaupt etwas in einer Gemeinschaft verloren?

  • McGyro, ich bin ein grosser Bewunderer der gr Oberklasse, Triade, Mafiavereinigung oder sonstwas. Deren Deal geht als der groesste bisherige Coup bzw RAUB aller Zeiten in der griechisch-europ geschichte ein. Sparta darf stolz auf seine Helden herabblicken.

  • McGyros sein Kommentar ist doch nur Provokation, um die Frustration gegen die Griechen anzuschwengeln....es glaubt doch keiner, dass einer der echten Profiteure hier so was posten würde. Die bleiben doch geduckt und schweigend im Hintergrund. Nicht verschaukeln lassen!

  • Sie treffen es auf den Punkt!

  • Man kann auch bei www.abgeordnetencheck.de und bei www.zivilekoalition.de mitmachen!

    Eigentlich muss man das. Denkt nur mal an den ESM!!!
    Wehrt Euch!

  • Danke! Es gibt auch noch die Partei der Vernunft-

  • Mr. McGyros,
    genau so wie Sie, stellt man sich den typischen Griechen vor. Kein Wunder, daß da GR in einem solch desolaten Zustand ist. Aber, Hochmut kommt vor dem Fall.
    Ihr werdet schon noch sehen, wie weit ihr fallen werdet.
    Nichts mehr mit 'bequemem Leben', kommt schneller als ihr denkt.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%