Presseschau Griechenlands Referendum schockt

Die internationale Wirtschaftspresse ist besorgt angesichts der geplanten Volksabstimmung über das Rettungspaket in Athen. Bei einer Ablehnung der Sparmaßnahmen drohe im schlimmsten Fall der Staatsbankrott.
  • Maxim Kireev
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Griechenlands Regierungschef Papandreou kündigte keine Woche nach dem Euro-Krisengipfel ein Bürgerbefragung an. Quelle: dpa

Griechenlands Regierungschef Papandreou kündigte keine Woche nach dem Euro-Krisengipfel ein Bürgerbefragung an.

(Foto: dpa)

Der griechische Premier Giorgos Papandreou habe Europa mit der Ankündigung eines Referendums über die neueste Rettungsaktion für sein Land schockiert, schreibt das Wall Street Journal. Er drohe damit, die internationalen Anstrengungen der Krisenbewältigung zu untergraben. Ein positives Ergebnis der Abstimmung dürfte die Proteste gegen die Sparmaßnahmen, die eine Bedingung für weitere Rettungskredite seien, dämpfen. Ein „Nein“ könne die Regierung jedoch zu Fall bringen und die internationale Finanzierung für das Land abschnüren. „Dadurch wäre das Land mit einer finanziellen Kernschmelze konfrontiert“, warnt das Blatt. Eine Ablehnung der Wähler dürfte Angela Merkel und Nicolas Sarkozy vor eine bittere Wahl stellen: „Entweder sie lassen Griechenland bankrott gehen und riskieren eine Panik auf den Anleihemärkten und im Bankensektor, oder sie knicken ein und bieten den Griechen günstigere Bedingungen an“, schreibt das Blatt. 

Auch die Financial Times Deutschland sieht die überraschende Entscheidung von Giorgos Papandreou als „enormes Risiko“ an. „Sollte das Rettungspaket im Referendum abgelehnt werden, hätte das unabsehbare Folgen für den Euro und die Staaten der Euro-Zone“, schreibt das Blatt. Die künftige Finanzierung wäre wieder völlig offen. Im schlimmsten Fall drohe der Staatsbankrott. In diesem Fall müssten andere hoch verschuldete Euro-Staaten steigende Refinanzierungskosten fürchten. Dabei hätten sich die Märkte nach der Ankündigung eines 50-prozentigen Forderungsverzichts privater Gläubiger und einer 100 Milliarden Euro schweren Hilfstranche für Griechenland gerade erst beruhigt. Mit der Volksabstimmung wolle Papandreou an das Verantwortungsgefühl seiner Bürger appellieren, die seit Monaten gegen die harten Sparmaßnahmen protestierten.

Der britische Guardian findet den „Ausbruch demokratischen Geistes“ zunächst lobenswert. Dennoch stelle sich die Frage, wie die Investoren, die ohnehin die Robustheit der kürzlichen Einigung in Frage gestellt hätten, auf die neue Wendung reagieren werden. „Vermutlich sehr negativ“, schreibt das Blatt. Es sei zunächst unklar, welche Frage die Griechen beim Referendum beantworten müssten und ob Papandreou seinen Plan gegenüber Sarkozy und Merkel erwähnt habe. Die bisherige Stille aus Berlin und Paris lasse dies nicht vermuten. „Kann die EU weiterhin Gelder einem Land zuteilen, von dem man nicht weiß, ob es die Bedingungen des Kreditpakets doch nicht akzeptieren will?“, fragt die Zeitung. Es sei zudem unklar, wie die Griechen abstimmen werden. Die Euro-Politiker seien auch in weniger harten Zeiten nicht besonders gut darin, Volksabstimmungen zu gewinnen.

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33 Kommentare zu "Presseschau: Griechenlands Referendum schockt Europa"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @ hessenmob,
    Nota: Vehlversuch schreibt sich mit F

  • @ Berlin-Grieche,
    Europa gibt es nicht.
    Europa hat es nur einmal gegeben, Rom, danach nur Chaos!
    Und das wird noch dauern bis ein anderes Rom kommt.

  • @ hessenmob,

    wer war Arminius? Vielleicht ein Verräter?
    oder ein Held? Der Befreier Germanien oder der Möchtegern König der seinen Freund Varus dafür verraten hat?
    Oder ein Intrigant der am Ende selbst von Verwandten verraten und ermordet wurde?
    Das kannst Du Dir aussuchen.
    Was das deutsch lernen betrifft, lerne Du zuerst meine Sprache wie ich Deine gelernt habe, dann werden wir uns wieder unterhalten, in meiner Sprache, versteht sich.

  • @ Stubi,
    aber Griechenland wollte unbedingt mit hinein!

  • @Persaldo
    Ihre Warte ist durchaus nachvollziehbar und erscheint plausibel.
    Andererseits: man benötigt für ein Referendum Fakten, also entscheidungsfähigen Untergrund. "Hat gesagt...", "will..." etc.pp. dürften jedem Volk, das vor eine Wahl gestellt wird, als äußerst unzureichend erscheinen.
    Entscheidungen, wie der Haircut, sind für alle Beteiligten kein Zuckerschlecken. Daß jede Regierung vor der Implementierung solcher schwerwiegenden Entscheidungen sich die Zustimmung des Souveräns einholen möchte, das dürfte für politische Profis zum handwerklichen Standard-Tool gehören.
    Falls nicht, sollte man sich wirklich fragen, ob die Regierungen nicht vielleicht doch die falschen Völker ausgesucht haben.

  • Herrn Papandreou hätte die Volksabstimmung doch schon früher veranlassen können - nicht erst nachdem der Haircut mit 50% in allerletzter Minute beschlossen wurde. Da die Griechen erst im Januar abstimmen sollen, reissen sie die nächsten 3 Monate den EURO und die Euroländer/-märkte mit in den Abgrund ( und der CHF bekommt dabei sicher auch was ab) Das ist eine riesen Verantwortungslosigkeit gegenüber den EU-Partnern, die bisher schon mit Milliarden geholfen haben . Mit Tricks und Täuschung in den EURO , Rentengelder erschleichen, Steuern hinterziehen , 16 Monatgehälter erwarten aber Minus erwirtschaften . Die Griechen haben kein gesundes Verhältnis zum Geld, wie verwöhnte Jugendliche - die müssen erst mal erwachsen werden ! Der Bogen ist überspannt, zurück zur Drachme oder genau gesehen gleich in den YUAN, Piräus ist ja schon eine chinesische Kolonie.

  • Bei all dieser Schimpfe sollten wir nicht vergessen, dass der Euro nicht die Idee von Griechenland war sondern von...

  • leider vermisse ich in sämtlichen kommentaren, dass nun (endlich) deutlich, dass das bislangt verfolgte primat "wirtschaft" durch das primat "kultur" (=kulturelle identität, kulturelle eigenheiten) zu ersetzen ist. es wird ein schmerzlichr prozess werden.

  • @hessenmob
    Nun entkleiden Sie sich doch bitte hier nicht so splitterfasernackt: In Utah sagt man bei unglaublichen Ansinnen: "Hey Buddy, its Utha" -
    Analog dazu könnte man sagen: Hallo lieber Freund das hier ist Europa und wir stehen in Europa nicht am Westwall, noch am Ostwall, noch sonstwo: Das hier ist einfach nur: Europa.

  • Ja gut, soweit nicht verkehrt.

    Aaaaaber, warum kommt diese Piefke JETZT damit um die Ecke??

    Das ist mehr als (entschuldigt die Wortwahl) hinterfotzig!!!

    Wie lange wird schon über die Probleme eines Landes gestritten, wo es kein Grundbuch gibt, Tote fleißig Rente kassieren, die Steuern per Fakelaki beglichen werden usw. ?
    Und jetzt, nach all den Maßnahmen fällt diesen - man kann es mittlerweile nicht mehr anders nennen- Schmarotzern ein, wir könnten ja mal das eigene Volk- quasi uns selbst- fragen ob wir das überhaupt wollen, wofür sich GANZ EUROPA bisweilen gewunden hat??

    Auf welchem Planeten lebt die griechische Regierung?!

    Klar ist, ob so oder so, das sich Papapopo und Konsorten dort nicht mehr auf die Straße wagen können, ohne ´nen Blattschuss zu riskieren! Traurig aber wahr...

    Das sie nun aber mit allen Vereinbarungen der jüngsten Vergangenheit brechen, zeigt aber umso mehr, das sie auf Rechtsstaatlichkeit und ihre -bisher wohlwollenden- Nachbarn gänzlich schei***!!!

    Früher hätte man solch ein Problem ganz schnell geregelt...

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