Presseschau vom 29.8.2007 Angst vor schlechter Laune

USA Today sorgt sich um die US-Verbraucherstimmung. Die Herald Tribune fordert mehr Transparenz im US-Finanzsystem. Businessweek beobachtet den erfolglosen Kampf von Apple gegen Hacker. Forbes kann nicht fassen, dass Ford seine europäischen Marken verkaufen will und das Manager Magazin diagnostiziert beim Karstadt-Quelle-Chef eine englische Krankheit.
  • David Wengenroth und Daniel Lenz

US-Wirtschaft

» USA Today greift die aktuellen Zahlen des Forschungsinstituts Conference Board zum US-Verbrauchervertrauen auf, nach denen der entsprechende Index im August auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr gefallen ist. Düstere Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt sowie die Nachrichten von den Wall-Street-Turbulenzen hätten die Stimmung der Verbraucher vermiest. Unklar sei jedoch, ob die schlechte Laune zwangsläufig auch zu weniger Ausgaben führe. „Die Federal Reserve wird die Ausgaben der Verbraucher – den Hauptantrieb der US-Wirtschaft – genau beobachten, bevor sie sich entscheidet, ob sie den Leitzins senkt“, schreibt die Zeitung. Bei einer Umfrage hätten 21 von 37 Wirtschaftsexperten versichert, dass die Fed die Zinsen im nächsten Monat senkt.

Das » Wall Street Journal beschwichtigt zumindest mit Blick auf den US-Immobilienmarkt. „Aus Sicht der Politik ist das Subprime-Problem sicherlich ernst, aber es ist ein kurzfristiges Problem, weil insbesondere Hypotheken betroffen sind, die aus den vergangenen drei Jahren stammen und bald auslaufen. Es wird dadurch entschärft, dass den Familien mit staatlichen und privaten Maßnahmen in ihrer finanziellen Not geholfen wird.“ Derzeit gebe es jedoch keinen Hinweis darauf, dass auch der Haupt-Immobilienmarkt von der Krise erfasst werden könnte. „Eigenheimbesitzer, die es schaffen, ihre Rechnungen zu bezahlen, werden nicht ihr Haus verlieren, nur weil andere Hausbesitzer ihres verloren haben. Das Dach stürzt nicht über dem Immobiliensektor ein.“

Kritik an mangelnder Transparenz

Wie die » Herald Tribune berichtet, nimmt die Kritik an der mangelnden Transparenz des US-Finanzsystems zu, nachdem die Subprime-Krise fast die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft gezogen hätte. „In vielen Fälle wurden Investoren außerhalb der USA kalt erwischt, weil amerikanische Rating-Agenturen gute Noten an Subprime-Verbriefungen vergeben haben – was dazu geführt hat, dass Käufer dachten, kein großes Risiko einzugehen“, moniert die Herald Tribune. „In einer globalisierten Welt mit Hedge-Fonds, fremdfinanzierten Übernahmen und Investment-Fonds müssen wir die Frage nach mehr Transparenz stellen", zitiert das Blatt den Axa-Aufsichtsratsvorsitzenden Claude Bebear. Der deutsche Wirtschaftsweise Peter Bofinger wird in der Herald Tribune noch deutlicher: „Die USA brauchen die restliche Welt, um ihre Schulden finanzieren zu können. Wenn unsere Institutionen damit aufhören, ihre Finanzprodukte zu kaufen, tut ihnen das weh."

Der französische Ökonom Jean Pisani-Ferry schreibt dagegen in der Financial Times Deutschland, Transparenz sei kein Allheilmittel. „Eine Marktstruktur, die den Teilnehmern Anreize bot, dem Herdentrieb zu folgen, nicht ein Mangel an Informationen, führte zu den geringen Risikobewertungen der vergangenen Monate“, betont der Franzose. Die Forderung nach Transparenz dürfe nicht zum Vorwand werden, um schwierigeren Themen auszuweichen. „Europäische Politiker müssen sich mit einer Menge Fragen befassen, die die jüngste Krise aufwirft. Etwa, ob Europa weniger fähig ist als die USA, Risiken zu verarbeiten, weil es stärker betroffen ist. Oder ist die Neigung zur Unbesonnenheit stärker?“

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