Presseschau Wann knickt „Mrs. No“ ein?

Gibt Angela Merkel ihren Widerstand gegen Euro-Bonds bald auf? Die Medien zeigen sich unentschieden. Während die einen die Standhaftigkeit der Kanzlerin loben, glauben andere an ihr baldiges Einknicken. Die Presseschau.
  • Daniel Lenz
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Kann er „Mrs. No“ doch noch umstimmen? Europas Kommissionschef José Manuel Barroso mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Quelle: dpa

Kann er „Mrs. No“ doch noch umstimmen? Europas Kommissionschef José Manuel Barroso mit Bundeskanzlerin Angela Merkel.

(Foto: dpa)

WiesbadenNoch nie in der EU-Geschichte habe ein deutscher Regierungschef einen Präsidenten der Kommission öffentlich dermaßen abgewatscht, wie Angela Merkel dies nun mit José Manuel Barroso hinsichtlich der Euro-Bonds getan habe, vergleicht die Süddeutsche Zeitung. Schuld an der Eskalation sei allerdings der Portugiese. Statt Brücken nach Berlin zu bauen, habe Barroso eine Tür zugeschlagen. Dies werten die Münchner als Eigentor, denn so habe man die Regierungschefin vor den Kopf gestoßen, die anders als Sarkozy oder Cameron die EU noch zusammenhalten wolle.

Das ZDF erkennt im Veto von Angela Merkel zu den Vorschlägen von Europas Kommissionschef José Manuel Barroso die „Wiedergeburt der ,Mrs. No'“, die mit deutschem Geld nicht für die Fehler der Nachbarn einstehen wolle. Dem Konflikt zwischen Brüssel und Berlin gewinnt der Sender etwas Positives ab, denn inzwischen sei erkennbar, wohin Merkels „unglamouröse Politik der kleinen Schritte“ hinführen solle: zu einer politisch gesteuerten „Fiskalunion“, die von Deutschland kontrolliert werde. „Sparen bis es quietscht, Kürzungen, Streichungen, Verzicht auf Privilegien - die eiserne Härte, die sich Merkel dem deutschen Wähler nicht mehr zuzumuten traut, hat sie zum Prinzip im Kampf um die deutsche Führungsrolle in Europa auserkoren.“

Das Wall Street Journal geht nicht davon aus, dass Berlin auf die Linie von Barroso einschwenken wird. Merkel gehe es aktuell primär um die nächsten Wahlen, weshalb sie bei ihrer Haltung bleiben werde, dass die EU-Verträge zunächst verändert werden müssten. Doch solche Veränderungen dauerten oft Jahre, hält das Blatt dagegen. „Berlin bevorzugt zwar vielleicht diesen Weg, aber am Ende könnte er sich als viel zu lang herausstellen.“

Da sich die Krise von der Peripherie Europas an Deutschland herangearbeitet habe, würden die umstrittenen Euro-Bonds immer wahrscheinlicher, kommentiert dagegen n-tv.de. Zwar sei neben der Wirtschaft auch die deutsche Regierung dagegen, doch Merkel werde voraussichtlich bald einknicken, da die Zeit dränge. „Für ,Wünsch dir was' ist es zu spät. Europa muss große Kaliber auffahren.“ Im Rückblick habe sich das deutsche Prinzip von „Zuckerbrot und Peitsche“ nicht bewährt.

Die Börsen-Zeitung lobt die Standhaftigkeit der Kanzlerin. Merkel gehe es um eine „ursachengerechte und langfristige Lösung“ für die Euro-Krise – das verlorene Vertrauen in Gläubigerstaaten mit hoher Verschuldung sei nur durch Etatdisziplin zurückzugewinnen. Mit einer „wunderbaren Geldvermehrung“ via Notenpresse oder Gemeinschaftsanleihen könne dies allenfalls kurzfristig gelingen.

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  • Nicht unsere Bundeskanzlerin, sondern Manuel Barroso spielt mit dem Feuer.
    Der EU-Debattier-Club will nur mit Sanktionen drohen bei schlampiger Haushaltsführung eines seiner Mitglieder. Der Markt sanktioniert durch höhere Zinsforderungen sofort.
    Und, Barroso beklagt, dass diese höheren Zinsen die Haushaltssünder in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung beeinträchtigen. Er zeigt damit, dass die EU niemals Gelder, Sanktionen, von Haushaltssündern eintreiben würde - denn auch diese Geld-Zahlungen würden deren wirtschaftliche Entwicklung beeinträchtigen.
    Ein sehr schmutziges Spiel.

    Ein noch immer an Europa Glaubender

  • @Beobachter: Die Gesamtsumme der europäischen Staatsschulden ist durchaus noch tragfähig. Das Problem liegt hauptsächlich darin, dass die schwachen Staaten so hoch verschuldet sind, dass sie eine wunderbare Zielscheibe für Rating-Agenturen abgeben.

    Momentan lässt sich Euro-Europa leicht durch eine "Divide et impera"-Taktik schwächen. Man greift den Schwächsten an und schielt schon auf den Zweitschwächsten. Am Ende ist man an der Spitze angelangt.

    Als fest verbundenes Staatenbündnis mit Eurobonds zur Staatenfinanzierung gäbe es nur noch ein einziges Rating. Dieses wäre sicherlich nicht AAA, aber vermutlich durchaus vernünftig.

    Entscheidend ist das Vertrauen der Anleger. Und Vertrauen kommt von Zuverlässigkeit und Seriösität der Staatsführung. Insofern ist klar, dass die Nordstaaten mehr zu sagen haben müssten, so lange die Südstaaten auf die Kapitalmärkte nicht seriös wirken.

  • Aber es sind doch nicht die Politclowns der Piratenpartei, die den Euro derart missgeburtig konstruiert haben, die jahrelang in europaeischen Gremien die Augen verschlossen haben, obwohl bei GR und ES und Portugal Subventionsbetrug und Misswirtschaft mit den Strukturfonds offensichtlich waren, die naiven Traeumen huldigten und nationale Interessenvetretung fuer "von gesstern". Nein, das waren und sind die Neuromantiker von CDU, SPD, FDP und Gruenen.

  • Was ich als halber Laie und kleiner Kaufmann nicht verstehe.
    Die Summe der Schulden aller Länder bleibt doch gleich, auch wenn diese durch Bonds verallgemeinert werden. Das muss doch auch in der Summe bedeuten- Starke Länder bleiben Stark schwache Länder bleiben schwach.

    Als Investor soll ich nun in eine Europa Anleihe investieren?
    Das soll sicherer für mich sein?

    Versteh ich die Idee der Bonds da richtig, eine Zusammenlegung aller Schulden.
    Das würde für mich Sinn machen, aber nur dann wenn es auch eine gemeinsame Wirtschaftspolitik gibt. Wenn man nun zuerst Europa-Anleihen ausgibt, und schon wieder keine gemeinsame Politik betriebt geht das Spiel, genau so wie bei er Gründung der EU weiter.

    Als Investor interessiert mich doch auch der Kompass, die Idee, die Reiserute die die EU in der Weltwirtschaft einschlagen will. Da hört man recht wenig von, bis gar nix...das schafft kein Vertrauen.

    Ich sehe das eher so das Frau Merkel sich einer gemeinsamen Politik widersetzt. Sie versucht so viel Macht wie nur Möglich in Berlin zu halten. So wird Europa aber nicht funktionieren. Entweder man entscheidet sich das das Spiel aus ist, oder man hält nun wirklich zusammen.

    Der Mischmasch, der uns jetzt seit Jahren präsentiert wird, ist mittlerweile unerträglich und lässt mich daran Zweifeln ob Merkel wiederwählbar ist.
    Mit Lippenbekenntnissen ist Merkel eine ganz große Europäerin.
    Den Merklischen Sprüchen müssen aber noch Taten folgen.

    Würden alle Länder, bei verschiedenen Themenkreisen, etwas Blockadehaltung aufgeben und sich endlich zu Europa bekennen wären wir einen großen Schritt weiter.

  • Deutschland hat von der bis zur Krise 2008 Zinsen in Höhe von 5% auf 10 jährige Anleihen gezahlt. Die niedrigen Zinsen derzeit resultieren aus der Flucht aus Anleihen in Südeuropa. Ein Zinssatz von 4-5% auf 10 jährige Anleihen wäre also die Rückkehr zum Normalzustand.

  • "Wenn man über Inflation entschulden wollte, müsste man "schneller" sein als die Refinanzierungsnotwendigkeit."
    Die EZB kauft dann eben die Bonds. Das hat frueher im Club Med auch immer funktioniert. Wieso sollte das jetzt anders laufen? Sicher, die Zinsen waren auch sehr hoch. Auslaendisches Kapital wird sich hueten, aber wozu gibt es denn Riestersparer, Versicherungen und Rentenfonds? Irgend eien Dummen wird man die Dinger schon andrehen, wenn nicht freiwillig dann eben per Gesetz.
    Ich sag nicht das ich das gut faende, aber so ticken unsere Politiker.

  • @Zecke

    Um es mal beim Namen zu nennen, "die Verantwortlichen" sind nicht unsere Politiker, denn die sind bestenfalls die Marionetten der Verantwortlichen. Die wirklich Verantwortlichen kommen aus dem Geldadel und damit sind auch nicht die kleinen Millionäre gemeint, die überall zu finden sind, sondern die handvoll superschwerer Multimilliadäre, die hauptsächlich in den USA sitzen und das gesamte Finanzsystem dominieren und beherrschen! Die Rothschilds, Rockefellers und Co., mit ihren Bankentitanen wie Goldman Sachs und ihren europäischen Zöglingen wie Draghi, Monti und weiteren an den wichtigen Schnittstellen. Die müssen gestürzt werden bzw. an die muss man ran! Sie wollen ja auch die Occupy-Bewegung in den USA in den Boden stampfen, denn vor einer Massenansteckung dieses Gedankens haben sie die größte Angst. Unsere Politiker sind nur kleine Fische die nichts zu sagen haben. Sie führen lediglich die Befehle der Großen Fische aus.

  • Was heisst hier einknicken ? Von dem erstaunlich niedrigen Niveau der Leserkommentare abgesehen , die ja von den billigen Schlagzeilen der Medien förmlich gehetzt werden, gibt es in Deutschland ausreichend vernünftige und gut informierte ( sprich gebildete) Leute, die genau wissen
    was Europa für Deutschland bedeutet.
    Das deutsche Volk neigt leider zur Vergesslichkeit. Es ist nicht nur so,daß Deutschland selbst astronomisch verschuldet und zwar nicht nur in Hinblick auf Staatsschulden, sondern auch privat rekordverdächtig
    versuchuldet ist. Die Deutschen tendieren dazu andere Völker zu belehren. Das Haus muss in Ordnung sein, sagen sie immer wieder. Ist ja auch in Ordnung, aber sie selbst haben vor nicht allzulanger Zeit 5 Jahre hintereinender
    gegen den europ. Stabilitätspakt grob verstossen. Eine Strafe folgte nie ! Nun benehmen sie sich qie die Inquisitoren in Europa. Das geht nicht!
    Und deren starre Ideologie über die Inflation. Nun ja. Die Deutschen vergessen, daß diese zwischen 2 selbst verursachten und verlorenen Kriegen ( Gott sei dank !) kam.
    Wollen wir doch ein wenig auf dem Teppich bleiben. Entweder wollen wir
    Europa oder nicht?. Dann müssen alle für sich ihre Konsequenzen ziehen.

  • Zitat: "Eine Inflation von 10-15% ueber 10 Jahre ist vermutlich ausreichend um die EU weitgehend zu entschulden."

    Diese Rechnung würde nur funktionieren, wenn die Refinanzierungskosten vom aktuellen Niveau aus nicht steigen. Wenn die Inflation aber so hoch ist, steigen selbstverständlich auch die Zinsen für die Anleihen.

    Wenn man über Inflation entschulden wollte, müsste man "schneller" sein als die Refinanzierungsnotwendigkeit.

    Gab es nicht mal einen Cowboy, der den Colt schneller als sein Schatten zog? Lucky Luke könnte nun als Inflationsberater Hilfestellung leisten.

  • @flok
    Unsere Politiker verprassen das Geld mit der Gießkanne und wenn es nicht mehr reicht, werden einfach mal die Sparer enteignet.
    Diebstahl und Rechtsbruch wohin man schaut.
    Wie jämmerlich. Aber typisch Sozialismus.

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