Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Presseschau Wirtschaftszeitungen zerpflücken den Stresstest

Die internationale Wirtschaftspresse analysiert die Ergebnisse der EU-Bankenstresstests. Aus Sicht der Financial Times sind sie zu vage, aber ein erster Schritt. Forbes hält das zugrunde gelegte Stresszenarion für zu moderat, die WirtschaftsWoche glaubt, dass der echte Stresstest noch bevor steht. Die Economic Times ist sich sicher, dass die Märkte heute enttäuscht reagieren. Fundstück: Der „Stresstest“ unter der Gürtellinie.
  • Peggy Pfaff
1 Kommentar
Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

Der börsentägliche Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

„Die Stresstests waren weder einheitlich, noch transparent noch anstrengend genug, aber sie sind, vorsichtig bewertet, ein guter Schritt vorwärts“, kommentiert die Financial Times aus London. Die Tests hätten zwar keine Staatspleite angenommen, die Ergebnisse seien dennoch informativ. Die Unsicherheit über eine einheitliche Methodik - nationale Behörden haben die Tests in ihrem Land überwacht - sei da problematischer: „Sieben Banken würden bei der Kernkapitalquote unter sechs Porzent rutschen, aber nicht unter die von den Behörden als Grenze gesetzten vier Prozent. Das ist Investoren zu vage, sie brauchen Detailinformationen, um sich ihr eigenes Urteil bilden zu können.“ Politiker sollten deshalb die Rettungsleinen zu den Banken kappen, wenn eine dabei bankrott gehe, gehöre das einfach zum Kapitalismus. „Die Regierungen sollten nicht nur demonstrieren, dass sich die meisten europäischen Banken gut über Wasser halten, sie sollten auch verdeutlichen, dass Steuerzahler nicht mehr als unbezahlte Rettungskräfte bereit stehen.“

Ein Minimum an Stress attestiert Forbes den EU-Stresstests, ihre Ergebnisse seien deshalb irreführend. So sei u. a. das Stressszenario moderat angelegt gewesen: „Es ging nicht soweit, die Möglichkeit eines Staatsbankrotts in Betracht zu ziehen.“ Das passiere zwar selten, habe aber vor wenigen Monaten eine reale Gefahr dargestellt. Auch seien lediglich Staatsschulden beim Wertpapierhandel der Banken berücksichtigt worden, und keine Schulden nach der „Held to Maturity“-Kategorie: „Letztere haben aber einen großen, negativen Einfluss auf die Bilanz einer Bank.“ Darüber hinaus seien nur Kredit- und Marktrisiken, jedoch keine Liquiditätsrisiken betrachtet worden. Das Ergebnis, so das US-Wirtschaftsmagazin, sei vergleichbar mit dem Ratschlag eines Arztes an einen Patienten mit Schmerzen in der Brust: „So lang Sie noch ins Büro gehen können, ist alles in Ordnung.“ Die Banken müssten aber rennen können wie ein Windhund, der dem Hasen nachjagt: „Die globale Wirtschaft hat bereits einen Herzinfarkt erlitten, nun leidet sie erneut unter Brustschmerzen. Europas Banken mögen einen physischen Test bestanden haben, das heißt aber nicht, dass sie vollkommen gesund sind.“

„Die Europäische Union glaubte, die Stresstests, die letztes Jahr in den USA geholfen haben, der US-Bankenkrise zu begegnen, könnten ähnliche Wunder in Europa bewirken, doch der ganze Prozess war von Zweifeln begleitet“, urteilt das Wall Street Journal. Es sei schwierig gewesen, die nationalen Behörden in einen Gleichklang zu bekommen, auch sei bei den Tests kein Staatsbankrott angenommen worden: „Die Ergebnisse beantworten damit nicht die ultimative Frage von Investoren, ob Europas Banken einem äußerst schweren Abschwung widerstehen könnten.“ Auch die Möglichkeit, mithilfe der Test die miteinander verflochtenen Banken- und Eurozonekrisen zu lösen, sei gering, weil die Wirtschaft vieler EU-Länder in der Depression stecke: „Europas Banken haben deshalb nicht nur Milliarden Euro in Staatsschulden angelegt, sondern auch auf staatliche Rettungspakete gesetzt, die ihnen aus der Krise helfen.“

Einen nur „unvollständigen Stressabbau“ hätten die Stresstests den an Europa interessierten Anlegern gebracht, meint der britische Economist. Aller Kritik an den Kriterien der Tests zum Trotz hätten die Testergebnisse eins bewirkt: neues Vertrauen zu schaffen. Dies sei auch das wichtigste Ziel gewesen, räumt das Blatt ein. Gleichwohl hätten die Tests die Chance verpasst, das zentrale Problem des Interbankenmarktes anzugehen - das Ungleichgewicht in der Informationspolitik der Institute. „In dieser Hinsicht ist die Bank von Spanien ein Vorbild, sie hat alle ihre Anlagen in europäische Staatsschulden offen gelegt. In Deutschland z. B. hat nur die Landesbank Baden-Württemberg ihre Bücher so weit geöffnet. Zweifel über das deutsche Bankensystem werden deshalb bestehen bleiben.“ Fazit: Von einer vollständigen Entspannung sei Europas Finanzsystem noch entfernt. Die Märkte hätten entsprechend reagiert: „Keine Panik, aber die Nervosität hielt an.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Presseschau - Wirtschaftszeitungen zerpflücken den Stresstest

1 Kommentar zu "Presseschau: Wirtschaftszeitungen zerpflücken den Stresstest"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es ist tatsächlich ein Wettbewerbsnachteil, wenn eine solche Veröffentlichung nur in Europa geschieht. Die Wallstreet wird sich die Finger lecken nach den Daten.

    Allerdings sind die Daten auch wichtig für Kontrolinstanzen in Europa, denn das ein oder andere Land wird sich überlegen das insolvenzrecht für banken sofort anzupassen und entsprechende Vorkehrungen zu treffen. Auserdem gibt es einen Überblick darüber, wie flüssig die banken eigentlich sind und wieviel man ihnen demnächst abknöpfen kann.