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Marktreport Für Firmen steigen die Prämien in der Industrieversicherung

Die Pandemie sorgt auch bei Versicherern für massive finanzielle Belastungen. Viele Firmen müssen mit steigenden Tarifen in den Industriepolicen rechnen.
08.09.2020 - 13:43 Uhr Kommentieren
Eine Explosion bei Bayernoil in Irsching zählte zu den größten Schäden der vergangenen Jahre in der Industrieversicherung in Deutschland. Nun dürften die Prämien deutlich steigen.
Raffineriegelände von Bayernoil

Eine Explosion bei Bayernoil in Irsching zählte zu den größten Schäden der vergangenen Jahre in der Industrieversicherung in Deutschland. Nun dürften die Prämien deutlich steigen.

Frankfurt Die deutschen Firmen müssen sich auf steigende Versicherungspreise einstellen. Nach einem am Dienstag veröffentlichten Marktreport zum deutschen Versicherungsmarkt wird das Klima in der Industrieversicherung zunehmend rauer. „Firmenkunden müssen mit höheren Preisen, reduzierten Kapazitäten und immer mehr Ausschlüssen rechnen“, heißt es in dem Marktreport des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens Aon, das zu den größten unabhängigen Versicherungsmaklern zählt.

Auch Konditionen für die Deckung von Betriebsschließungen infolge einer Pandemie würden sich verschlechtern. „Branchen, die durch eine Pandemie besonders gefährdet sind, werden überhaupt keinen Versicherungsschutz mehr erhalten“, warnt Hartmuth Kremer-Jensen, Geschäftsführer und Chief Broking Officer des Erstversicherungsmaklers bei Aon Deutschland.

Die Coronakrise sorgt damit dafür, dass sich die Preiswende am Versicherungsmarkt verschärft. Denn die Pandemie sorgt für massive finanzielle Belastungen bei den Assekuranzen, weshalb viele Firmen vorsichtiger kalkulieren oder sich komplett aus Teilmärkten zurückziehen.

Allein der in Bayern erzielte Kompromiss mit Politik und Gaststätten über eine Teilzahlung bei den Betriebsschließungspolicen werde die Branche rund 300 Millionen Euro kosten, glaubt das Beratungsunternehmen Meyerthole Siems Kohlruss (MSK). Sparten wie die Industrieversicherung sind branchenweit bereits seit Längerem defizitär.

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    Nun sorgt Corona mit dafür, dass die Prämien deutlich steigen. So legten die Preise für Industrieversicherungen weltweit im ersten Quartal 2020 um durchschnittlich 14 Prozent zu, wie eine Untersuchung des Versicherungsmaklers Marsh jüngst ergab.

    Radikale Einschnitte

    Aon spricht bereits von „radikalen Einschnitten“ für die Industriekunden. Denn gleichzeitig stellten die Versicherer in vielen Bereichen deutlich weniger Kapazitäten zur Verfügung oder versuchten, Cyber- und Pandemie-Ausschlüsse durchzusetzen. „Immer mehr Versicherer lösen Cyberrisiken vollständig aus den konventionellen Sach- und Haftpflichtversicherungssparten heraus, um sogenannte Silent-Cyber-Risiken zu reduzieren“, betont Kremer-Jensen von Aon.

    Silent-Cyber-Risiken sind Risiken, deren Deckung nicht explizit ein-, aber auch nicht ausgeschlossen ist, weil sie zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses schlicht nicht verbreitet oder bekannt waren. „Diese Ausschlüsse führen zu gefährlichen Versicherungslücken“, so Kremer-Jensen weiter. „Löst beispielsweise eine Schadsoftware einen Brand aus, ist der Schaden weder in der Sachversicherung noch in einer Spezialdeckung wie der Cyberversicherung abgesichert.“ Einige Kunden würden sich nun ernsthaft mit der Gründung firmeneigener Versicherer beschäftigen, sogenannter Captives, und prüften die Voraussetzungen hierzu.
    Die Versicherer stehen allerdings selbst unter Druck. Beim größten deutschen Versicherer, der Allianz, waren die Probleme in der Sparte zuletzt so groß, dass es Konzernchef Oliver Bäte im November vergangenen Jahres reichte und er den damaligen Chef des Allianz-Industrieversicherers AGCS, Chris Fischer Hirs, vor die Tür setzte. 2019 fuhr die Sparte einen operativen Verlust von 284 Millionen Euro ein. Nun soll Joachim Müller den Problemfall im Konzern wieder auf Kurs bringen.

    Die Experten sind skeptisch: Die Ratingagentur Standard & Poor’s senkte erst im Juni den Ausblick der AGCS von „stabil“ auf „negativ“. Dabei betonte die Agentur, dass nicht nur das US-Geschäft Probleme macht, sondern auch andere Bereiche wie die Haftpflichtversicherung für deutsche Konzerne. Müller will nun das verlustreiche Geschäft neu aufstellen und es operativ im nächsten Jahr wieder in die schwarzen Zahlen bringen.

    Mehr: Geplanter Umbau der Allianz-Großkundensparte könnte 700 Jobs kosten

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