Handelsblatt testet Altersvorsorge-Ranking: Den Ruhestand ohne Geldsorgen genießen

Die Rentenlücke wird in Zukunft größer. Der Bedarf an privater Vorsorge wächst. Eine Untersuchung zeigt, wie gut Rentenprodukte von Versicherungen sind.
05.08.2020 - 04:05 Uhr 1 Kommentar
Mit einem finanziellen Polster lässt sich der Lebensabend entspannt gestalten. Quelle: dpa
Rentnerpaar am Bodensee

Mit einem finanziellen Polster lässt sich der Lebensabend entspannt gestalten.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Mit dem Fahrrad durch Europa fahren, den Winter auf den Kanaren verbringen oder einfach mal zehn Wochen pilgern – den Traum vom aktiven Ruhestand haben viele. Doch den muss man sich auch leisten können. Die gesetzliche Rente reicht meist nicht aus, um den Lebensstandard zu halten. Private Vorsorge ist für die meisten unverzichtbar.

Die Ratingagentur Franke und Bornberg hat für das Handelsblatt die Vorsorgeprodukte von Versicherungen für die private Altersvorsorge unter die Lupe genommen.

Drei Produktkategorien durchliefen einen Härtetest: Zum einen private Rentenversicherungen, die der Staat nicht fördert. Zum anderen Riester-Renten, die der Staat unterstützt. Für Selbstständige kommt die Rürup-Rente, auch Basisrente genannt, infrage. In der Sparphase ist sie steuerlich interessant.

Derzeit sind Rentenversicherungen gefragt, die Garantien und Fondsanlage verbinden: „Diese Hybrid-Produkte bieten Chancen auf höhere Renditen durch die Beteiligung an den Kapitalmärkten. Klassische Rentenversicherung mit Garantiezins finden dagegen kaum noch Zulauf“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer der Ratingagentur Franke und Bornberg.

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    Hermann Schrögenauer, Vorstand der LV 1871, empfiehlt: „In der anhaltenden Niedrigzinsphase sollten Versicherte darauf achten, dass die Versicherung eine hohe Solvenzquote aufweist, und auch ein Blick auf die Gesamtverzinsung ist wichtig.“ Daher ist auch die Finanzkraft der Versicherungen Teil der Bewertung.

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    Statistisch brauchen ältere Menschen weniger Geld für ihren Lebensunterhalt. Eine Faustregel besagt, dass 70 bis 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens notwendig sind. Die gesetzliche Rente reicht längst nicht mehr aus.

    Privatrente

    Denn das Rentenniveau liegt derzeit bei 48 Prozent des Durchschnittseinkommens. Dieses Niveau ist bis 2025 garantiert. Bis 2030 droht laut Experten ein Rückgang auf 43 Prozent.

    Erwerbstätige sollten daher so früh wie möglich vorsorgen. Die durchschnittliche monatliche Rentenlücke von 55- bis 64-Jährigen, die nur Anspruch auf Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung haben, liegt nach einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin im Schnitt bei 740 Euro.

    Private Rentenversicherung: Flexible Gestaltung möglich

    Wer fürs Alter vorsorgt, sollte möglichst genau ermitteln, welche Mittel er dann benötigt, um die Rentenlücke zu schließen. Dazu muss er seinen finanziellen Bedarf errechnen und damit vergleichen, was ihm an Einkommen im Alter zur Verfügung steht. Es gilt, vom Finanzbedarf die voraussichtliche Rente, alle Einkünfte aus Vorsorgeverträgen, betrieblicher Altersvorsorge, Mieteinnahmen sowie regelmäßige Erträge aus Wertpapieren abzuziehen. Das Ergebnis ist die Rentenlücke.

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    Anleger haben zwei starke Partner an der Seite: die Rendite und die Zeit. Je früher Sie anfangen und je höher die Rendite ist, desto größer ist der Zinseszinseffekt. So werden aus 10.000 Euro, die sich jährlich mit fünf Prozent verzinsen, nach zehn Jahren 15.502 Euro, nach 20 Jahren sind es 40.754 Euro und nach 30 Jahren gar 81. 886 Euro.

    Der exponentielle Anstieg kommt dadurch zustande, dass sich immer mehr Zinserträge ansammeln, die ebenfalls verzinst werden. Kleine Unterschiede wirken sich stark aus: So beträgt bei drei Prozent Verzinsung von 10.000 Euro nach 30 Jahren der Endbetrag nur 58.054 Euro.

    Private Rentenversicherungen sind ein Standardprodukt für die private Altersvorsorge. Dabei erhalten Versicherte nach Abschluss der Sparphase eine lebenslange monatliche Rente. Sie können zwischen klassischer und fondsgebundener Variante oder Produkten der „neuen Klassik“ wählen.

    „Bei der privaten Rentenversicherung bin ich sehr flexibel und kann das Garantieniveau frei wählen. Im aktuellen Zinsumfeld machen Produkte auf Fondsbasis am meisten Sinn. Sie erhöhen die Chancen auf höhere Renditen“, sagt Michael Franke. Produkte ohne Garantie bieten größere Chancen, dafür gibt es keine garantierte Mindestrente. Wer mehr Sicherheit haben möchte, baut eine Kapitalgarantie ein und kann dank der garantierten Mindestrente besser planen.

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    Unter den privaten Rentenversicherungen, die eine Kapitalgarantie für 80 Prozent der Beiträge garantieren, schneiden zwölf mit der Höchstnote sehr gut ab. Das mit Abstand beste Testergebnis erreicht mit 98 von 100 möglichen Punkten die LV 1871 Lebensversicherung mit dem Produkt „Mein Plan mit individuellem Beitragserhalt“.

    Eine Garantie von bis zu 100 Prozent der Beiträge ist je nach Wunsch möglich. Wer risikobereit ist und die Chancen des Kapitalmarkts voll nutzen möchte, sollte auf die Kapitalgarantie verzichten.

    Große Auswahl beim Testsieger

    Bei einem Garantieniveau von 80 Prozent wird ein Versicherter nach 35 Jahren mit monatlichen Einzahlungen von 150 Euro garantiert 146,61 Euro pro Monat erhalten. Bei einer Rendite von sechs Prozent würde die Rente auf 436,83 Euro monatlich steigen. Das ist mehr als bei den meisten anderen Anbietern und ein Hinweis auf im Vergleich niedrigere Kosten. „Der Kunde kann aus einem rund 120 Fonds umfassenden Portfolio für seinen Vertrag individuell wählen“, teilt LV 1871 auf Anfrage mit.

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    Viel Freiheit bietet die Stuttgarter Lebensversicherung mit dem Tarif Flex-Rente performance-safe. Hier kann der Versicherte je nach Sicherheitsbedürfnis eine Garantie zwischen zehn und 80 Prozent wählen. „Ein Teil des Gelds wird im Deckungsstock angelegt, ein zweiter Teil im vom Kunden bestimmten Wertsicherungsfonds und der dritte Teil in den sogenannten freien Fonds“, sagt ein Sprecher des Hauses.

    Dabei kann der Sparer Aktien-, Renten-, Misch- und Nachhaltigkeitsfonds kombinieren. „Ziel ist ein möglichst hohes Investment in renditestarke Fonds bei gleichzeitiger Sicherstellung der gewählten Garantie“, betont die Stuttgarter Lebensversicherung.

    Völlig frei ist dagegen die Anlagestrategie bei fondsbasierten Rentenversicherungen ohne Kapitalgarantie. Hier haben Sparer die Chance, möglichst stark an der Performance der Aktienmärkte zu partizipieren. Dafür haben sie keinen Anspruch auf eine garantierte Mindestrente.

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    Beim Testsieger Europa Lebensversicherung mit dem Tarif FRV E-FR kann der Kunde aus 24 Fonds verschiedener Anbieter wählen. „Er entscheidet selbst anhand seiner persönlichen Situation, seiner bisherigen Vorsorge und seiner Sparziele, welchen Anlageplan er nutzen möchte“, teilt die Europa Versicherung auf Anfrage mit. Wie hoch die Rendite ausfällt, ist offen. Fest steht, dass der Rentenfaktor bei 25,86 Euro liegt: Je 10.000 Euro angespartem Kapital bekommt der Sparer eine monatliche Rente in dieser Höhe.

    Ebenfalls zu den Gewinnern zählt die Ergo Vorsorge Lebensversicherung mit den Tarifen Ergo Rente Balance und Ergo Rente Chance. Bei der Variante Balance kann der Kunde in über 60 Investmentfonds investieren. Zudem hat er die Möglichkeit, mit dem Fondsguthaben in das Sicherungsvermögen zu wechseln. Beim Produkt Chance kann er jederzeit die Fonds neu aufteilen und so schnell auf Trends am Kapitalmarkt reagieren.

    Mehr: Diese Versicherer schneiden bei den Kunden 2020 am besten ab.

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