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Germania

Die Flüge an allen deutschen Germania-Standorten wurden abgesagt – und zwar ab sofort.

(Foto: imago/Steve Bauerschmidt)

Airline-Insolvenz Ersatztickets, Extrakosten, Fluggastrechte – Das müssen Germania-Kunden jetzt wissen

Die Insolvenz der Fluggesellschaft trifft viele Passagiere unvorbereitet. Tickets sind nichts mehr wert, Reisende stecken fest. Was jetzt zu tun ist.
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FrankfurtEs wirkt fast wie ein Seitenhieb. „Entdecken Sie Orte, die alles verändern“, wirbt die Lufthansa für ihr aktuelles Flugangebot. Für viele Reisende des Konkurrenten Germania veränderte sich in dieser Woche tatsächlich alles – allerdings anders, als diese Kunden sich das gewünscht hätten.

Denn die deutsche Fluggesellschaft mit Sitz in Berlin hat Insolvenz beantragt und daraufhin mit sofortiger Wirkung den Flugbetrieb eingestellt. Germania beförderte bislang nach eigenen Angaben jährlich vier Millionen Passagiere und flog mehr als 60 Ziele an. Nun bangen viele Reisende um ihren Rückflug – und viele Kunden um ihr bereits gebuchtes Ticket.

Was müssen Germania-Kunden nach der Pleite also wissen? Hier sind Antworten auf die wichtigsten Fragen:

Welche Gesellschaften sind von der Insolvenz betroffen?

Betroffen von der Insolvenz sind die Germania Fluggesellschaft GmbH und ihr Schwesterunternehmen für technische Dienstleistungen, die Germania Technik Brandenburg GmbH, sowie die Germania Flugdienste GmbH, wie aus der Mitteilung der Airline hervorgeht. Nicht betroffen sind die Schweizer Germania Flug AG und die Bulgarian Eagle. Der Flugbetrieb der Berliner Germania wurde bereits in der Nacht zum Dienstag vollständig eingestellt.

Welche Strecken sind betroffen?

Die Flüge an allen deutschen Germania-Standorten wurden abgesagt – und zwar ab sofort. Betroffen sind die Flughäfen Westerland, Hamburg, Rostock-Laage, Berlin Tegel und Schönefeld, Düsseldorf, Dresden, Nürnberg, Erfurt-Weimar, München, Stuttgart, Frankfurt/Main, Bremen, Leipzig-Halle, Friedrichshafen und Münster/Osnabrück.

Von Berlin aus flog die Airline vor allem klassische Ferienziele wie die Kanaren (La Palma, Fuerteventura, Lanzarote), aber auch andere Auslandsziele wie Tel Aviv und Gaziantep an. In der Nacht auf Dienstag flogen die beiden letzten Germania-Maschinen von den Kanaren nach Nürnberg und Münster/Osnabrück zurück.

Muss ich meinen Rückflug selbst organisieren, wenn ich schon im Ausland bin?

Das kommt darauf an. Wer seinen Flug direkt bei Germania gebucht hat, steckt jetzt in der Klemme. Nach Angaben von Germania besteht für Passagiere, die ihr Flugticket direkt bei der Fluggesellschaft kauften, aufgrund der Gesetzeslage „bedauerlicherweise kein Anspruch auf Ersatzbeförderung“. Faktisch müssen sich Selbstbucher jetzt also selbst um ihre Reise kümmern, da noch keine Order durch einen Insolvenzverwalter existiert, wie es weitergeht, erläutert Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Und wenn ich über einen Reiseanbieter gebucht habe?

Für Fluggäste, die ihren Flug über einen Reiseanbieter gebucht haben, sieht es besser aus. Sie können sich direkt an den jeweiligen Organisator wenden: Der hat die Rückreise zu organisieren. „Der Reiseveranstalter muss für eine Ersatzbeförderung sorgen“, sagt die Verbraucherzentrale Sachsen. „Insoweit müssen sich Pauschalurlauber keine Sorgen machen.“ Die Firmen kümmerten sich darum, für ihre Gäste alternative Reisemöglichkeiten zu organisieren, beteuert auch der Deutsche Reiseverband (DRV). Es könne aber sein, dass die Reise einen Tag später stattfinde oder auch zwei Tage später. „Dann ist natürlich die Reise mangelhaft, und es gibt Minderungsansprüche“, heißt es bei der Verbraucherzentrale.

Hilft die Konkurrenz gestrandeten Germania-Kunden jetzt?

Wer wegen der Germania-Insolvenz nicht fliegen kann, erhält von der Lufthansa Tickets zum Sonderpreis. Betroffene Passagiere können innerhalb Europas für 50 Euro reisen. Durch die Insolvenz sei „erneut eine Sondersituation für die Luftfahrtindustrie in Deutschland“ eingetreten, erklärte der Konzern zur Begründung.

Für die Fluggesellschaften Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines sollen betroffene Germania-Fluggäste deshalb vergünstigte Tickets bekommen. Dieser Sondertarif gilt bis Ende Februar. Die Tickets seien in den kommenden Tagen buchbar, heißt es bei der Lufthansa. Auch der Ferienflieger Condor, Tuifly und der britische Billigflieger Easyjet sowie die irische Ryan‧air wollen Germania-Kunden besondere Konditionen anbieten.

Bekomme ich die Extrakosten für den Rückflug oder Extra-Übernachtungen zurückerstattet?

Kunden, die bei Germania direkt gebucht haben, können diese Kosten zwar in Rechnung stellen. Doch Betroffene müssen sich mit ihren Forderungen in diesem Fall an den Insolvenzverwalter wenden. Solche Verfahren können Jahre dauern. Beglichen werden die Ansprüche meist nur teilweise oder kaum aus der Insolvenzmasse – denn es ist ungewiss, wie viel Geld der Insolvenzverwalter am Ende zur Verfügung haben wird. Bei Buchungen über den Reiseveranstalter kann der Reisepreis gemindert werden, wenn kein Rückflug organisiert wird. Schadensersatz wegen entgangener Urlaubsfreuden gibt es nicht, weil die Insolvenz nicht vom Veranstalter zu vertreten ist.

Soll ich mein Ticket jetzt noch stornieren?

Grundsätzlich kann ein Kunde ein Ticket, das er vor der Insolvenzanmeldung gekauft hat, stornieren. Allerdings ist fraglich, ob sich das lohnt. Wer storniert, hat je nach Tarif meist nur Anspruch auf einen Teil des Ticketpreises, außerdem auf die Rückerstattung von Steuern und Gebühren. Und selbst dieser Teil des Ticketpreises bleibt zunächst in der Insolvenzmasse stecken. Wenn man nicht storniert, besteht wenigstens eine geringe Chance, später noch etwas mehr Geld aus der Insolvenzmasse zu bekommen. Wer über Reiseanbieter bucht, hat andere Ansprüche (siehe oben).

Helfen mir Fluggastrechteportale jetzt weiter?

Da sich Portale wie Flightright oder Flugrecht.de nur um Ansprüche nach der Fluggastrechteverordnung kümmern, helfen sie in diesem Fall kaum weiter. Sie kümmern sich um Entschädigungen von normalen Flugausfällen aufgrund von Verspätungen. Im Fall einer Insolvenz bekommen auch diese Profis kaum etwas aus der Insolvenzmasse.

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