Aktionäre vor Gericht Chancen und Risiken von Anlegerprozessen

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HRE Hypo Real Estate - Das ewige Musterverfahren

Der Skandal: Aus der Finanzkrise seien „keine negativen Belastungen“ zu erwarten, teilte die HRE am 3. August 2007 mit. Auch danach blieb man optimistisch. „Unser Team hat einen Super-Job gemacht“, tönte Vorstandschef Georg Funke am 14. Januar 2008, obwohl das Institut gerade einen Abschreibungsbedarf von 390 Millionen Euro gemeldet hatte. Der Rest ist bekannt: Eine Finanzspritze von zehn Milliarden Euro sowie Staatsgarantien über 145 Milliarden Euro verhinderten die Pleite. 2009 wurde die Bank verstaatlicht, Anleger bekamen 1,30 Euro je Aktie.

Neben Privatanlegern sind Fonds und Pensionskassen vor Gericht gezogen. Sie haben Schadensersatzansprüche von 900 Millionen Euro an den Juristen Christian Wefers abgetreten, der nun in ihrem Namen klagt. Im Januar bestimmte das OLG München Wefers zum Musterkläger. Somit wird seine Klage gegen die HRE sowie deren Ex-Vorstände Georg Funke und Markus Fell stellvertretend für sämtliche anhängigen Verfahren verhandelt.

Musterverfahren ziehen sich meist über Jahre

Die Chancen: Besser als bei der IKB, denn Wefers und seine Mitstreiter sind überzeugt, dass gleich mehrere Ad-hoc- und Pressemitteilungen der HRE 2007 und 2008 irreführend waren. Die Bank habe die Lage beschönigt und Risiken aus der Übernahme der Depfa Bank verschwiegen. Doch Musterverfahren ziehen sich meist über Jahre. Das dürfte auch hier der Fall sein, seit Januar sind die Richter nicht weitergekommen. „Die HRE hat mehrere Anträge gestellt, durch die sich der Prozessbeginn verzögert hat“, sagt Wefers-Anwalt Andreas Tilp. So habe das Institut einen Richter wegen Befangenheit abgelehnt, weil er vorher bei der Staatsanwaltschaft mit HRE-Ermittlungen befasst gewesen sei. Tilp erwartet die erste Verhandlung Mitte 2012.

Das Risiko: Nach einem OLG-Urteil wäre dann wohl der BGH dran – und wenn dieser den Klägern recht gäbe, müsste jede Klage noch mal einzeln aufgerollt werden. Das ginge schnell, weil die Hauptfragen geklärt wären. Aber womöglich müssten Kläger auch hier beweisen, dass eine bestimmte falsche Mitteilung sie zum Aktienkauf animierte. Tilp hofft jedoch, dass dies nicht nötig ist. Er will im Musterprozess klären lassen, dass Anleger „die Kausalität nicht darlegen und auch nicht beweisen“ müssen.

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