Alno-Insolvenz Die gewünschte Küche kommt wohl trotzdem

Käufer, die auf eine Alno-Küche warten oder bereits eine Anzahlung geleistet haben, können beruhigt sein: Ein finanzieller Verlust ist äußerst unwahrscheinlich. Was Küchenkäufer nach dem Insolvenzantrag wissen müssen.
Kommentieren
Trotz Insolvenz können Verbraucher optimistisch sein. Quelle: dpa
Küchenhersteller Alno

Trotz Insolvenz können Verbraucher optimistisch sein.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDie gute Nachricht gleich vorweg: Wer eine Küche von Alno bestellt hat, kann damit rechnen, diese auch zu erhalten. Trotz des Insolvenzantrags rechnet der Küchenhersteller fest damit, alle Aufträge bedienen zu können.

Auch andernfalls haben Küchenkäufer relativ wenig zu befürchten. Entscheidend für sie ist letztlich: Mit wem wurde der Vertrag geschlossen? Und was steht konkret drin? Verbraucher, die eine Alno-Küche erwarten, sollten also zuallererst in den Kaufvertrag schauen und den Vertragspartner identifizieren. In aller Regel kaufen Verbraucher beim Händler – und schließen mit ihm den Vertrag. Die Forderung, die der Käufer gegenüber dem Händler besitzt, muss dann auch erfüllt werden. Heißt: Es besteht Anspruch auf die bestellte Küche.

Andernfalls ist eine Rückabwicklung des Vertrags notwendig. Sollte ein Käufer bereits eine Anzahlung geleistet haben, kann er sie vom Händler zurückfordern, falls dieser noch keine Gegenleistung erbracht hat, erklärt Julia Woywod-Dorn von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Einfacher ist es natürlich, wenn man sich mit dem Händler einigen kann, etwa auf den Kauf einer anderen Küche.“

Das Firmen-Imperium des verschwiegenen Hastor-Clans
Nijaz Hastor
1 von 11

Patriarch der bosnischen Unternehmerfamilie ist Nijaz Hastor. Im kommunistischen Jugoslawien arbeitete er als Manager im TAS-Automobilwerk in Sarajevo. Dank seiner guten Verbindungen zu Volkswagen gründete er seine eigene Autozuliefererfirma. Neben der Autobranche ist der 68-Jährige auch in der Möbelbranche aktiv. Er hatte frühzeitig erkannt, dass sein Heimatland vor allem viel Holz zu bieten hat – und lässt daraus Möbel produzieren.

Filmfestspiele in Sarajevo
2 von 11

Auch im Kulturellen engagieren sich die Hastors. Der Clan sponsert das jährlich stattfindende Filmfest in Sarajevo, auf dem auch schon Hollywood-Stars wie Robert de Niro und Brad Pitt zu Gast waren. Hier im Foto: Nijaz Hastor (r.) mit seiner Frau Mirsada auf dem roten Teppich.

Geburtshaus von Nijaz Hastor
3 von 11

Familienoberhaupt Nijaz Hastor hat sich aus eigener Kraft hochgearbeitet. Er ist in bescheidene Verhältnissen aufgewachsen, wie ein Blick auf sein Geburtshaus (Foto) zeigt. Mittlerweile besitzt der reichste Mann Bosniens ein weitverzweigtes Firmenimperium, zu dem neben Finanzdienstleistern vor allem Autozulieferer sowie Küchen- und Möbelhersteller gehören. Folgende Unternehmen gehören den Hastors ...

Hauptsitz von Alno in Pfullendorf
4 von 11

... etwa Deutschlands zweitgrößter Küchenhersteller Alno. Das Unternehmen kämpft allerdings seit längerem mit Finanzproblemen und musste Insolvenz anmelden. Dann hat sich überraschenderweise doch noch ein Käufer für das Küchenunternehmen gefunden. Über den Großaktionär Tahoe Investors hält die bosnische Unternehmerfamilie Hastor insgesamt 43,1 Prozent an Alno und besitzt die Mehrheit im Aufsichtsrat.

Produktion in Pfullendorf
5 von 11

Vor dem Verkauf an einen Finanzinvestor plante Alno noch eine Insolvenz in Eigenregie unter Vorstandschef Christian Brenner. Brenner gilt als Vertreter des Großaktionärs Tahoe Investors, hinter dem wiederum die Familie Hastor steckt. Der Clan aus Bosnien ist im Besitz gleich mehrerer Autozulieferer.

Konzernzentrale von Grammer
6 von 11

Der dickste Brocken im Firmengeflecht der Unternehmerfamilie ist der Autozulieferer Grammer aus Bayern, bei dem die Hastors mit 20 Prozent größter Aktionär sind. Grammer macht rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt derzeit rund 12.000 Mitarbeiter.

Produktion in Bayern
7 von 11

Zuletzt hatten die Hastors für Aufsehen gesorgt, weil sie unter anderem den Vorstandschef von Grammer stürzen wollten. Bei der Hauptversammlung unterlagen sie dann aber.

Komplizierter ist es, falls der Vertrag direkt mit dem Küchenhersteller geschlossen wurde. Käufer müssten ihre Forderungen dann beim Insolvenzverwalter anmelden, sagt Woywod-Dorn. Dieser wiederum prüft im Folgenden, wie viele Forderungen vorliegen – und ob der Hersteller die Küche noch liefern kann. In Bezug auf Alno ist dies aber ein Szenario im Konjunktiv: Alno verkaufe grundsätzlich keine Küchen auf direktem Wege, sondern nur über Händler, versicherte Unternehmenssprecher Markus Gögele am Mittwoch.

Sollte das Gericht der geplanten Insolvenz in Eigenverwaltung zustimmen, dürfte sich insgesamt wenig ändern. Der Betrieb soll dann wie bislang fortgeführt werden, sagte der Sprecher – und die bestellte Küche wie gewünscht beim Händler eintreffen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Alno-Insolvenz - Die gewünschte Küche kommt wohl trotzdem

0 Kommentare zu "Alno-Insolvenz: Die gewünschte Küche kommt wohl trotzdem"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%