Anlagebetrug Gläubiger warten nach P&R-Pleite auf Post von Verwalter

Vorausgefüllte Forderungsanmeldungen sollten schon Anfang August versandt werden. Angeblich sind sie nun unterwegs. So sehen sie aus.
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P&R-Pleite: Gläubiger warten auf Post von Verwalter Quelle: dpa
Container

Von den 1,6 Millionen verkauften Containern fehlte eine Millionen.

(Foto: dpa)

DüsseldorfDas Anschreiben ist vier Seiten lang und voller juristischer Begriffe. Diese trockene Kost wird dennoch von mehr als 50.000 Empfängern sehnlichst erwartet. Der Insolvenzverwalter des Container-Riesen P&R verschickt nach Angaben eines Sprechers in dieser und in der nächsten Woche vorausgefüllte Formulare für Forderungsanmeldungen an alle Anleger, die mit Direktinvestments in Container der Vertriebsfirma P&R viel Geld verloren haben. Ein Musterbrief liegt dem Handelsblatt vor.

Bislang haben Kanzleien und einzelne Anleger allerdings noch nichts im Briefkasten vorgefunden. Rund 80.000 Forderungsanmeldungen sollen rausgehen, in jedem steht ein individuell errechneter Forderungskatalog. Das scheint auch eine logistische Herausforderung zu sein.

Auf einem online abrufbaren Frage- und Antwortkatalog der Kanzlei wurde der Versand bis Mitte August angekündigt. Zuvor hatte auf der gleichen Webseite zur gleichen Frage noch „Anfang August“ gestanden. Aus der Kanzlei heißt es jedoch, alles laufe wie geplant.

Die P&R-Gruppe hatte mehr als vier Jahrzehnte Seefrachtcontainer an Privatanleger verkauft, diese verleast und den Anlegern ansehnliche Mieten bezahlt. 54.000 Anleger haben so 3,5 Milliarden Euro investiert. Die Schieflage begann mit der Finanzkrise 2007, seither verwendete P&R vermehrt frisches Anlegergeld um Altanleger auszuzahlen, und nicht um damit Container zu finanzieren. Von 1,6 Millionen verkauften Containern fehlte eine Millionen Container. Ende Juli wurde das reguläre Insolvenzverfahren eröffnet.

Im Schreiben des Insolvenzverwalters erfahren die Gläubiger auch noch einmal, dass sie ihre Forderungen bis 14. September anmelden müssen. Bis dahin müssen also die Forderungsanmeldungen überprüft und das Formular wieder zurückgeschickt sein. „Das wird knapp“, sagte eine Anwältin dem Handelsblatt. Sie rechnet vor, dass viele Gläubiger jetzt im Urlaub sind und dann am Ende vielleicht nur noch eine Woche Zeit bleibt, um alles zu überprüfen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Post von Anlegern, die sich vertreten lassen, nicht an die Kanzleien geht. Sie werde aus technischen Gründen an die Gläubiger direkt verschickt, heißt es in beim Insolvenzverwalter. Bis diese ihr Schreiben dann an den Anwalt weitergereicht haben, vergeht noch einmal Zeit. Wer den engen Zeitrahmen nicht schafft, hat immer noch die Möglichkeit, gegen eine geringe Gebühr die Forderungen nachzureichen.

In den Forderungslisten (Seite 6 des Schreibens) sind bislang aufgelaufene und nicht mehr bezahlte Mieten ebenso wie zukünftig zu erwartende Mieteinnahmen aufgeführt. Zudem nennt die Liste einen erwarteten Rückkaufswert der Container. Die Mieten werden rechnerisch verzinst.

Ausführlich erläutert Verwalter Michael Jaffé in dem Schreiben noch einmal, dass die Anleger, die über P&R Seefrachtcontainer kaufen und vermieten ließen, keinen Anspruch auf den Besitz einzelner Container haben. Es fehlten so viele Container, dass sich nicht genau bestimmen lasse, welcher Container nun welchem Anleger gehöre. Dazu führt er eine „rechtskräftige Entscheidung“ des Münchner Landgerichts an, ohne ein Aktenzeichen zu nennen.

Das war das Geschäftsmodell von P&R

Wie das Handelsblatt erfuhr, handelt es sich bei der Entscheidung nicht um ein Urteil, sondern um eine Verfügung. Offenbar wies das Gericht den Versuch eines Anlegers zurück, seine Container zu finden und aus der Masse herauszulösen.

Teile der Begründung gibt Jaffés Kanzlei wörtlich wieder. An zwei Dingen dürften individuelle Versuche, die eigenen Container zu retten, scheitern. Das Eigentum an einem bestimmten Container lässt sich zum einen nicht nachweisen, weil so viele Container fehlen. Zudem ist nicht klar, ob P&R die Container überhaupt verkaufen durfte.

Sie wurden von einer Schwestergesellschaft, der P&R Equipment in der Schweiz, gekauft und vermietet. Damit hatten die deutschen Vertriebsgesellschaften womöglich gar keine Verfügungsgewalt über die vertriebenen Container.

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