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Anlageskandal Mehr als eine Milliarde Euro Verbindlichkeiten – P&R-Gründer meldet Privatinsolvenz an

Ein Jahr nach der Pleite der P&R-Gruppe ist der Firmengründer Heinz Roth zahlungsunfähig. Im Insolvenzverfahren wird eine winzige Quote erwartet.
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Von den 1,6 Millionen verkauften Containern sind heute nur 618.000 vorhanden. Eine Million Container existiert nur auf dem Papier. Quelle: dpa
Container

Von den 1,6 Millionen verkauften Containern sind heute nur 618.000 vorhanden. Eine Million Container existiert nur auf dem Papier.

(Foto: dpa)

BerlinEs ist die nächste Hiobsbotschaft für Heinz Roth (76), den Gründer und ehemaligen Chef des Containervertriebs P&R. Das Amtsgericht München hat mit Beschluss vom Mittwoch ein Insolvenzverfahren über sein Privatvermögen eröffnet.

Zum Insolvenzverwalter wurde Miguel Grosser aus der Münchener Kanzlei „Jaffé Rechtsanwälte Insolvenzverwalter“ bestellt. Eine erste Bestandsaufnahme habe ergeben, dass Roth Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro habe, teilte Grosser mit.

Der Großteil der Forderungen stammt von den Firmen der P&R-Gruppe in Grünwald, die vor einem Jahr pleitegegangen sind. Vorhandene Vermögenswerte würden zwar die Verfahrenskosten decken, sagte Grosser, Gläubiger müssten jedoch mit einer niedrigen Quote „von deutlich unter einem Prozent“ rechnen.

Roths Privatvermögen wurde zuletzt auf zehn bis 13 Millionen Euro taxiert. Die Dauer des Insolvenzverfahrens lasse sich nicht abschätzen. Es könne sich aber um mehrere Jahre handeln.

Die P&R-Gruppe hat Seecontainer an Privatanleger vertrieben. Das Geschäftsmodell sah vor, dass P&R die Boxen von den Investoren zurückmietete und an Reedereien weitervermittelte. Die Anleger erhielten die Mieten ausgeschüttet und nach fünf Jahren ein Angebot für die gebrauchten Stahlboxen. Sie erzielten Renditen von drei bis fünf Prozent. Das Geschäft, das seit Mitte der 1970er-Jahre lief, galt lange als verlässlich und hochseriös – bis P&R Anfang 2018 für viele überraschend kollabierte.

Der Münchener Insolvenzverwalter Michael Jaffé stellte bald darauf fest, dass eine Million verkaufter Container zuletzt nur auf dem Papier existiert hatte. Um die Lücke zu verbergen, seien Altanleger aus dem Kapital von Neuanlegern bedient worden.

Es steht der Verdacht im Raum, dass P&R über viele Jahre hinweg als Schneeballsystem betrieben wurde. Offenbar war die Gruppe nach der Weltwirtschaftskrise 2008 in eine Abwärtsspirale geraten, die nach außen kaschiert wurde.

Von der Pleite der P&R-Gruppe sind insgesamt 54.000 Anleger betroffen, die rund 3,5 Milliarden Euro in Seecontainer investiert haben. Gemessen am Kapital, das im Feuer steht, handelt es sich um den größten Kapitalanlageskandal der deutschen Geschichte. Betroffen sind insbesondere viele Senioren: Jeder zweite Sparer bei P&R ist älter als 60 Jahre, jeder dritte sogar älter als 70.

Michael Jaffé und seine Kanzleikollegen haben nun die Anträge zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen von Roth gestellt, weil er ungerechtfertigte Ausschüttungen autorisiert haben soll. Als Geschäftsführer habe Roth von Juni 2016 bis Juni 2017 Auszahlungen in Höhe von 700 Millionen Euro zu verantworten, heißt es in Insolvenzgutachten der P&R-Gruppe. „Für diese Zahlungen muss Herr Roth den jeweiligen Gesellschaften gegenüber einstehen.“

Die Nachricht von der Privatinsolvenz erreichte Roth in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München 1 hat ihn Anfang Februar wegen des gewerbsmäßigen Betrugs in 414 Fällen und Steuerhinterziehung in zwölf Fällen angeklagt. Über die Eröffnung und mögliche Termine eines Hauptverfahrens entscheidet die Sechste Strafkammer des Landgerichts München. Roth und seine Anwälte haben sich bislang nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert.

Das war das Geschäftsmodell von P&R

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1 Kommentar zu "Anlageskandal: Mehr als eine Milliarde Euro Verbindlichkeiten – P&R-Gründer meldet Privatinsolvenz an"

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  • Wer aber jetzt verlangt und danach "schreit", dass aller § 34f'ler unter die BaFin Aufsicht gestellt werden, versteht und erkennt die politische Macht dahinter leider nicht.
    Von den circa 34 Tausend Erlaubnisinhaber nach § 34f GewO sind über 99 Prozent redliche und sehr kompetente Finanzanlagenberater.
    Der Fall P & R ist komplizierter und kann nicht pauschal betrachtet werden.
    Jeder der Anlagenformen nach § 34f Abs 1 Nr1, Nr2, Nr3 GewO birgt ein unternehmerisches Risiko und dies unterschreibt der Anleger (= mündiger Bürger) auch immer (es wird immer auf den möglichen Totalverlust hingewiesen).