Anlegerrecht Warum niemand Prokon gestoppt hat

Eine Insolvenz des Windkraftunternehmens Prokon käme nicht überraschend. Seit Jahren gibt es kritische Berichte. Warum konnte weder die Regierung noch die Aufsicht ein mögliches Anlegerfiasko verhindern?
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Firmensitz: Die Fassade im Gebäude des Windkraftherstellers Prokon besteht aus umweltfreundlichen Holz. Quelle: dpa

Firmensitz: Die Fassade im Gebäude des Windkraftherstellers Prokon besteht aus umweltfreundlichen Holz.

(Foto: dpa)

DüsseldorfObwohl die Insolvenz von Prokon noch längst nicht beschlossen ist, sucht das Unternehmen bereits nach möglichen Schuldigen. Mal ist es die Presse, die angeblich eine „Hetzkampagne“ gegen das Unternehmen führen soll. „Ihr macht doch alle einen Scheißjob“, erklärte Prokon-Gründer Carsten Robertus zuletzt den Medienvertretern. „Ihr schickt uns in die Insolvenz“.

Ein anderes Mal sind es „vermeidliche Anlegerschützer“ wie der Schutzverein der Kapitalanleger (SdK), der angeblich „ganz gezielt die Angst schürt“. SdK-Verantwortliche, so Prokon weiter, „werden mit negativen Kursverläufen und Insolvenzen von Unternehmen in Verbindung gebracht“.

Bei der Selbstanalyse zeigt sich das Management weniger lautstark. „Statt sich Geld bei den Banken für vier oder fünf Prozent zu leihen, hat Prokon Genussrechte zu einem Zins von bis zu acht Prozent ausgegeben“, sagt etwa Daniel Bauer von der kritisierten Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) im Interview mit Handelsblatt Online. „Zudem wurden sehr langfristige Investitionen mithilfe einer sehr kurzfristigen Finanzierung getätigt. Ein klarer Management-Fehler.“

Bedenken, dass die betriebswirtschaftliche Rechnung nicht aufgehen könnte, sind schon lange bekannt. Stiftung Warentest hatte schon in der April-Ausgabe aus dem Jahr 2010 berichtet, dass der Windkraftkonzern „für seine riskanten Genussrechte als sichere Anlage werbe“. Das Landgericht Itzehoe untersagte in einem nicht rechtskräftigen Urteil dem Unternehmen nicht einseitig für die Vorteile zu werben, ohne auf die Risiken hinzuweisen (Az: 5O66/10).

Auch Medienberichte im Handelsblatt, NDR oder Stern stellten dem Windkrafthersteller kein gutes Zeugnis aus. Prokon steht auf der Warnliste der Stiftung Warentest, wie auch FSE Platinum, der Genussrechte unter den Namen Epeku, Eupek und Platinum vertrieb und bereits im November 2011 Insolvenz anmelden musste. Laut Stiftung Warentest war bereits Ende 2012 das Eigenkapital des Konzerns und der Genussrechtsgesellschaft negativ, der Fehlbetrag lag bei 128,8 Millionen Euro. Laut Zwischenbilanzen zum 31. Oktober 2013 sei das Stammkapital aufgezehrt. Prokon war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Angesichts einer solchen Vielzahl an Warnsignalen fragen sich Anleger, warum weder Politik noch Aufsichtsbehörden aktiv wurden. Die Recherchen von Handelsblatt Online zeigen, dass Bundes- und Länderministerien von dem Problem mangelhafter Regulierung von Unternehmen wie Prokon wissen mussten und sie trotzdem nichts unternommen haben - und dass die Finanzaufsicht Bafin keine rechtliche Handhabe hatte. Ein Blick auf den Markt von Finanzprodukten belegt, dass es immer noch zahlreiche Anlageprodukte gibt, die unzureichend überwacht werden.

Die Regierung war informiert
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36 Kommentare zu "Anlegerrecht: Warum niemand Prokon gestoppt hat"

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  • Moin
    Wer rechnen kann ist klar in Vorteil.. Herr Jens Hagen.
    und wer gut recherchieren kann... dito...
    abschreiben ohne irgendetwas von dem verstanden zu haben was man schreibt... das nennen Sie Journalismus???
    Ein Beispiel Ihrer Inkompetenz:
    Sie weisen unter " Gezahlte Zinsen" für 2013 aus: 300 Mio.
    und das Wären von den 1.400Mio Genussrechte ... wieviele %??? ( = 21,4%)
    Sie haben dabei überhaupt nicht begriffen, das Ihre blind übernommenen Daten sich auf einen längeren Zeitraum beziehen, genauso wie die ausgewiesenen Verluste, die Prokon ja recht aussagekräftig anhand dem Baken von Keksen erklärt.
    Da Sie scheinbar das Ganze in keiner Weise verstanden zu haben scheinen, spreche ich Ihnen die Fähigkeit einfach ab, Ihre Leser unvoreingenommen und umfassend zu informieren.

  • Gegenfrage: Warum sollte eine Firma 8 % ausschütten? Bekommt sie das Geld nicht bei einer Bank günstiger?
    Und wenn nicht, warum nicht?

  • PROBLEM PROKON ALS GMBH
    .......................
    das unternehmen wurde wegen der werbemethoden und fehlen-
    der transparenz der geschäftsunterlagen aus dem unterneh-
    mensverband ausgeschlossen..
    bonitätsprüfung einer gmbh kaum möglich-finanzierung nur
    über privatpersonen mit festzind hätte abschrecken müssen
    die sog. genusscheine sind nachrangiges kapital, also bei
    insolvenz erst an 3. stelle auszuzahlen

  • Das liegt daran das der graue Finanzmarkt nicht reguliert ist. FDP Minister (Justiz/Wirtschaft) haben dies verhindert. Jetzt ist das Jammern groß.

  • Es bleibt weiterhin die Frage,wie kann der Anleger eigenverantwortlich Unternehmen ( auch Prokon ) prüfen,analysieren,bewerten und dann eine Entscheidung für seine Investition treffen ? Wo liegt der Eigenanteil eines Investors ?

    Bin noch nicht registriert.
    Thomas Z.

  • Warum muss der Staat Leute mit zuviel Geld vor sich selbst schützen?
    Vor Prokon wurde oft genug gewarnt. Aber es gibt eben immer noch Manschen mit viel zuviel Geld die damit nicht umgehen können. Sie sind nicht in der Lage AGBs zu lesen und haben keine Ahnung von solider Unternehmensfinanzierung. Muss der Staat für Dumme einstehen? Müssen Leute mit Geld vor sich selbst schützen?
    Ich bin nicht gegen Verbraucherschutz, aber es gibt Grenzen, wenn die Anleger ihr Geld dubiosen Unternehmen hinterherwerfen. Da helfen auch keine Gesetze mehr. Leute die nicht selber denken können und dubiose Ängste haben denen kann nicht der Staat helfen.

  • Ich kenne die Firma aus der Prospektwerbung im Briefkasten. Habe mich schon vor 3 Jahren gefragt, wie das mit 7 - 8% p.a. funktionieren soll - wenn Deutsche Lebensversicherer Mühe haben, 1,75% Garantiezins zu bezahlen.

    Ich kenne die Zusammensetzung der versprochenen Rendite nicht im Detail, frage mich aber schon, wie ein Unternehmen aus versteuerten Gewinnen jährlich 7-8% Ertrag ausschütten will?! Da muss ja i.d.R. ein entsprechender Gewinn für Tantiemen, Rücklagen, Investitionsvorhaben etc. erstmal erzielt werden und dann noch davon die Ausschüttung weggehen?!

    Das hört sich doch einfach zu schön an um wahr zu sein. Ich habe den Eindruck, dass die nächsten schon in der Graumarktspezialisten schon in der Pipelinde sind: Jetzt bekomme ich Postwurfsendung, in den bis zu 12% p.a. versprochen wird für eine Beteiligung an einer "Holzpelletsproduktion"...

    Aber die gleichen, die solche Kapitalvernichtungsmodelle zeichnen, motzen über die niedrigen Sparzinsne bei den Banken - aber woher soll das Geld kommen, wenn Baufinanzierungen zu 1,75% p.a. 10 Jahre fest erhältlich sind?

  • Prokon ist doch ein modernes "grünes" Unternehmen!
    ----------
    Es ist wirtschaftlich grundsolide, zahlt eine hohe Rendite und investiert in "Windmühlen"!

    Und dann das:
    Mal ist es die Presse, die angeblich eine „Hetzkampagne“ gegen das Unternehmen führen soll. „Ihr macht doch alle einen Scheißjob“, erklärte Prokon-Gründer Carsten Robertus zuletzt den Medienvertretern. „Ihr schickt uns in die Insolvenz“.

    Jaja, die böse Presse! Sie darf nur Jubelmeldungen über uns verbreiten.

    [i]Ein anderes Mal sind es „vermeidliche Anlegerschützer“ wie der Schutzverein der Kapitalanleger (SdK), der angeblich „ganz gezielt die Angst schürt“. SdK-Verantwortliche, so Prokon weiter, „werden mit negativen Kursverläufen und Insolvenzen von Unternehmen in Verbindung gebracht“.[i]

    Wo bleit hier eigentlich der Aufschrei der Grünlinge? Windmühlen sind doch gut und Deutschland muss verspargelt werden!

  • @StanLaureel: Ich hoffe, Sie haben sehr viel Geld verloren. Man erkundigt sich vorher und auch zwischendurch, wem man sein Geld anvertraut. Die meisten unseriösen Anlagen erkennt man schon am versprochenen Zinssatz. Die Gier hat Sie getrieben und jetzt wollen Sie den schwarzen Peter anderen zuschieben. Leider keine Ausnahme in der heutigen Gesellschaft. Völlige Inkompetenz gepaart mit Faulheit, aber von anderen das Gegenteil erwarten.

  • Die Frage kann man der ganzen politischen Energiewendepolitik stellen. Warum hat die deutsche Politik von Anfang an auf diese kapitalvernichtende und wohlstandsvernichtende Energiewende (Erneuerbares Energiesystem) gesetzt und hat dafür die wohlstandsschaffenden und wirtschaftlichen Kernkraftwerke abgeschrieben. Kernkraft = Wirtschaftlich und Volkswirtschaftlich von großen WERT!!! Energiewende/Energieeinsparparolen = Armut und Mangel!

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