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Anlegerschutz-Anwälte „Die Menschen werden über den Tisch gezogen“

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„Die Lobby beeinflusst konkret die Gesetzgebung“
Reiter und Baum informieren als Experten für Anlegerrecht Parlamentariern  bei Gesetzesinitiativen. Quelle: PR

Reiter und Baum informieren als Experten für Anlegerrecht Parlamentariern bei Gesetzesinitiativen.

(Foto: PR)

Das ist lange her. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück wirbt aktuell mit Verbraucherschutz, etwa für Mieter oder bei der Altersvorsorge.
Baum: Aber eben nicht im wichtigen Bereich der Finanzdienstleistungen.
Reiter: Immerhin gibt es den agilen und kompetenten Finanzpolitiker Gerhard Schick bei den Grünen, der Verbraucheranhörungen initiiert und regelmäßig kluge Anfragen im Bundestag stellt…
Baum: …aber von Jürgen Trittin hört man nichts.

Wie bewerten Sie den Grad der Abhängigkeit der Politik von Lobbygruppen der Banken und Versicherer?
Baum: Die Abhängigkeit hat sich im Vergleich zu meiner Zeit in der Politik verschärft. Die Banken- und Versicherungslobby beeinflusst konkret die Gesetzgebung. Verbraucherschützer können da nicht annähernd mithalten.

Woran liegt das?
Baum: Es gibt einfach viel zu viele Leute, die am jetzigen System auf Kosten der Kunden verdienen. Die Finanzbranche verhindert aktuell Gesetze, die dafür sorgen würden, dass das Vertrauen in die Branche zurückkehrt. Wir dürfen nicht vergessen: Die Bürger haben die Banken und Versicherer mit Steuergeldern vor dem Bankrott bewahrt. Jetzt ist es an der Zeit etwas zurückzugeben. Banken werden gefördet, sie müssen aber auch gefordert werden. Ansonsten wird die Finanzbranche noch größeren Schaden nehmen.
Reiter: Die Zeit drängt. In Zukunft werden Kunden durch soziale Medien für den Vertrieb immer gläserner. Schon jetzt ist ein Lernziel in der Ausbildung von Bankern, vor allem Verkauf und Cross-Selling zu verbessern. Es ist Zeit zu handeln.

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67 Kommentare zu "Anlegerschutz-Anwälte: „Die Menschen werden über den Tisch gezogen“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Leider ist es heute so, dass alle und zwar "Junge" wie "Alte", wenn es um Anlagen geht, sich selber kundig machen müssen und keinem "Agenten",denn nichts anderes als Agenten sind "Bevollmächtigte" und Anlageberater, mehr trauen dürfen.
    Die Möglichkeit sich kundig zu machen und beratungsunabhänig selbstständige Entscheidungen treffen zu können, ist gegeben.
    Jeder, der "vertraut" hat damit zu rechnen über den Tisch gezogen zu werden.
    Leider, die Kultur in Sachen Finanzberatung ist dermaßen verwildert, dass es nichts weniger als "Pflicht" und diese im Sinn eines kategorischen Imperativs ist, zu einem slbstständig denkenden und handeldem Individuum zu werden.

  • Zitat: "Eigentlich hat der Staat eine Gewährleistungspflicht, wenn Bürger nicht in der Lage sind, sich selbst zu schützten. In vielen Bereichen funktioniert das. Beim Bank- und Versicherungsvertrieb versagen das Gemeinwesen, die Aufsicht und die Justiz."

    Das sehe ich genau so. Wir bräuchten das dazu passende Berufsbild und den dazu passenden Status, nämlich die Freiberuflichkeit, mit einer ordentlichen Gebührenordnung. Denn Finanzberatung erfüllt bereits heute viele Merkmale der Freiberuflichkeit, wenn die Distanz (Unabhängigkeit) zwischen Produktanbieter und Berater hinreichend groß ist. Somit wäre dann weinigstens ein wesentlicher Interessenskonflikt beseitigt und die Situation für Verbraucher deutlich klarer. Ob nun Rechtsanwält, Ärzte Ihren Job immer ethisch einwandfrei im Sinne des Mandanten/Patienten ausführen, das sei mal dahingestellt, auch dort funktioniert der mediale Schutz durch die Standesorganisationen hervorragend. Also: im Zweifel öfter mal auf das eigene Gefühl vertrauen.

  • Bleiben wir mal sachlich.

    Die offenen Immobilienfonds der Sparkassen und Volksbanken sind nicht geschlossen und liefern noch eine zufriedenstellende Rendite.

    Das ist kein Schneeballsystem, sondern ein Fond, der seine Erträge aus langfristigen Mietverträgen mit Gewerblichen Anbietern generiert. Einen Teil des Fondvermögens wird logischerweise liquide gehalten um Verkäufe auszugleichen.
    In der Krise hatten viele diese Fonds verkauft und es gab engpässe. Also musste der ein oder andere Immofond geschlossen werden. Aber bei den Seriösen Anbietern wie Deka und dem Branchenprimus Inion Investment hat man sowas Jahre vorher bedacht und daher keine Sorgen.

    Natürlich ist das nicht bei allen so, genau diese Anbieter mussten deutliche Korrekturen vornehmen und die Fonds blieben geschlossen.

  • Großartiger Beitrag. Da kann man Herrn Baum und Herrn Reiter ja nur viel Erfolg wünschen! Harald Büring

  • Hab jetzt hier ne Menge Blödsinn gelesen.
    Für mich ist Fakt : Wer betrügerischen Handlungen recht gibt und den geschädigten Kunden als blöd darstellt hat für mich den Schuss nicht gehört.
    Je schwächer der Mensch, umso leichter ihn über den Tisch zu ziehen. Das kann man schon aus moralischen und ethischen Gründen nicht befürworten. Ist es ein Betrug, sollte er auch wie einer behandelt werden. Hier sind die Banken und Versicherer scheinbar aussen vor. Gegen eine seriöse Beratung mit Aufklärung der Risiken ist nichts einzuwenden. Dafür sol es auch eine Provision geben. So das Geschäft.
    Familien und Kleinverdiener, welche Rat suchen zu ruinieren ist die andere Sache. Nehmt Ihr ein Auto oder PC auseinander, wenn Ihr keine Ahnung habt? Da wendet man sich auch an einen "Spezialisten".

  • @Christian
    Es gibt viele schlechte Kommentare zu diesem Interview, dein Kommentar ist einer der dümmsten! Wie kommst du darauf, daß nichts für den Verbraucherschutz getan wurde? Lies dir mal die tapferen Fragen des HB-Interviewers durch, da gehen einige in Richtung Verbraucherschutz. Und woher kommt die überirdische Annahme, die Banken wären einseitig bevorteilt worden von der Politik? Ich arbeite in der Bank, ich kenne die Regelungen zur Anlageberatung und zur Dokumentation derselben in- und auswendig. Der Aufwand eines Beraters, damit er sich mit einem anscheinend völlig Unbedarften wie dir rechtssicher unterhalten kann, ist SEHR GROß!

    Du müßtest bei uns noch nicht einmal etwas unterschreiben und bekämst trotzdem eine u.U. stundenlange Beratung. Kostenfrei! Wenn du etwas kaufst, von dem, was dir empfohlen wurde, wobei sich der Berater streng an die von dir erfragten Wünsche halten muß und auch hält (jedenfalls bei uns im Hause), dann verdienen wir etwas Provision an diesem Geschäft. Diese Kosten wurden dir VOR dem Kauf im Gespräch detailliert erläutert. Du bekommst einen ganzen Packen Papier mit, damit du das alles noch einmal in Ruhe zu Hause nachlesen kannst. Du wirst auch nicht gedrängt zum Kaufen. Wenn du allerdings auf blöd schaltest und den Berater nach diesem ganzen Procedere fragst: "Soll ich das jetzt kaufen?" Dann wird er JA sagen. Was sollte er auch sonst wohl antworten, schließlich hat er dirs ja gerade empfohlen!
    Was hast du da jetzt für Gegenargumente gegen dieses gesetzmäßig vorgeschriebene Verhalten eines Beraters? Wo fehlt es dir da am Verbraucherschutz?


    Die Pauschalverurteilung aller Anlageberater in jeder Bank durch einen mittlerweile sehr alten Herrn Baum ist unter aller Sau! Sollen er und sein Rechtsverdreher sich doch endlich die schwarzen Schafe raussuchen. Wurden ja schon von einem Banker hier in den Kommentaren genannt.

  • Was ist eigentlich mit dem Schneeballsystem, dass Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Commerzbank und Deutsche Bank immer noch mit ihren "offenen" Immobilienfonds betreiben dürfen. Bei allen Fonds die z.Zt. abgewickelt werden, fallen die KAG Preise ins Bodenlose weil die Gutachter marktbedingte Anpassung der Liegenschaftszinssätze vornehmen müssen, Abwertungen wegen der politischen Risiken in Italien vornehmen und und.
    Aber die noch mit Vertriebsmannschaften hinter sich stehenden offenen Fonds haben diese Probleme ja nicht und können die Gutachterwerte immer weiter steigen lassen.
    Das hat mit dem einzelnen Bankberater nichts mehr zu tun. Das ist für die ehemaligen Käufer von "mündelsicheren" offenen Immobilienfonds eine Ohrfeige.

  • Das scheint ein wenig vom hohen Ross herab geurteilt zu sein. Zum Mitdenken und Informieren im recht speziellen Bereich von Finanzanlagen wird auch ausbildungsbedingt nicht allen Bürgern das gleiche, geeignete Rüstzeug vermittelt. Zudem hinken Ihre Vergleiche: Beim Kauf einer Waschmaschine oder Gebrauchtwagens gibt es Werks- und Händlergarantien oder auch Knöpfe, mit denen man zugesicherte Funktionen prüfen kann. Im Falle von Finanzprodukten wird mit zukünftigen Leistungen oder Erträgen argumentiert, die nicht nachweisbar sein können, aber dennoch zugesichert werden.

  • "Der "Verbraucher" bezeichnet sich als mündig und voll geschäftsfähig!" Können Sie diese verwegene Verallgemeinerung faktisch belegen? Wohl kaum, denn um in Finanzprodukten beides zu sein, bedarf es einer entsprechenden Ausbildung. Diese kann aber bei der Mehrheit der Bevölkerung nicht unterstellt werden, weniger noch bei den Älteren, die von Herren in Nadelstreifen an der Haustür mit bunten Diagrammen über den Tisch gezogen werden.

  • "Eigentlich hat der Staat eine Gewährleistungspflicht, wenn Bürger nicht in der Lage sind, sich selbst zu schützten." Dieses Postulat von Herrn Baum ist vielfach und in schwerwiegender Weise verletzt worden. Die primäre Orientierung der "Verkäufer" am eigenen Verkaufserfolg in der Finanzindustrie hat zu stellenweise katastrophalen Folgen für unwissende bzw. nicht ausreichend informierte, insbesondere ältere Anleger geführt. Herbe Vermögens- und Einkommensverluste beschleunigen dadurch den Weg in die Altersarmut. Es besteht dringender Handlungsbedarf für die handlungsunwillige Politik.

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