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Anlegerschutz Verbraucherzentrale stellt mangelnde Transparenz auf Grauem Kapitalmarkt fest

Eine Untersuchung stellt bei mehr als zwei Drittel der Angebote fest, dass sie die Anlageobjekte nicht angemessen beschrieben. Die Politik sieht sich bestätigt.
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Als Grauer Kapitalmarkt wird der unregulierte aber noch legale Teil des Kapitalmarkts bezeichnet. Quelle: dpa
Dunkle Wolken über Frankfurt

Als Grauer Kapitalmarkt wird der unregulierte aber noch legale Teil des Kapitalmarkts bezeichnet.

(Foto: dpa)

Berlin Die Marktwächter Finanzen der Verbraucherzentrale Hessen stellen dem Grauen Kapitalmarkt ein verheerendes Zeugnis aus. Sie stellten nach Prüfung von 36 Vermögensanlagen fest, dass in mehr als zwei Dritteln der Fälle (26) die Anbieter die Anlageobjekte nicht angemessen beschrieben.

Als Grauer Kapitalmarkt wird der unregulierte aber noch legale Teil des Kapitalmarkts bezeichnet. Anbieter brauchen hier keine Erlaubnis der Finanzaufsicht Bafin und müssen wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen.

Bei der Untersuchung der Marktwächter Finanzen dominierten die Blindpools oder Semi-Blindpools mit 21 Angeboten die Stichprobe. 16 dieser Anbieter erfüllten die Transparenzvorgaben nicht. Bei Blindpools muss sich der Anbieter nicht verbindlich festlegen, in welche Anlageobjekte die eingeworbenen Mittel investiert werden. Anleger kennen zum Zeitpunkt der Zeichnung also den Investitionsgegenstand nicht oder nicht vollständig.

Der Staatssekretär im Bundesverbraucherministerium, Gerd Billen, sieht sich durch das Ergebnis bestätigt. „Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Blindpool-Konstruktionen weiterhin ein Problem darstellen“, sagte Billen dem Handelsblatt.

Bei diesen Konstruktionen werde die angebotene Vermögensanlage so vage beschrieben, dass eine verlässliche Anlageentscheidung nicht getroffen werden kann. „Deshalb werden wir solche Blindpool-Konstruktionen für den Bereich der Vermögensanlagen verbieten“, so Billen weiter.

Das Verbot ist Teil eines Maßnahmenpakets zur Stärkung des Anlegerschutzes, das die Regierung in der vergangenen Woche vorstellte. Unter anderem soll die Rechnungslegung von Vermögensanlageemittenten und die Mittelverwendung stärker kontrolliert werden, um nach Möglichkeit mögliche Schneeballsysteme schneller identifizieren zu können.

Provision von bis zu 31 Prozent

Das Programm gilt als Reaktion auf die milliardenschwere Pleite der P&R-Gruppe, Diese hatte im Frühjahr 2018 Insolvenz angemeldet. Zuvor hatten 54.000 Anleger gut 3,5 Milliarden Euro bei dem Unternehmen angelegt, das sein Geld mit dem Verkauf und der Vermietung von Schiffscontainern verdienen wollte. Die Anleger erwarben die Boxen, die P&R dann über eine schweizerische Schwesterfirma an Reedereien vermietete. Später kaufte P&R die Container zurück.

Die Renditen lagen bei drei bis fünf Prozent pro Jahr. Insolvenzverwalter Michael Jaffé stellte allerdings fest, dass von den 1,6 Millionen auf dem Papier verkauften Containern nur gut 600.000 existierten – der Rest waren Scheingeschäfte, für die die Anleger jedoch Geld gezahlt hatten.

Warum Produkte des Grauen Kapitalmarktes immer wieder so erfolgreich vermarktet werden, zeigt die Analyse des Marktwächters. In sieben der untersuchten Fälle lagen die Provisionen zwischen zehn und 15 Prozent, in sechs Fällen bei mehr als 15 Prozent und in einem Fall wurde eine Provision von 31 Prozent gezahlt.

„Bei derart hohen Provisionen, die ja nur Teil der Gesamtkosten sind, dürften sich solche Investments nicht mehr lohnen“, glaubt Wolf Brandes, Teamleiter Grauer Kapitalmarkt beim Marktwächter Finanzen in Hessen.

Künftig sollen die Finanzanlagevermittler unter die Aufsicht der Finanzaufsicht Bafin fallen. Sie können dafür haftbar gemacht werden, wenn sich die vermittelten Produkte als nicht geeignet für den Verbraucher herausstellen.

Für nicht nachvollziehbar halten die Verbraucherschützer die Darstellung der Prognose im Vermögensanlage-Informationsblatt, wie sich unterschiedliche Marktentwicklungen auf die Auszahlungen auswirken. Bei 26 von 36 Anbietern habe es Mängel gegeben. Den gesetzlichen Risikohinweis, dass bei dem Engagement ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich sei, hatten 13 nicht deutlich hervorgehoben.

Unabhängig von den konkreten Befunden sieht Verbraucherschützer Brandes den Markt kritisch: „Dieses Segment ist aus Verbrauchersicht grundsätzlich problematisch. Verbraucher können Chancen und Risiken wegen der häufig komplexen rechtlichen Ausgestaltung schwer abschätzen.“

Mehr: Verbraucherschützer halten nichts vom Grauen Kapitalmarkt. Sie sehen die schärfere Regulierung positiv – und nehmen die Bafin in die Pflicht.

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