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Anlegerskandal Doch nicht so bescheiden: P&R-Gründer besitzt eine Immobilie in der Karibik

Heinz Roths Firmen haben Milliarden Euro bei Anlegern eingesammelt. Sein eigener Lebensstil galt als wenig extravagant. Offenbar zu Unrecht.
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Die französischsprachige Karibikinsel ist eines der exklusivsten Reiseziele weltweit. Quelle: imago/blickwinkel
Yachthafen in Gustavia auf Saint-Barthélemy

Die französischsprachige Karibikinsel ist eines der exklusivsten Reiseziele weltweit.

(Foto: imago/blickwinkel)

Berlin Die Karibik-Insel St. Barth ist ein Urlaubsort für Menschen, in deren Leben Geld keine Rolle spielt. Ein Hotelzimmer kostet hier schnell 500 Euro pro Nacht, ein normaler Hamburger mit Pommes und Bier 25 Euro. An den Traumstränden bleibt die weltweite Mega-Prominenz unter sich. Tina Turner, Roman Abramowitsch und Fürstin Charlène von Monaco sollen schon gesichtet worden sein. Wer keine Yacht hat, kommt schwer hin. Die Landebahn des örtlichen Flughafens ist 650 Meter kurz, geeignet nur für viermotorige Regionalflugzeuge – oder eben Privatjets.

Einen Weg auf die Insel und in die Nähe der Stars und des Geldadels hat offenbar auch der P&R-Gründer Heinz Roth gefunden. Wie aus einer am Freitag veröffentlichten Mitteilung seines Insolvenzverwalters Miguel Grosser hervorgeht, hatte der 76-Jährige eine Immobilie auf dem Eiland, dessen voller Name Saint-Barthélemy lautet.

„Immobilien in München/Grünwald, in Österreich sowie auf der Karibikinsel St. Barth bilden nach derzeitigen Erkenntnissen den wesentlichen Teil des Vermögens“, schrieb Grosser anlässlich der ersten Gläubigerversammlung im Insolvenzverfahren über das Privatvermögen von Roth.

Damit erhält das öffentliche Bild des P&R-Gründers eine neue Facette. Nach der dramatischen Pleite des ehemaligen Marktführers für Direktinvestments in Seecontainer sah es so aus, als ob der langjährige Chef vergleichsweise bescheiden lebte.

Roths Firmen haben mehr als 3,5 Milliarden Euro bei Anlegern eingesammelt. Trotzdem schätzte der Insolvenzverwalter der Gruppe, Michael Jaffé aus München, das Privatvermögen des Chefs lediglich auf zehn bis 13 Millionen Euro. Auf einen aufwendigen oder gar extravaganten Lebensstil mit teuren Reisen, Luxuswagen und Partys war Jaffé bei seiner Arbeit zunächst nicht gestoßen.

Gläubigern wird wohl nur eine Mini-Quote bleiben

Zum Berichtstermin am Donnerstag in München kamen 50 Gläubiger. Miguel Grosser, der in der Kanzlei von Jaffé arbeitet, wurde im Amt bestätigt. Insgesamt haben 1500 Gläubiger Forderungen angemeldet, die sich insgesamt auf mehr als eine Milliarde Euro belaufen. Den größten Anteil daran haben die Forderungen der insolventen Firmen der P&R-Gruppe in Grünwald an Roth.

Die gefundenen Immobilien sollen nun verwertet werden, wie Grosser mitteilte. Auch sei es gelungen „eine vor der Insolvenz erfolgte Schenkung von wertvollen Grundstücken an nahestehende Personen erfolgreich anzufechten und eine Rückübertragung durchzusetzen“. Trotzdem wird den Gläubigern aufgrund der hohen Forderungen nur eine Mini-Quote bleiben. Das Insolvenzverfahren soll noch mehrere Jahre dauern.

Roth war am Freitag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Er sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München 1 hat ihn wegen gewerbsmäßigen Betrugs in 414 Fällen und Steuerhinterziehung in zwölf Fällen angeklagt. Ein Termin für das Hauptverfahren steht nicht fest. Roths Strafverteidiger, der renommierte Münchener Rechtsanwalt Werner Leitner, beantwortet keine Presseanfragen. Roth oder seine Anwälte haben sich bisher öffentlich nicht zu den strafrechtlichen Vorwürfen geäußert.

Eine Million Container existieten nur auf dem Papier

Die P&R-Gruppe vertrieb Seecontainer an Anleger, mietete sie dann zurück und vermittelte sie an Reedereien. Nach fünf Jahren kaufte P&R die gebrauchten Boxen den Anlegern wieder ab. Die Investoren erzielten in diesem Geschäftsmodell Renditen von drei bis fünf Prozent. Das Geschäft, das seit Mitte der 1970er Jahre lief, galt lange als verlässlich und hochseriös – bis P&R Anfang 2018 für viele Anleger überraschend kollabierte.

Bald darauf stellte Insolvenzverwalter Michael Jaffé fest, dass eine Million verkaufte Container nur auf dem Papier existiert hatten. Um das zu verbergen seien offenbar Altanleger aus dem Kapital von Neuanlegern bedient worden.

So steht der Verdacht im Raum, dass P&R über viele Jahre hinweg als Schneeballsystem betrieben wurde. Von der Pleite der P&R-Gruppe sind 54.000 Anleger betroffen, die rund 3,5 Milliarden Euro in Seecontainer investiert haben. Gemessen am Kapital, das im Feuer steht, dürfte es sich um den größten Kapitalanlageskandal der deutschen Geschichte handeln.

Mehr: P&R-Anleger sollen einen Vergleich unterschreiben, um Zahlungen zu erhalten. Viele haben bereits zugestimmt – doch noch ist der Ausgang des Verfahrens offen.

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