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Anlegerskandal Gericht verurteilt Ex-Wölbern-Generalbevollmächtigten

Das Gericht verurteilt Thomas K. zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Dabei wollten die Staatsanwälte das Verfahren schon einstellen.
Update: 17.01.2019 - 06:08 Uhr Kommentieren
Die strafrechtliche Aufarbeitung des Wölbern-Skandals ist noch nicht beendet. Quelle: Carsten Dammann für Handelsblatt
Ehemalige Zentrale von Wölbern Invest in der Hamburger Hafencity

Die strafrechtliche Aufarbeitung des Wölbern-Skandals ist noch nicht beendet.

(Foto: Carsten Dammann für Handelsblatt)

HamburgDas Landgericht Hamburg hat den früheren Generalbevollmächtigten des untergegangenen Emissionshauses Wölbern Invest, Thomas K., wegen Beihilfe zur Untreue zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Damit hat auch der zweite große Strafprozess voraussichtlich ein Ende gefunden, in dem es um 147 Millionen Euro veruntreute Anlegergelder bei Wölbern ging.

Das Geld hatte der frühere Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte bis 2013 aus mehreren geschlossenen Immobilienfonds abgeschöpft und so das Fondshaus in die Pleite getrieben. Er war deshalb 2015 zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Seit September 2017 mussten sich dann auch K. sowie zwei frühere anwaltliche Berater Schultes vor Gericht verantworten. Es ging der Frage nach, ob das Trio gegen seine Pflichten verstieß und Schulte damit half, die Gelder aus dem Fondsvermögen abzuzweigen.

Mit ihrem Urteil gegen K. bewegten sich die Richter am oberen Ende des erwarteten Strafmaßes und sogar noch oberhalb des Antrages der Staatsanwaltschaft. Die hatten zuletzt eine Strafe von einem Jahr und acht Monaten Haft gefordert.

Erstaunlich: Vor wenigen Monaten wollte die Staatsanwaltschaft das Verfahren schon einstellen, K. sollte lediglich eine Geldauflage von 90.000 Euro zahlen.

Auf Nachfrage, was die Staatsanwaltschaft bewog, eine bloße Auflage für ausreichend zu halten, sagte eine Sprecherin: „Maßgeblich für diese Einschätzung waren insbesondere der Umfang des Tatbeitrags des Angeklagten, der Zeitablauf seit Begehung der Straftat, die Dauer des Strafverfahrens, die berufliche und persönliche Situation des Angeklagten und die Konsequenzen für ihn und seine Familie.“

Das Gericht bewertete dies letztlich weit strenger und lehnte eine Einstellung des Verfahrens ab. Es zeigte sich aber offen für eine Bewährungsstrafe zwischen einem Jahr und sechs Monaten Haft und einem Jahr und zehn Monaten. Voraussetzung: K. soll ein Geständnis ablegen. Dieser Verständigung stimmten sowohl die Staatsanwälte als auch K. in der vergangenen Woche zu.

Der Ex-Generalbevollmächtigte gestand, dass er seit 2011 von der fehlenden Liquidität und der aussichtslosen Lage von Wölbern Invest gewusst, davor aber die Augen verschlossen habe. Er habe sich zudem von den Beteuerungen des Rechtsanwalts Frank M., einem der engsten Berater Schultes, blenden lassen, dass Wölbern Invest noch zu retten sei.

Für das Gericht war das Geständnis jedoch nur in Teilen glaubhaft, so der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Die Kammer sei überzeugt, dass K. vom vollen Umfang der Tat Schultes wusste und auch wusste, dass sein eigenes Handeln nicht legal sei. Rechtsrat habe K. nur eingeholt, um ohnehin Geplantes absegnen zu lassen und sich ein Alibi zu verschaffen.

Positiv wertete das Gericht dagegen, dass K. sich nicht persönlich bereichert habe. K. droht nun trotz der Bewährungsstrafe weiterer Ärger. So könnte er seine Zulassung als Versicherungsmakler verlieren, außerdem muss er unter Umständen Schadensersatz zahlen.

Ob die strafrechtliche Aufarbeitung des Wölbern-Skandals damit auch endgültig beendet ist, steht noch nicht abschließend fest. Das Verfahren gegen den Rechtsanwalt Frank M. ist zwar wegen dessen Verhandlungsunfähigkeit vorläufig eingestellt. Jedoch steht ein endgültiges medizinisches Gutachten darüber, ob M. weiter verhandlungsunfähig ist, noch aus. Erst dann könnte das Verfahren endgültig eingestellt werden.

Bereits gegen Geldauflage eingestellt ist seit Ende des vergangenen Jahres das Verfahren gegen einen früheren Kollegen M.s aus der Kanzlei Bird & Bird. Er musste 60.000 Euro zahlen.

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