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Anlegerskandal Letzter Angeklagter im Wölbern-Prozess gesteht Beihilfe zur Untreue

Der Ex-Generalbevollmächtigte von Wölbern Invest wendet die drohende Haftstrafe voraussichtlich ab. Die strafrechtliche Aufarbeitung des Anlegerskandals steht damit vor ihrem Ende.
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Das Beratungsbüro von Bird & Bird saß im gleichen Haus. Quelle: Carsten Dammann für Handelsblatt
Ehemalige Zentrale von Wölbern Invest in der Hamburger Hafencity

Das Beratungsbüro von Bird & Bird saß im gleichen Haus.

(Foto: Carsten Dammann für Handelsblatt)

Hamburg Der zweite große Strafprozess um den Anlegerskandal beim früheren Emissionshaus Wölbern Invest steht nach 16 Monaten kurz vor dem Abschluss: Der frühere Wölbern-Generalbevollmächtigte Thomas K. legte in dieser Woche am 57. Verhandlungstag ein Geständnis ab.

Dafür kann er nun wegen Beihilfe zur Untreue mit einer Freiheitsstrafe zwischen eineinhalb Jahren und einem Jahr und zehn Monaten rechnen, die zur Bewährung ausgesetzt werden dürfte. Das Gericht hatte zuvor durchblicken lassen, dass eine Verurteilung im Raum stehe und eine Bewährungsstrafe nur bei einem Geständnis in Betracht komme.

Den Vorschlag von K.s Verteidiger, das Verfahren gegen Auflagen einzustellen, hatte es abgelehnt. K. habe spätestens seit 2011 von der dramatischen finanziellen Lage Wölbern Invests gewusst und den Abfluss von Geldern in dreistelliger Millionenhöhe dennoch nicht gestoppt und auch nicht überprüfen lassen, ob dieser rechtmäßig erfolgte.

Der frühere Wölbern-Chef Heinrich Maria Schulte hatte bis 2013 aus mehreren geschlossenen Immobilienfonds Liquidität in Höhe von mehr als 147 Millionen Euro abgeschöpft und das Fondshaus so in die Pleite getrieben. Er hatte Anlegergelder auf sein Privatkonto weitergeleitet oder zur Unterstützung diverser Gesellschaften im In- und Ausland verwendet, an denen er entweder beteiligt war oder denen er als Geschäftsführer vorstand. 2015 wurde er deshalb zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Ab September 2017 mussten sich dann auch der frühere Wölbern-Aufsichtsratsvorsitzende K. sowie zwei Anwälte der Kanzlei Bird & Bird, die zu den engsten juristischen Beratern Schultes gehörten, vor Gericht verantworten. Das Gericht ging der Frage nach, ob das Trio gegen seine Pflichten verstieß und Schulte damit half, die Gelder aus dem Fondsvermögen abzuzweigen.

Das Verfahren gegen Frank M., den anwaltlichen Hauptberater Schultes, war Anfang 2018 wegen dessen Erkrankung abgetrennt und vorläufig eingestellt worden und der ehemalige Bird & Bird-Partner daraufhin nach einem Jahr und drei Monaten aus der Haft entlassen worden. Im November 2018 schließlich wurde dann das Verfahren gegen M.s ehemaligen Kanzleikollegen Ole B. gegen eine Auflage von 60.000 Euro eingestellt, so dass seither nur noch das Verfahren gegen K. läuft.

Der Ex-Generalbevollmächtigte gestand nun ein, dass er seit 2011 von der fehlenden Liquidität und der aussichtslosen Lage Wölbern Invests gewusst habe, davor aber die Augen verschlossen habe. Er habe sich zudem von den Beteuerungen Frank M.s, dass Wölbern Invest noch zu retten sei, blenden lassen.

Am kommenden Dienstag wird der Prozess mit den Schlussanträgen von K.s Verteidiger und der Staatsanwaltschaft fortgesetzt.

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