Arbeitsrecht Attest schon am ersten Krankheitstag fällig

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden: Schon am ersten Krankheitstag müssen Beschäftigte ein ärztliches Attest vorlegen, wenn es der Chef will. Diese Pflicht könnte für Arbeitgeber aber nach hinten losgehen.
Update: 14.11.2012 - 17:09 Uhr 22 Kommentare
Arbeitgeber dürfen bereits am ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen. Quelle: dpa

Arbeitgeber dürfen bereits am ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung verlangen.

(Foto: dpa)

ErfurtEs ist ein Urteil, das Arbeitnehmer aufhorchen lässt: Beschäftigte müssen bereits am ersten Krankheitstag ein ärztliches Attest vorlegen, wenn ihr Chef das von ihnen verlangt. Das war zwar auch bisher schon möglich, doch das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom Mittwoch geht noch ein Stück weiter.

Nach dem Erfurter Richterspruch muss der Arbeitgeber nicht mehr begründen, warum er schon so früh auf einen Krankenschein pocht. „Ob eine Begründung vorliegen muss oder nicht, darüber gingen die Meinungen der Juristen bisher auseinander“, sagt der langjährige Arbeitsrechtler und einstige Vorsitzende Richter am Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Reinhard Vossen.

Mit dem Erfurter Urteil werde es für Mitarbeiter nun schwieriger, sich gegen derartige einseitige Anordnungen zu wehren. „Sie müssen diesen in aller Regel Folge leisten.“ Beschäftigte könnten im Streitfall höchstens bei dem Verdacht auf Willkür oder Diskriminierung dagegen vorgehen. „Das dürfte allerdings im Einzelnen schwer nachzuweisen sein, weil das Ausnahmetatbestände sind“, meint Vossen.

Auch in dem Fall der Redakteurin, die vor dem Bundesarbeitsgericht geklagt hatte, vermochten die obersten deutschen Arbeitsrichter keine Willkür erkennen. Die 59-Jährige hatte eigenen Angaben zufolge wegen der Verweigerung einer Dienstreise derart hohen Blutdruck bekommen, dass sie einen Tag zu Hause blieb. Daraufhin forderte sie der Westdeutsche Rundfunk in Köln auf, künftig immer gleich am ersten Tag der Krankmeldung ein Attest vom Arzt vorzulegen. Da das nicht von allen Mitarbeitern verlangt wurde, vermutete sie Schikane. „Ich weiß nicht, warum ich anders behandelt werde, als alle anderen“, sagte die erfolglose Klägerin nach der Verhandlung in Erfurt.

„Der Schuss kann auch nach hinten losgehen“
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22 Kommentare zu "Arbeitsrecht: Attest schon am ersten Krankheitstag fällig"

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  • So wie Sie denkt nur eine einwandfrei gehirngewaschene Arbeitsdrohne! 1. Hat die Angestellte nicht auf Staatskosten geklagt ! Wie auch? Sie oder ihre Rechtschutzversicherung muss die Gerichts-und Anwaltskosten übernehmen! 2. Ist es für alleinstehende Arbeitnehmer im Falle eines Unfalls oder einer schweren Erkrankung so gut wie unmöglich die Frist einzuhalten! Meiner Meinung nach dient das Urteil nur dazu, die tariflich geregelte Möglichkeit Karenztage zu nehmen, aufzulösen!
    So Leute wie Sie applaudieren auch wirklich bei jeder Einschränkung Ihrer persönlichen Rechte! Stellvertretend für die Mehrheit der ge"BILD"eten deutschen Arbeitnehmer!

  • So ein Schwachsinn. Gehen Sie mit einer Grippe zur Arbeit und stecken Andere an?

  • Ich kann es einfach nicht glauben mit was für einem Schwachsinn sich Arbeitsgerichte befassen und welch realitätsfremde Urteile dabei gesprochen werden.Die Unfähigkeitsbescheinigung am Ersten Tag beim Arbeitgeber? Schön und gut! Es hat aber bis jetzt niemand erklärt, wie diese am Ersten Tag zum Arbeitgeber kommen soll? Mit der Post bestimmt nicht.Also muss ich krankgeschrieben zum Arbeitgeber fahren, in meinem Fall hin und zurück ca.100 Km um die Bescheinigung vorzulegen.Dafür sollte ich aber eine Aufwandsentschädigung für die Wegstrecke vom Arbeitgeber verlangen, wenn er die am Ersten Tag haben will.Hier sieht man, welcher Schwachsinn von Richtern gesprochen wird, die keine Ahnung von der Realität haben. Man könnte aber auch beim Arbeitgeber anrufen und erklären, die Bescheinigung folgt. Armes Deutschland!!!

  • Da wird schon wieder auf einem Niveau gejammert, da muss man sich doch echt schon fremdschämen. Da wurde die Dame beim "blau machen" erwischt und verschwendet auch noch meine Steuergelder um dagegen zu klagen und dann regt sich die Mehrheit noch darüber auf, dass die Klage abgewiesen wird. In unserem Unternehmen war selbstverständlich ab Tag 1 eine Krankmeldung abzugeben und zwar für jeden AN. Wer mal wegen Kopfschmerz o.ä. nur 1 Tag zu Hause bleiben wollte konnte das auch ohne AU tun, dann wurde aber 1 Tag Urlaub abgezogen, finde ich fair und völlig normal. Entweder ich bin krank oder ich kann arbeiten. Der Dame sollten in meiner ideologischen Weltvorstellung sämtliche Prozesskosten aufgehalst werden, gefolgt von fristloser Kündigung und am Besten noch das ALG für mind. 6 Monate sperren damit sie mal weiß was es heißt wenns einem schlecht geht.

  • Vielleicht sollten die sich hier Ereifernden folgendes Bedenken, was leider (aus Absicht/ oder Unkenntnis/ oder durch schlechtes Recherchieren?)nicht in dem Artikel erwähnt wird: die Arbeitnehmerin wollte kurz vorher an dem betreffenden Tag einen Tag Urlaub haben, der ihr verwehrt worden ist. Und an dem selben Tag reichte sie dann die Krankmeldung ein. So ist mir der Fall jedenfalls von einem Personaler geschildert worden. Dann sieht das Ganze natürlich schon etwas anders aus.

  • Da frag ich mich jetzt aber wirklich, warum mir sämtliche Krankenkassen U1-Anträge für Fehlzeiten von einem oder auch zwei Tagen seit Jahren anstandlos auszahlen.

  • Wie von anderen LeserInnen schon verdeutlicht, bin auch ich der Meinung, dass dieser Schuss nach hinten losgehen wird. Ein erkältelter AN, der vielleicht mal 1-2 Tag Pause zur Genesung braucht, wird zukünftig länger zuhause bleiben. Der Anstieg der durchschnittlichen Krankheitstage wird zweistellig werden. Ganz zu schweigen von der stressigen Rennerei und Warterei in dann noch mehr überfüllten Arztpraxen. Dabei hat man an ganz andere Problematiken mit Sicherheit nicht gedacht: http://www.hausaerzte-vor-dem-aus.de ...
    Ich hoffe, dass die AG so schlau sind und deren hausinterne Regelungen entsprechend gestalten bzw. beibehalten, so dass es nicht zu den sicher nicht gewünschten Nebenwirkungen kommt.
    Beste Grüße!

  • Den Mitgliedern des Bundesarbeitsgerichts möchte man mal einen akuten Brechdurchfall wünschen. Dann viel Spaß beim Arztbesuch am ersten Tag, um einen gelben Schein zu ergattern!!!

  • @Laszlo
    Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Dies wird nur zu einer weiteren Erhöhung der Fehlzeiten führen!

  • Wen meinen Sie mit "sie" "ihre"? Ich habe in der Vergangeheit öfter erlebt, dass eine Kasse nicht "erstatet" hat, weil ihr keine AU vorlag. Ich habe dann einfach das Arbeitgeber-Exemplar hingefaxt und die Erstattung erhalten. Natürlich "bracht" man einen Schein! Und wieso selten 70 %, das ist der Regelsatz! Auf Antrag (und mit angepasstem Umlagesatz) auch 60 oder 80 %.

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