Arbeitsrecht Schuften bis der Arzt kommt

Macht das Erwerbsleben wirklich krank oder sind die Deutschen einfach nur schlecht organisiert? Beides, sagen Experten. Dabei ließen sich die Missstände durchaus beheben. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind in der Pflicht.
21 Kommentare
Arbeit kann krank machen: Im Schnitt fehlen Arbeitnehmer knapp zweieinhalb Tage pro Jahr wegen Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen.

Arbeit kann krank machen: Im Schnitt fehlen Arbeitnehmer knapp zweieinhalb Tage pro Jahr wegen Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen.

DüsseldorfDeutschland ist gestresst. Wohin man auch blickt – es wimmelt von ausgebrannten, erschöpften und überarbeiteten Menschen. Ob Manager oder Postbotin, Chefärztin oder Fließbandarbeiter: Die Volkskrankheit Burn-Out grassiert in allen sozialen Schichten, trifft Männer ebenso wie Frauen und ist weit gehend unabhängig davon, ob beziehungsweise wie weit sich die Betroffenen auf der Karriereleiter bereits nach oben gearbeitet haben.

Inzwischen, so warnen Psychologen, seien sogar schon Schüler betroffen, weil sie sich dem Konkurrenzkampf mit anderen nicht gewachsen fühlen. Auch junge Mütter und Hausfrauen brächen immer häufiger unter dem Anspruch zusammen, Heim und Familie perfekt zu managen.

Oberster Stresstreiber ist und bleibt für die meisten allerdings der regelmäßige Broterwerb – auch wenn die Arbeitsbedingungen in Deutschland so gut sind wie nie zuvor. Eine aktuelle Studie der Techniker Krankenkasse belegt: 52 Prozent der Männer und 43 Prozent der Frauen sehen ihren Job als Stressfaktor Nummer eins an. Das schlägt aufs Gemüt. Und damit auf die Gesundheit.

Fast jeder sechste Krankschreibungstag geht nach Kassenangaben inzwischen auf psychische Störungen zurück. Im Schnitt fehlen Arbeitnehmer knapp zweieinhalb Tage pro Jahr wegen Depressionen, Belastungs- oder Angststörungen.

Jeder zweite Beschäftigte „hat Rücken“
Zahl der Fehltage wegen psychischer Erkrankungen stark gestiegen
1 von 17

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat eine umfangreiche Untersuchung zur Arbeitsbelastung und ihren Auswirkungen vorgelegt. 17.000 Befragungen geben ein umfangreiches Bild. Für 43 Prozent der deutschen Arbeitnehmer hat der Stress bei der Arbeit demnach in den vergangenen zwei Jahren zugenommen. Die genauen Umstände sind vielfältig:

Seehausen: "Graepel-STUV GmbH"
2 von 17

Die Mittagspause ist bei vielen schon lange nicht mehr die Regel: Jeder Vierte (26 Prozent) gibt an die Pause ausfallen zu lassen.

Internetsucht
3 von 17

Bei fast der Hälfte lasse der Arbeitsablauf die Pause schlicht nicht zu – oder sie haben nach eigenen Angaben einfach zu viel zu tun (38 Prozent).

Panikattacke im Hamsterrad - Mit Burnout ist nicht zu spaßen
4 von 17

Knapp 60 Prozent betreiben sogenanntes "Multi-Tasking" im Job, bewältigen also mehrere Aufgaben gleichzeitig. Zudem wird bei 44 Prozent der Arbeitsablauf ständig durch E-Mails und Anrufe unterbrochen.

Flugpersonal demonstriert für mehr Sicherheit
5 von 17

Jeder Zweite muss auf der Arbeit mit starkem Termin- und Leistungsdruck umgehen.

Ladenöffnungszeiten - Rewe Supermarkt
6 von 17

Arbeiten am Wochenende: 64 Prozent aller Befragten verdienen ihr Geld auch am Samstag. 38 Prozent gehen auch an Sonn- und Feiertagen einer Beschäftigung nach.

Krankenkassen sollen Millionen in Prävention investieren
7 von 17

Seit Jahren warnen Mediziner vor den gesundheitliche Folgen bei chronischem Stress. Die Umfrageergebnisse dürften diese nun bestätigen:

Eine Anfang des Jahres veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer belegt zudem: Bei fast jedem zweiten Frührentner sind psychische Erkrankungen die Ursache für die Pensionierung – viele davon gehen auf Stress und Überlastung zurück. Doch fühlen sich die Deutschen mit ihrer Arbeit so unwohl?

Stress ist vielfach hausgemacht
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Arbeitsrecht - Schuften bis der Arzt kommt

21 Kommentare zu "Arbeitsrecht: Schuften bis der Arzt kommt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Quatsch. Da ist der Wunsch nach 35h-W der linke Vater des falschen Gedankens. Die meisten Tätigkeiten lassen sich nur mit extremen Schnittstellenverlusten teilen.
    .
    Man muss die URSACHEN lösen, wie immer übrigens. Diese sind nicht die, wie auch im Artikel falsch behauptet: W-L-Balance und zuviel Arbeit. Wenn einem der Job spaß macht und man berufen ist, ist zeit egal.
    .
    Die Ursache ist, dass die Menschen in unserer Zeit Tätigkeiten machen wollen, für die sie eben NICHT BERUFEN sind. Die wenigsten sind gute Büroarbeiter. Man will aber Status und viel Geld haben und dann studieren die Leute Quatsch und gehen ins Büro ohne dafür geeignet zu sein. Daraus leitet sich Stress ab.
    .
    Ich kenne einen studierten Maschinenbauingenieur der "nur" als Handwerker arbeitet. Der hat gemerkt, dass ihm das liegt und Spaß macht.
    .
    Und da er gut ist, verdient er sogar gleich viel, obwohl seine Eltern und andere über den vermeidlich Gescheiterten lachen!

  • Es ist kaum anders als vor doch schon 25 Jahren, als die Diskussion um die 35 Stundenwoche begann.

    Es bleibt sinnvoll, mehr Menschen für die gleiche Tätigkeit zu beschäftigen.
    Sowohl für die Beschäftigtenquote insgesamt, als auch für die Minderung von Krankheitskosten, die sich betrieblich noch deutlicher auswirken als für die Finanzierung durch die Krankenversicherung.
    Für eine Work-Life Balance, die sich nicht nur in mehr Konsum zur Kompensation fehlender Freizeit erschöpft.

    Es bleibt zielführend in Zeiten überalternder Gesellschaft mehr Ältere und Jüngere bei weniger individueller Arbeitszeit gemeinsam in Unternehmen zu halten.
    Zur wechselseitigen Übertragung von know-how, zur Erhaltung der fachlich qualifizierten Aufgabenerledigung an sich, zur Möglichkeit Zeit und Luft für Kinder und Eltern, Erziehung und Pflege, zu haben, zur Stabilisierung einer emphatisch solidarischen Gemeinschaft statt Fortschreibung eines drohenden wirtschaftlichen und soziologischen Kollaps der Gesellschaft.

    Allerdings kommt das in unternehmerischen Köpfen weitgehend - die Götz Werner im Land einmal ausgenommen - nicht an. Die dort Handelnden sind zumeist übermäßigem Leistungsdenken, dem Primat der Arbeit und Selbstausbeutung verpflichtet sozialisiert; Johari ohne Ausweg eben?

  • "Was hilft dagegen ? Wer es kann zieht sich in die Übersichtlichkeit seines Privatlebens zurück. War damals wohl in der DDR unter den damaligen Gegebenheiten von Politik und Arbeitsleben ähnlich. Man macht halt das Beste für sich draus, sofern einem dies möglich ist."
    ---
    Vor allen Dingen hilft dagegen, sich der Konsumtretmühle zu entziehen. Es gibt erheblich wichtigeres als das allerneuste Smartphone, der schicke, neue Wagen, die coolen Designer-Klamotten, der angesagte Club und Party Party.
    Man muß lernen, "Nein!" zu sagen. Ich für meinen Teil ziehe mich oft für Stunden mit meinen Hunden in die Wälder zurück: Ruhe, Frieden und stille Freude an und mit meinen Mitlebewesen sind mir mehr wert als irgend ein schnieker Empfang zwecks "Schleimspuren zu ziehen"!
    Reichtum definiert sich nicht immer nur über Geld!

  • @hvh100

    Leider haben nicht alle die Vernunft und den Durchblick wie Sie.

    Einige Arbeitgeber machen sich auch komplett lächerlich und werden in Ihrem Verhalten durch den Druck der Hartz4 Gesetze sogar noch bestätigt.

    Die unfassbare Vorgehensweise der Argentur für Arbeit ( siehe den Fall der Frau Hannemann in Hamburg), erhöhen den unglaublich Druck auf die Arbeitnehmer noch zusätzlich.

    Mir ist nicht nur ein Fall bekannt wo Vertriebler im Außendienst gesucht werden, die Vertriebsgebiete in der Größe von 2 - 3 Postleitzahlen übernehmen sollen, was zwangsläufig zu Jahreskilometerleistungen von 50 - 60.000 KM führt.
    Im Gegenzug bekommen diese Vertriebler einen Kostenersatz von 385,00 Euro Brutto.
    Der Erstattungsatz reicht noch nicht einmal zum tanken im Monat, geschweige den zum Finanzieren eines normalen PKW's,

    Da wäre der eine oder andere Vertriebler besser beraten, den Wagenschieber und Regaleinräumer beim Supermarkt um die Ecke für 450,00 Euro zu erledigen, da hätte er nämlich mehr Netto in der Tasche.

  • "Die Deutschen werden systematisch ausgebeutet. Die Repression eines unersättlichen Sozial- und Steuerstaats, der dass erwirtschaftete Geld anschießend mit der Gießkanne und unter Verrat sämtlicher deutschen Interessen wieder in Europa und der Welt verteilt, macht die Bevölkerung krank und alt."
    ---
    Das unterstreiche ich dick und fett! Hauptsache, die unzähligen Kostgänger leben wie die Maden im Speck auf Kosten der arbeitenden, Werte schaffenden Bevölkerung!

  • Man sehe sich als täglich S- Bahnfahrender in und aus der Boom- Metropolregien der "schönsten Stadt der Welt" (!?) seine Mitmenschen an und man ahnt, die bisher gekannte deutsche Gesellschaft geht (ist) kaputt. Nicht aufzuhalten. Dies gilt nicht für die Zeit von "Events",
    lustig- lustig sondern allein in dem in Westdeutschland bis vor 1/ 1,95583 (doch überwiegend) gewohnten Arbeitsleben. Was hilft dagegen ? Wer es kann zieht sich in die Übersichtlichkeit seines Privatlebens zurück. War damals wohl in der DDR unter den damaligen Gegebenheiten von Politik und Arbeitsleben ähnlich. Man macht halt das Beste für sich draus, sofern einem dies möglich ist.

  • @hvh100: Ich sach mal so... volle Zustimmung !

  • Falsche Strategie. Sie wirken systemstabilierend. Bis dann Management geht sind Sie alt und/oder krank. Verlassen Sie das Unternehmend umgehend. Eine andere Sprache verstehen diese Leute nicht. Sind wahrscheinlich irgendwelche MBA Schnösel und halten sich für die Größten. Es gehören immer zwei dazu. Ausbeuter und Leute wie Sie, die sich ausbeuten lassen. Nur Widerstand hilft.

  • Die Deutschen werden systematisch ausgebeutet. Die Repression eines unersättlichen Sozial- und Steuerstaats, der dass erwirtschaftete Geld anschießend mit der Gießkanne und unter Verrat sämtlicher deutschen Interessen wieder in Europa und der Welt verteilt, macht die Bevölkerung krank und alt. Die systematische Zerstörung der Familienstrukturen sorgt des Weiteren dafür, dass sich die Menschen entsolidarisieren und ihre Interessen gegen den Staat nicht mehr durchsetzen. Des Weiteren hat die Mehrzahl der Bevölkerung durch das Schuften bis zum Umfallen in stets unsicheren Arbeitsplätzen keine Zeit und Kraft mehr für die Gründung eigener Familien, was zum rapiden Bevölkerungsrückgang und zur Vergreisung in den kommenden Jahren führen wird. Selbst zwei Weltkriege habe die Gesellschaft nicht so sehr geschädigt, wie die letzten 40 Jahre Bundespolitik.

  • An alle Richter in diesem Lande:

    Sorgen Sie endlich dafuer, dass das Arbeitszeitgesetz eingehalten wird!

    jos

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%