Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Arbeitsrecht Wenn ein falsches Wort den Job kostet

Seite 3 von 4:
Warum „sexy“ kein Kompliment für Kolleginnen ist
Eingeschränkte Wahrnehmung: Wer Frauen zu Sexobjekten degradiert, fliegt. Quelle: dpa

Eingeschränkte Wahrnehmung: Wer Frauen zu Sexobjekten degradiert, fliegt.

(Foto: dpa)


Ob Männer und Frauen befreundet sein können, darüber streiten die Gelehrten seit Jahrzehnten. Dass sie – egal, ob sie sich attraktiv finden, oder nicht – gelegentlich zusammen arbeiten müssen, ist hingegen eine Tatsache. Unproblematisch ist das geschlechterübergreifende Zusammenwirken im Büro allerdings nicht. Im Gegenteil.

Seit Jahren kommen Umfragen zu dem Ergebnis: Etwa zwei Drittel aller Frauen sind in ihrem Berufsleben bereits einmal Opfer sexueller Belästigungen geworden. Ein bedrückender Befund. Auch wenn das Empfinden, wann ein Kollege die Schwelle zur Belästigung überschreitet, von Fall zu Fall variieren mag – die einen schätzen anerkennenden Blicke ihrer männlichen Mitstreiter, die anderen fühlen sich durch das „anzügliche Glotzen“ sexuell herabgewürdigt. Fakt ist: Jeder gefühlte Übergriff ist einer zuviel – und die Gerichte verstehen in diesem Bereich nur vergleichsweise wenig Spaß.

Dies gilt umso mehr, als Unternehmen nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verpflichtet sind, ihre Beschäftigten vor sexuellen Belästigungen zu schützen und allzu anzügliche Arbeitnehmer deshalb aus der Belegschaft entfernen müssen. Gleiches gilt, wenn Mitarbeiter ihren Kollegen mit penetranten Sympathiebekundungen das Leben zur Hölle machen.

Von Nettigkeiten, die keine sind

„Das häufig gehörte Argument, niemand könne sich von ernstgemeinten Komplimenten belästigt fühlen, ist in solchen Fällen nicht stichhaltig“, erläutert Arbeitsrechtler Leuchten. Vielmehr kommt es in derartigen Konstellationen darauf an, ob die Aufmerksamkeiten des betreffenden Kollegen objektiv erwünscht oder unerwünscht waren. „In dem Moment, in dem ein außen stehender Beobachter erkennen kann, dass die Annäherungsversuche vom Adressaten als lästig und unangebracht empfunden werden, ist der Arbeitgeber zum Handeln aufgerufen“, so der Anwalt.

Zwar müsse nicht immer sofort die ganz große Keule ausgepackt werden – oft helfe es bereits, dem Opfer eine Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz anzubieten, an dem es mit dem lästigen Verehrer nichts mehr zu tun habe. In schwereren Fällen sei es aber durchaus denkbar, Aufdringlichkeiten mit Abmahnungen oder gar Entlassungen zu ahnden.

So hat das Bundesarbeitsgericht erst vor kurzem entschieden, dass Stalking im Büro eine außerordentliche Kündigung des Arbeitsverhältnisses rechtfertigen kann (Az. 2 AZR 258/11). In dem konkreten Fall ging es um einen Verwaltungsangestellten beim Land Hessen, der in einem Zeitraum von etwa vier Monaten mehr als 120 E-Mails und SMS an eine Arbeitskollegin verschickt hatte.

Die Frau selbst versandte in dem gleichen Zeitraum sechs E-Mails an ihn mit der Bitte, die Kontaktaufnahme zu unterlassen, ohne Erfolg. Die Richter sahen in diesem Verhalten „eine schwerwiegende Missachtung der Privatsphäre“ der Frau, die gegebenenfalls auch ohne Abmahnung zum Jobverlust führen könne.

Finance Briefing
Einmal ist einmal zu viel
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

7 Kommentare zu "Arbeitsrecht: Wenn ein falsches Wort den Job kostet"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Da erinnere ich mich doch gerne wieder an den Spruch "Alle Menschen sind gleich - manche sind gleicher !".

    Oder wie ist es sonst zu erklären, daß der ehem. Bundesaußenminister Joschka Fischer im Bundestag den damaligen Bundestagspräsident mit den Worten "Mit Verlaub, Herr Präsident. Sie sind ein Arschloch" ungestraft ansprechen konnte ?

  • Recht haben und Recht bekommen ist bei uns leider nicht im Einklang zu bringen.War selbst mehr als zehn Jahre leitend tätig dabei galt und gilt die Devise "Mund halten und Nicken".Irgendwann wurde es richtig Dreckig.Vor der ganzen Crew niedergemacht zu werden. Doch meine Meinung habe ich dem Alten trotzdem vor der Mannschaft vor die Nase geworfen.Danach habe ich mich Selbständig gemacht das Erlebnis war einschneidend.Wenn ich heute diese Kriecher in der Firma sehe habe ich noch nicht einmal Mitleid.Den Alten würde ich als Cholerisch und Altnazi bezeichnen ne wirklich üble Mischung.Mehr als zehn Jahre bin ich selbständig tätig und könnte mir niemals mehr eine Abhängige Beschäftigung vorstellen.Es weht ein sehr "Rauer Wind".

  • Alles schön und gut, das eine oder andere Urteil mag ja gerechtfertigt sein, aber soll ein Arbeitnehmer machen, wenn er ständig von seinem Vorgesetzten gemobbt wird und ihm nicht mal der BR hilft. Nach Rücksprache mit einem Fachanwalt bin ich im Recht nur leider bekomme ich es nicht da ich mir ansonsten meine Papiere holen kann. Leider ist es als Frau und über 20 Jahren Betriebszugehörigkeit sowie über 50 nicht so einfach einen neuen Job zu bekommen. Es nützt also alles Wissen nicht wenn Recht haben und Recht bekommen noch heute in vielen Unternehmen zwei Paar Schuhe sind.

  • [email protected] Numismatiker

    Wie kommen sie denn darauf dass ich mit [Ihnen] diskutieren will.

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

  • @pro-D:

    Wullf ist Geschichte und das zu Recht. Leute ohne Gespür für Moral und Anstand dürfen kein öffentliches Amt bekleiden.

    Ihre krude Theorie wird durch die andauernde Wiederholung nur langweiliger, nicht stichhaltiger

    Ich habe auch nicht vor, mit Ihnen darüber weiter zu diskutieren; dafür ist mir meine Zeit zu schade.

  • Jede Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht
    ?????????????


    Bloss im in Sachen der Bild / Wulff Affäre schlachtet man den Bundespräsidenten dafür, dass er in seiner Rede zu Lindau die Wahrheit gesagt hat.

    Selbst das HB hat nicht diese Körchen an MUT

  • Befehl und Gehorsam: nachwievor als Pimpfenpraxis in der Bundesrepublik der fettgefressenen Deutschland. [...]

    [+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]

Serviceangebote