Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Auskunftei Schufa Verbraucherschützer wollen keine „Kontoschnüffelei“

Der Versuch der Schufa, Kunden über Kontoauszüge zu bewerten, stößt auf harte Kritik der Verbraucherschützer. Testpartner Telefónica/O2 steigt jetzt aus.
27.11.2020 Update: 27.11.2020 - 19:16 Uhr Kommentieren
Deutschlands größte Auskunftei will Kontoauszüge von Verbrauchern auswerten. Ein Test mit Kunden von Telefonica/O2 läuft. Quelle: dpa
Schufa Bonitätsauskunft

Deutschlands größte Auskunftei will Kontoauszüge von Verbrauchern auswerten. Ein Test mit Kunden von Telefonica/O2 läuft.

(Foto: dpa)

Berlin Ohne Schufa-Auskunft kein Vertrag: Ob Handy-Anbieter, Energieversorger oder Vermieter – für die meisten Unternehmen und Vermieter gehört eine Bonitätsfrage bei Deutschlands größter Wirtschaftsauskunftei zur Routine, bevor sie mit Kunden eine Geschäftsbeziehung eingehen. Mittels eines sogenannten Score-Wertes berechnet die Schufa die Wahrscheinlichkeit, dass der Verbraucher seinen finanziellen vertraglichen Verpflichtungen nachkommen kann.

Laut eines Berichts von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung will sich die Auskunftei neue Auskunftsquellen erschließen. Mit dem Mobilfunkkonzern Telefonica/O2 hatte die Schufa einen Test gestartet mit dem Ziel, Kontoauszüge der Verbraucher auszuwerten.

Bei dem Test konnten sich mögliche O2-Neukunden, die aufgrund ihrer schlechten Bewertung normalerweise keinen Handyvertrag bekommen würden, von der Schufa auf ihr Konto schauen lassen. Laut Konzernangaben nahmen daran etwa 100 Menschen teil.

Dazu mussten sie der Schufa ausdrücklich einen Auftrag erteilen. Die Auskunftei testete nach eigenen Angaben „die Akzeptanz einer freiwilligen Einwilligung in die weitere Speicherung der Daten für einen Zeitraum von zwölf Monaten“.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Verbraucherschützer laufen Sturm gegen das Vorhaben. „Die Kontoschnüffelei der Schufa ist nicht akzeptabel. Eine solch tiefe Datenauswertung der Kontobewegungen für Scoring-Zwecke erlaubt Rückschlüsse auf Persönlichkeit, wirtschaftlichen Status und selbst politische Orientierungen der Kunden und führt damit letztlich zum vollkommen durchleuchteten Verbraucher“, kritisiert der Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Klaus Müller. Sollten diese Pläne umgesetzt werden, würde der vzbv rechtliche Schritte prüfen.

    „Wir würden jedem Neukunden von O2 dringend raten, eine entsprechende Einwilligung umgehend zurückzuziehen oder den Vertrag zu kündigen“, empfiehlt Mario Hess, Sprecher des Leipziger Finanzportals Kreditvergleich.net. Das Portal geht davon aus, dass viele intime Daten nicht positiv für die Bonität wären. Schon unregelmäßige Abhebungen, hohe Arztkosten oder gelegentliche Sportwetten könnten dem Kunden negativ ausgelegt werden, befürchtet Hess.

    Deutsche Verbraucher wollen Bankdaten offenbar nur ungern preisgeben. So zeigt eine Umfrage der Unternehmensberatung PwC Strategy& aus dem August 2020, dass in Deutschland nur vier Prozent der Befragten ihre Bankdaten teilen, um dadurch Vorteile zu erlangen.

    Am Freitagabend gab Telefónica/O2 bekannt, nicht länger an dem Versuch teilzunehmen. „Die Ergebnisse dieses Tests haben unsere Erwartungen leider nicht erfüllt“, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mit. „Daher hat Telefónica/O2 heute beschlossen, den Test zu beenden und das 'CheckNow'-Verfahren der Schufa nicht mehr länger zu nutzen.“

    Kritik an Auskunfteien auch aus der Politik

    Die Schufa selbst verweist auf die zweite EU-Zahlungsdiensterichtlinie, kurz PSD2, die den Zahlungsverkehr in der EU für Verbraucher bequemer und sicherer machen soll. Ein wesentliches Ziel der Richtlinie sei, dass der Kontoinhaber selbst darüber entscheiden könne, wer Zugriff auf die Kontodaten haben soll. Der Einblick von anderen Unternehmen über das kontoführende Kreditinstitut hinaus sei nicht neu, meint die Schufa. Zu den neuen Angeboten zähle auch eine zusätzliche Bonitätsbewertung.

    Im Bundestag gibt es Parteien, die die Aktivitäten der Auskunfteien generell kritisch sehen. Neben dem Branchenführer Schufa Holding, der über Daten von 68 Millionen Privatpersonen verfügt, sind damit beispielsweise auch Creditreform und Crifbürgel angesprochen.

    Grafik

    In einem aktuellen Antrag an den Bundestag unter dem Titel „Schufa und anderen privaten Auskunfteien einen Riegel vorschieben“ fordern die Linken, das Einholen von Bonitätsauskünften und das Verlangen von Selbstauskünften bei der Anbahnung von Verbraucherverträgen und Mietverträgen mit Privatpersonen zu verbieten. Davon ausnehmen wollen die Linken lediglich Kreditverträge.

    Begründet wird der Vorstoß mit dem erheblichen Einfluss der Auskunfteien auf alle zentralen Lebensbereiche der Menschen. Der Wert des Scores eröffnet oder verwehrt Möglichkeiten und Zugänge, die den Bereich des physischen und soziokulturellen Existenzminimums berühren, heißt es in dem Antrag zur Begründung des vorgeschlagenen Verbots.

    Mehr: Schufa stellt deutschen Schuldnern gutes Zeugnis aus

    Startseite
    Mehr zu: Auskunftei Schufa - Verbraucherschützer wollen keine „Kontoschnüffelei“
    0 Kommentare zu "Auskunftei Schufa: Verbraucherschützer wollen keine „Kontoschnüffelei“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%