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Bezahlen auf Reisen Wie man im Urlaub Kostenfallen vermeidet

Bargeld, Plastikgeld, Bezahlen per Smartphone: In anderen Ländern gibt es andere Sitten und manchmal auch überraschende Kosten.
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Wer verreist, kann heute mehr denn je beim Bezahlen Probleme bekommen. Quelle: imago/Eibner
Landanflug auf den Flughafen von St Maarten

Wer verreist, kann heute mehr denn je beim Bezahlen Probleme bekommen.

(Foto: imago/Eibner)

FrankfurtSchon als sie ins Taxi stieg, hatte Bianca Schmidt ein schlechtes Gefühl. Sie hatte sich keine SIM-Karte am Flughafen in Schanghai gekauft. „Das empfehlen die meisten Onlinereiseführer“, sagt sie. Wie dringend sie die SIM-Karte brauchen würde, erfuhr Bianca während der Fahrt in die chinesische Metropole. Dort kam sie weder mit ihrem Bargeld noch mit ihrer Kreditkarte weit.

„Der Taxifahrer hielt mir den QR-Code auf einem eingeschweißten Blatt hin“, erzählt sie. „Ich sollte den Code einscannen, um die Fahrt zu bezahlen.“ Ein Problem für die deutsche Touristin, denn sie hatte keine funktionierende Internetverbindung auf ihrem Smartphone. Ebenso wenig eine der notwendigen Apps, wie zum Beispiel WePay oder AliPay, und somit auch kein Konto bei den Bezahlsystemen.

„Ich musste den Taxifahrer von meinem chinesischen Bargeld überzeugen“, erinnert sich die 25-Jährige. Sie drückte ihrem Taxifahrer nach mehreren Erklärungsversuchen ein paar ihrer Geldscheine in die Hand. Er konnte ihr kein passendes Wechselgeld geben, da er kein Portemonnaie mit sich führte und „alles über WePay lief“, berichtet die Hamburgerin. Notgedrungen überließ ihm die übrigen Yuan als Trinkgeld und zahlte deswegen umgerechnet ein paar Euro zu viel für Fahrt in die Stadt.

Das Beispiel zeigt: Wer verreist, kann heute mehr denn je beim Bezahlen Probleme bekommen. Denn andere Länder, allen voran China, sind technologisch einfach schon weiter, als man es von zu Haus gewohnt ist.

Die Verbraucherzentralen geben Tipps, wie sich im Urlaub Probleme oder zu hohe Gebühren vermeiden lassen.

Zahlen mit dem Smartphone

Von den deutschen Bundesbürgern bezahlen gerade einmal 0,3 Prozent ihre Souvenirs, Einkäufe oder Restaurantbesuche im Ausland regelmäßig mit dem Smartphone. Zum Vergleich: Rund 500 Millionen Chinesen nutzen das kontaktlose Bezahlverfahren mit dem Handy tagtäglich. Auf ihrer Rundreise durch China sah Bianca, wie „sogar die Souvenirverkäufer mit ihren Waren und einem eingeschweißten QR-Code den Strand entlanglaufen“. In Shenzhen, der Metropole der Telekommunikationsunternehmen in China, beobachtete sie wie „manche Touristen ihr Geld an Obdachlose spendeten, indem sie den QR-Code des Bettlers einscannten.“ In Deutschland klingen solche Beobachtungen wie Erzählungen aus einer anderen Welt, hier ist die Technik noch nicht wirklich etabliert.

Die Handhabung des Verfahrens ist ungewohnt, das erzeugt Misstrauen. Bianca erzählt von einer Sports-Bar in Schanghai: „Die Mitarbeiter haben das Smartphone meiner Freundin mitgenommen. An der Theke haben sie die Handykamera angemacht und die Rechnung eingescannt“, erzählt sie. Das ist möglich, ohne das Handy zu entsperren. „Angenommen sie hätten mir als Touristin einen falschen Betrag von meinem Handy abgebucht. Ich wüsste nicht, wie ich das zurückkriege“, sagt sie. Missbrauch ist zwar auch bei anderen Zahlungsweisen, etwa mit Kreditkarten, möglich. Aber ein ungewohntes System erzeugt besonderes Misstrauen.

Bianca geht es nicht allein so: 23 Prozent der deutschen Urlauber vertrauen nicht in die neue Technologie. Laut einer Kantar-Emnid-Umfrage im Auftrag der Postbank spielt auch der Faktor „Unkenntnis“, ebenfalls mit 23 Prozent, eine große Rolle bei der zögerlichen Nutzung des Smartphones. Dabei sind die Grundvoraussetzungen für das Bezahlen mit dem Smartphone überschaubar: eine funktionierende Internetverbindung, die notwendigen Apps und ein Account. Vorsicht bei langen Tagesausflügen: Wenn dem Handy der Saft ausgeht, kann man damit auch nicht mehr bezahlen.

Bereits vor dem Abflug muss der Reisende sich mit der Technik und den Anforderungen vertraut machen. „Es lohnt sich, eine SIM-Karte zu besorgen und einen billigen Internetvertrag abzuschließen“, sagt Bianca. „Man sollte sich nicht darauf verlassen, dass es – auch in großen Metropolen – überall ausreichendes WLAN gibt.“ Wenn man sich für das Smartphone als zweite Geldbörse entscheidet, ist es außerdem besonders wichtig, darauf aufzupassen. „Das Handy immer im Blick behalten“, mahnt David Riechmann von der Verbraucherzentrale in Düsseldorf. Im Falle eines Diebstahls „sollte man die hinterlegte Karte direkt sperren“, sagt er.

Allerdings gibt es auch ein eingebautes Sicherheitsnetz. Die Technologie, mit der die meisten Apps funktionieren, lässt Zahlungen bis maximal 50 Euro ohne eine jeweils neue Freigabe zu. Das geht bis zu fünf Abbuchungen in Folge oder bis zu einem Gesamtbetrag von 150,00 Euro. Erst danach wird der Nutzer erneut zur Freigabe aufgefordert. Das kann per Fingerabdruck erfolgen oder durch Eingabe eines Codes, den nur der Eigentürmer des Smartphones kennt. 

Zahlen mit der EC- oder Kreditkarte

Die Stiftung Warentest hat 30 Testpersonen in sechs Euro- und 23 Nicht-Euro-Ländern mit der Girocard und der Kreditkarte über 300-mal Geld am Automaten abheben lassen. In 15 von 23 Ländern außerhalb der EU-Zone stießen die Tester auf die sogenannte Sofortumrechnung. Die kostet meist mehr als fünf Prozent extra, bei einer Bank in Tschechien waren es sogar 13,7 Prozent.

Verbraucherschützer sehen die „Sofortumrechnung“ oder Dynamic Currency Conversion (DCC) als Kostenfalle. Hierbei bieten Geldautomaten an, die Landeswährung direkt in Euro umzurechnen. „Tatsächlich wird es für Touristen aber teuer, da die Automatenbetreiber einen schlechten Wechselkurs zugrunde legen oder Aufschläge verlangen“, sagt Riechmann. Die Kosten an ausländischen Automaten variieren. Die Stiftung Warentest rät auch beim Bezahlen im Supermarkt Beträge in der Landeswährung zu begleichen.

Gebühren, ob offen oder versteckt, schmälern in vielen Fällen das Urlaubsbudget. „Man muss auch darauf achten, welche Gebühren die eigene Hausbank nimmt“, sagt Riechmann. „Bei Kreditkartenzahlungen in Fremdwährung können zusätzliche Auslands-Einsatz-Entgelte anfallen. Die liegen häufig zwischen ein und zwei Prozent vom Umsatz.“ Ebenso sollte man sich vor der Reise bei seiner Hausbank informieren, wo und wie man im Urlaubsland möglichst günstig oder entgeltfrei Bargeld abheben kann. Manchmal gibt es Partnerbanken in einzelnen Ländern, die besonders günstig sind.

Sofern die Hausbank im Ausland keine Kooperationspartner hat, sollte man darauf achten, dass das Abheben in einem Euro-Mitgliedsland nie teurer sein darf als in Deutschland bei einer Fremdbank. Verbraucherschützer empfehlen beim Bezahlen mit der Plastikkarte außerhalb der EU eher die Kreditkarte. Zudem lohnt es sich bei höheren Beträgen, Kassenbons oder Quittungen aufzubewahren, um sie nach der Reise mit dem Kontoauszug zu vergleichen. Sollte der Urlaub länger dauern, lassen sich die Abbuchungen vom Konto bei Bedarf via App nachverfolgen.

Auch die Verfügbarkeit von Geldautomaten spielt eine große Rolle: „In China war ich mit meiner Kreditkarte manchmal aufgeschmissen“, erinnert sich Bianca. Um die bei Touristen beliebte „Verbotene Stadt“ in Peking zu besichtigen, suchte sie nach einem Serviceschalter. Dabei machte sie die Erfahrung „Es gab nur einen Schalter. Erstaunlicherweise wurde meine Kreditkarte da nicht akzeptiert. Hier hatte ich nur die Wahl zwischen dem Smartphone und einer Barzahlung.“

Zahlen mit Bargeld

Der deutschen Touristin geht es wie 56 Prozent der Deutschen. Für sie ist Bargeld im Urlaub immer noch das wichtigste Zahlungsmittel, wie die Umfrage der Postbank zeigt. Rund 70 Prozent der 16– bis 29-Jährigen halten Scheine und Münzen für wichtiger als Plastikgeld. 45 Prozent der Befragten nehmen sogar so viel Bargeld wie möglich mit, um nicht auf das Smartphone oder auf Bankkarten zurückgreifen zu müssen. Riechmann rät, nie das gesamte Bargeld am Körper zu tragen, „sondern auch eine Reserve im Koffer, Rucksack oder dem Hotelsafe aufzubewahren“. Grundsätzlich empfehlen die Verbraucherzentralen, immer wenigstens etwas Bargeld in der Landeswährung mitzuführen. Wenn man in Länder außerhalb der Euro-Zone reist, kann man bereits im heimischen Bankinstitut wechseln. Kleinigkeiten wie die Taxifahrt vom Flughafen zum Hotel, ein Kaffee zum Mitnehmen oder ein Snack können so in den meisten Ländern schnell bezahlt werden. Wer vor dem Urlaub kein Fremdgeld eintauscht, kann dies am Flughafen des Reiseziels nachholen. China ist der Sonderfall: „Ich bin echt froh, dass wir mit unserem Bargeld noch bezahlen konnten“, sagt Bianca. „Oft allerdings nur, weil die Taxifahrer oder Händler auf kleinen Streetfood-Markets ein Auge zugedrückt haben.“

„Auf welche Zahlungsmethoden man zurückgreift, hängt auch mit der Region zusammen“, ergänzt Riechmann. Er rät: „Im Urlaub sollte man nicht nur auf eine Zahlungsmethode setzen, sondern mehrere Optionen parat haben.“ Die Stiftung Warentest empfiehlt ebenfalls eine Mischung aus verschiedenen Bezahlvarianten.

Wichtig auch: Wer größere Summen bar mitnehmen will, sollte vor dem Abflug prüfen, wie viel Geld in das Reiseland eingeführt werden darf.

Mehr: Unsere Grafik des Tages zum Bezahlen mit Bargeld.

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