Brisante Aktientipps Wenn Anlegern der Weltuntergang droht

Börsenbriefe werben oft marktschreierisch für bestimmte Aktien. Für die Anbieter ist das ein einträgliches Geschäft. Selbst Betrug ist nicht ausgeschlossen. Die Finanzaufsicht Bafin warnt vor dubiosen Kaufempfehlungen.
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Geht es nach dem Bonner GeVestor-Verlag können nur Anleger, die in die richtigen Aktien investieren, die Herrschaft der Roboter überleben. Quelle: Screenshot
Schräge Werbe-Mails:

Geht es nach dem Bonner GeVestor-Verlag können nur Anleger, die in die richtigen Aktien investieren, die Herrschaft der Roboter überleben. Quelle: Screenshot

FrankfurtAchtung, es wird gefährlich: Anlegern droht die „Robokalypse“. Davor warnt zumindest der Bonner GeVestor-Verlag in seinen Werbe-Mails. Es steht demnach nicht weniger als die „Auferstehung einer neuen Weltmacht“ ins Haus – nämlich der Roboter. So heißt es in einem Video des Verlages, das vor der wahrscheinlich größten Gefahr warnt, „vor der die Menschheit in ihrer Geschichte je gestanden hat.“ Der Untergang der Menschheit, so heißt es da, sei ausgemacht.

Das klingt eher nach einem Actionstreifen aus dem Nachtprogramm als nach einer Anlageempfehlung. Doch genau um die geht es: Wer sich den Werbefilm über die Gefahren der Robokalypse bis zum Ende anschaut, kann einen Börsenbrief bestellen – den „Innovation Investor“. Der kostet nach 30 Tagen satte 19,20 Euro – pro Woche, wohlgemerkt. Im Jahr legen Anleger also rund tausend Euro auf den Tisch.

Wie der Preis zustande kommt, will Verlagsleiter Hans Joachim Oberhettinger nicht verraten. Schließlich stehe der GeVestor-Verlag im direkten Wettbewerb mit der Verlagsgruppe Handelsblatt. Der „Robokalypse“-Werbung liege jedoch „eine Vielzahl von wissenschaftlichen Aussagen und Meinungen zugrunde“, sagt Oberhettinger.

Der Verlagsleiter verweist unter anderem auf das Buch des schwedischen Philosophen Nick Bostrom sowie auf Aussagen des Physikers Stephen Hawking. „Zugegeben wird das in unserer Werbung dramaturgisch stark dargestellt.“ Aber es handele sich nun mal um Werbung.

Rund zwei Dutzend verschiedene Börsenbriefe hat die GeVestor-Gruppe im Angebot. Dass sie mitunter mit geradezu religiösem Eifer vor der drohenden „Robokalypse“ oder dem Euro-Crash warnt, ist womöglich kein Zufall: Der Verlag gehört Norman Rentrop, seines Zeichens Marketingtalent und Gründungsvater des christlichen Familiensenders Bibel TV.

Der Verlag ist nur einer von zahlreichen Börsenbrief-Anbietern: Laut Schätzungen soll es im Land der Aktienmuffel bis zu 1.000 Börsenbriefe geben. Und das schon lange. Aktienempfehlungen per Rundbrief sind nämlich keine neue Erfindung. Doch im Internet-Zeitalter werben die Marktschreier noch schriller als früher. Häufig sind die ersten Ausgaben kostenlos. Danach werden teils saftige Gebühren fällig. Preise von mehreren Hundert Euro im Jahr sind keine Seltenheit.

Aufsicht warnt vor schwarzen Schafen
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