Containerinvestment Tausende Anmeldungen – P&R erwartet Gläubigerversammlung der Superlative

Die Gläubigerversammlung des Containervertriebs P&R wird ein seltenes Großereignis. Insolvenzverwalter Jaffé rechnet mit erster Abschlagzahlung an die Anleger ab 2020.
Update: 11.10.2018 - 16:17 Uhr Kommentieren

Das war das Geschäftsmodell von P&R

DüsseldorfIm Milliarden-Drama um den insolventen Containervertrieb P&R wird es eine Gläubigerversammlung der Superlative geben. Mehrere Tausend Anleger haben sich für die Veranstaltung in der Münchener Olympiahalle angemeldet, wie der Insolvenzverwalter Michael Jaffé am Donnerstag mitteilte.

„Es dürfte sich dabei um eine der größten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland überhaupt handeln“, sagte Jaffé. Bei der Gläubigerversammlung wird er in der kommenden Woche am Mittwoch und Donnerstag über die Krisenursachen und die Verwertung noch vorhandenen Vermögens der P&R-Gruppe berichten.

Die erste Gläubigerversammlung ist bei Insolvenzen ein richtungsweisender Termin. Auch der Schuldner und der Gläubigerausschuss dürfen sich mit Stellungnahmen zu Wort melden.

In sich anschließenden Abstimmungen könnten die Gläubiger den Verlauf des Insolvenzverfahrens entscheidend beeinflussen. Zu den wichtigsten Beschlüssen gehört auch, ob der Insolvenzverwalter bestätigt oder ein anderer gewählt wird.

Da ein Großteil der Anleger im fortgeschrittenen Alter sei, strebe der Insolvenzverwalter frühzeitige Abschlagszahlungen an. „Wenn wir bei der koordinierten Verwertung wie geplant und ungestört vorankommen, erscheint eine erste Zahlung an die Gläubiger im Jahr 2020 möglich.“ Es handelt sich um eine frühe und entsprechend vage Prognose, denn zugleich sind die Sicherungs- und Stabilisierungsmaßnahmen laut Jaffé noch nicht abgeschlossen.

Dass die Veranstaltung auf zwei Tage gestreckt ist, erklärt sich dadurch, dass Berichtstermine für gleich drei insolvente P&R-Vertriebsgesellschaften nacheinander abgearbeitet werden müssen. Den Auftakt macht am Mittwoch die P&R Gebrauchtcontainer Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH, für die sich rund 4000 Anleger angekündigt haben. Einlass ist ab 8 Uhr morgens.

Der Berichtstermin für die P&R Container Vertriebs- und Verwaltungs-GmbH ist am Donnerstag um 9 Uhr, für die P&R Transport-Container GmbH um 15 Uhr. Dafür haben sich 1900 und 3200 Anleger angemeldet. Einlass ist jeweils eine Stunde vorher.

Der Insolvenzverwalter bittet um pünktliches Erscheinen der Anleger zur Gläubigerversammlung. Sie sollen wegen der Sicherheitskontrollen möglichst auf Gepäck verzichten und ihre Zutrittskarten und Personaldokumente parat haben. Die Veranstaltung richte sich exklusiv an Gläubiger. Gäste, auch Ehepartner, sind nicht zugelassen.

Anfang August hatte Jaffés Team 87.356 Schreiben an Gläubiger verschickt. Laut Insolvenzverwalter liegt die Rücklaufquote bei 90 Prozent, sodass rund 80.000 Einzelforderungen bislang registriert werden konnten. „In 99 Prozent der Fälle wurden dabei die von den Insolvenzverwaltern aufbereiteten Angaben und Daten übernommen“, teilte Jaffé mit.

In Spitzenzeiten hätten mehr als 20 Mitarbeiter die eingehenden Anrufe an der Telefon-Hotline bearbeitet. Gläubiger können auch weiterhin Forderungen geltend machen.

3,5 Milliarden Euro im Feuer

Die Leitung der Gläubigerversammlung liegt beim zuständigen Münchener Amtsgericht, das ebenfalls mit viel Personal zugegen sein wird. Um einen reibungslosen Ablauf gewährleisten zu können, will das Gericht vier Richter, 24 Rechtspfleger sowie 36 Justizwachtmeister einsetzen.

Bei der P&R-Pleite stehen seit März rund 3,5 Milliarden Euro der Anleger im Feuer. Die Unternehmensgruppe hatte Container zumeist an Kleinanleger verkauft, diese zurückgemietet und weiterverleast. Nach fünf Jahren erhielten die Anleger ein Rückkaufangebot. Zusammen mit den Mieten blieben den Investoren Renditen von drei bis fünf Prozent.

Insgesamt fehlen laut Jaffé rund eine Millionen Container im Bestand von P&R, die aber Anlegern verkauft wurden. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen ehemalige Führungskräfte wegen Betrugsverdachts. Firmengründer Heinz Roth sitzt seit Mitte September in Untersuchungshaft.

Rund 600.000 Container werden in der Schweiz von einer weiterhin aktiven P&R-Gesellschaft bewirtschaftetet. „Oberstes Ziel für die Insolvenzverwalter ist weiterhin die Minimierung der Schäden der Anleger durch eine bestmögliche Verwertung der vorhandenen Container-Flotte“, sagte Jaffé.

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