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E-ID-Funktion Das iPhone wird zum Ausweis-Scanner

Mit dem jüngsten Software-Update hat Apple die NFC-Schnittstelle seiner Geräte für Ausweisfunktionen freigegeben. Für Verbraucher kann das nützlich sein.
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Apple: Das iPhone wird zum Ausweis-Scanner Quelle: dapd
Personalausweis

Seit Ende 2010 werden die Ausweise im Scheckkartenformat ausgegeben – seit 2017 automatisch mit E-ID-Funktion.

(Foto: dapd)

Das Smartphone ist mittlerweile vielseitiger als ein Schweizer Taschenmesser: Unzählige Apps machen es zum Kompass, zur Spielekonsole oder zum Fitnesscoach. Eine Funktion ist dagegen bislang noch wenig bekannt. Mit der passenden App wird das Mobiltelefon zum Lesegerät für den elektronischen Personalausweis (E-ID).

Mit der Funktion können sich Bürger im Internet ausweisen. Wer ein Android-Gerät nutzt, konnte das schon seit zwei Jahren ausprobieren, seit diesem Donnerstag sind die Ausweis-Apps des Bundes und des Dienstleisters Authada auch für Apple-Geräte verfügbar – ab dem iPhone7 und dem Betriebssystem iOS 13. Dank der größeren Zielgruppe soll das sogenannte E-Ident-Verfahren nun rasch an Bedeutung gewinnen – insbesondere in der Finanzbranche.

Die Nachfrage nach seiner Lösung sei in den vergangenen Monaten stark gestiegen, sagt Authada-Geschäftsführer Andreas Plies. Im Juni hatte Apple angekündigt, dass es die NFC-Funktion seiner Geräte für Ausweisfunktionen freigeben werde. Das ist die Voraussetzung dafür, dass die App auf dem Smartphone mit dem Chip im Ausweis kommunizieren kann.

Der Schwerpunkt der interessierten Unternehmen liegt in der Finanzbranche und dem Telekommunikationssektor. So können Nutzer künftig mithilfe der App zum Beispiel Bankkonten eröffnen oder SIM-Karten freischalten. Ein interessanter Bereich seien zudem Verbraucherkredite. „Einige neue Einsatzmöglichkeiten werden in Kürze starten“, so Plies.

Auch der IT-Dienstleister Governikus, der im Auftrag des Bundes die AusweisApp2 entwickelt hat, führt nach eigenen Aussagen aktuell Gespräche mit Anbietern, die die Online-Ausweisfunktion in ihre Online-Angebote einbinden wollen. Auch hier handele es sich insbesondere um Unternehmen aus dem Finanzsektor.

Maximilian Harmsen, Berater bei PwC, sieht die Identifikation per E-ID als „deutlich nutzerfreundlichere Alternative zu bisherigen Verfahren, die zum Teil nicht 24 Stunden verfügbar sind und unter Umständen eine Terminvereinbarung benötigen“. Das Verfahren sei schneller und die Abbruchquote geringer.

Wer bislang etwa ein Konto eröffnen will, muss dafür entweder in einer Filiale der künftigen Bank oder – im Rahmen des Post-Ident-Verfahrens – bei der Post den Ausweis vorzeigen. Einfacher geht es schon mit dem Video-Ident-Verfahren: Die Kunden können vom Sofa aus ein kurzes Videotelefonat mit einem Ident-Dienstleister führen und halten dabei ihren Ausweis vor die Kamera ihres Smartphones. Auch dabei kann es jedoch zu Wartezeiten kommen.

Wie Ausweis-Apps funktionieren

Die Ausweis-Apps funktionieren so: Während des Identifikationsprozesses müssen die Nutzer ihren Personalausweis dicht an das Smartphone halten. Wurde der Ausweis erkannt, werden sie zur Eingabe ihrer sechsstelligen PIN aufgefordert. Diese erhält jeder Bürger nach dem Beantragen eines neuen Ausweises per Post.

Wer das Verfahren testen möchte, kann in der AusweisApp2 und der Authada-App eine Selbstauskunft wählen. Dabei werden die Daten vom Ausweis ausgelesen und angezeigt, aber nicht weitergeben. Zugleich funktioniert das Verfahren auch bei sogenannten Aufenthaltstiteln. Diese können Ausländer bekommen, die längere Zeit in Deutschland aufhalten.

Noch sind die Anwendungsmöglichkeiten des Verfahrens überschaubar. Als erste deutsche Bank hat die Comdirect es Ende 2018 für die Depoteröffnung eingeführt. Dafür wurde die Lösung von Authada in die Banking-App der Comdirect integriert. Seit August können Kunden das Verfahren auch bei der Eröffnung eines Girokontos nutzen.

Die Nutzerzahlen seien insgesamt noch gering, sagte eine Sprecherin der Direktbank. In der Antragstrecke für die Depoteröffnung werde das Verfahren seit April jedoch prominenter angeboten und seitdem habe sich die Nutzung verdreifacht. Auch der Geldkarten-Anbieter Paysafecard arbeitet bereits mit Authada zusammen. Bei ihm ist die Lösung aber nicht in die eigene App integriert.

Mithilfe der AusweisApp2 können Nutzer momentan bereits etliche Behördengänge per Internet erledigen – je nach Dienstanbieter etwa Meldebestätigungen online beantragen oder das Auto abmelden. Auch die Rentenauskunft und der Punktestand beim Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg können damit online abgerufen werden.

In mehreren Städten wie Berlin, Hamburg und Köln können Studierende online Bafög beantragen. Auch der Zugriff auf Online-Portale diverser Versicherer wird erleichtert und bei der Investitionsbank Berlin (IBB) können elektronisch Darlehen beantragt werden.

Allerdings: Wann genau diese Dienste nun tatsächlich auch Nutzern mit Apple-Betriebssystem iOS zur Verfügung stehen, hängt laut Governikus von den Anbietern ab. „Der Aufruf der AusweisApp2 aus dem eigentlichen Dienst heraus bedarf für iOS eines minimalen Eingriffs in die Programmierung der Webseite“, erklärt eine Sprecherin des Unternehmens. Auch bei der Comdirect wurde die Authada-Lösung derzeit noch nicht in die iOS-App integriert. Zum Zeitpunkt der Umsetzung könne sie derzeit keine Angaben machen, sagte eine Sprecherin der Comdirect.

Mehr Bürger mit aktivierter E-ID-Funktion

Allzu lange dürften die Erweiterungen für die Apple-Nutzer aber nicht auf sich warten lassen. Berater Harmsen sieht die Öffnung der NFC-Schnittstelle in den Apple-Geräten als einen „weiteren wichtigen Baustein“, um die E-ID Funktion des Personalausweises zu etablieren. Zwar seien iPhones in Deutschland weniger verbreitet als Android-Geräte, aber Apple-Nutzer würden häufig als „technikaffin eingeschätzt und sind daher wichtig für die Etablierung neuer technischer Entwicklungen“.

Hinzu kommt: Die Zahl der Bürger, die überhaupt einen Ausweis mit aktivierter E-ID-Funktion haben, steigt stetig. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums (BMI) hatten Mitte des Jahres rund 61 Millionen Deutsche einen Personalausweis mit Chip. Bei etwa 26 Millionen ist die Online-Ausweisfunktion eingeschaltet.

Seit Juli 2017 werden Ausweise an Personen ab 16 Jahren nur noch mit aktivierter Funktion ausgegeben. „Ein Abschalten der Online-Ausweisfunktion sieht der Gesetzgeber seit 2017 nicht mehr vor“, sagt ein Sprecher des BMI. Beim Bürgeramt kann man die Funktion nachträglich freischalten lassen.

Sicherheitsbedenken weist Authada-Chef Plies zurück. Die Technologie sei „hoch sicher“. Die Gefahr, dass Nutzer auf betrügerische Apps hereinfallen und so ungewollt ihre Identität preisgeben, sei „äußerst gering, denn um die Ausweise auslesen zu können, benötigen App-Anbieter ein Zertifikat des Bundesverwaltungsamts“, erklärt Plies. Dieses werde durch den Ausweis geprüft und die Daten würden nur dann übermittelt, wenn das Zertifikat echt sei.

Dennoch sollten die Nutzer mit ihrem elektronischen Personalausweis genauso sorgsam umgehen wie mit ihrer Girocard oder Kreditkarte. Ihre PIN sollten sie keinesfalls gemeinsam mit dem Ausweis verwahren oder gar auf dem Ausweis notieren. Wer seinen Ausweis verloren hat, sollte ihn über die Telefonnummer 116 116 sperren lassen, dann können die Daten nicht mehr ausgelesen werden.

Mehr: PSD2 – Kunden brauchen wegen Neuregelungen für Kreditkartenzahlungen viel Geduld.

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