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Ehename, Vorname, Pseudonym Diese Rechte haben Sie bei der Wahl des Namens

Das deutsche Namensrecht gilt als streng. Komplexe Familienverhältnisse und beliebige Änderungen sind nicht vorgesehen. Was Bürger wissen müssen.
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Einen Nachnamen ohne wichtigen Grund zu ändern, ist in Deutschland nur sehr schwer möglich. Quelle: Stockbyte/Getty Images
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Einen Nachnamen ohne wichtigen Grund zu ändern, ist in Deutschland nur sehr schwer möglich.

(Foto: Stockbyte/Getty Images)

Frankfurt Eheringe, Trauzeugen, Hochzeitstorte? Wer heiratet, steht vor vielen Entscheidungen. Zu den zwingenden gehört die Wahl des künftigen Namens. Laut Zahlen der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) haben sich 2016 knapp drei Viertel der Ehepaare für den Nachnamen des Mannes entschieden – nur sechs Prozent für den Namen der Frau.

Bei zwölf Prozent der Jungvermählten behielten beide ihre Geburtsnamen. Und bei den übrigen entschied sich einer für einen sogenannten Doppelnamen – meist die Frau. Auf den ersten Blick scheinen die Wahlmöglichkeiten ausreichend. Doch international gibt es viel mehr Variationen. In Großbritannien etwa herrscht vollkommene Namenswahlfreiheit, da verschmelzen manche Paare ihre Namen zu einem völlig neuen. Andernorts dürfen zumindest beide Partner einen Doppelnamen tragen. In Deutschland darf dies nur einer.

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Das deutsche Namensrecht gilt als eines der strengsten und enthält dazu noch manch widersprüchliche Vorgabe. Das fehlende Recht auf einen Doppelnamen für beide Partner ist da nur ein Beispiel. Experten kritisieren, dass die starren Regeln den komplexeren Familienkonstellationen wie Patchworkfamilien nicht mehr gerecht werden, dass es zunehmend zu Ungleichbehandlungen kommt und dass dem Namen als Ausdruck der Persönlichkeit nicht ausreichend Rechnung getragen wird.

Zu sehr werde noch auf den Grundsatz der Kontinuität gepocht. So ist eine Namensänderung eigentlich nur bei Geburt, Hochzeit und Scheidung vorgesehen. Wer den Namen ohne ein solches Ereignis wechseln will, muss dafür einen „wichtigen Grund“ vorbringen.

„Ich persönlich bin für deutlich mehr Freiheit bei der Namenswahl, die aktuellen Beschränkungen lassen sich angesichts der veränderten Funktion des Namens und der neuen Familienkonstellationen nicht mehr rechtfertigen“, sagt Anatol Dutta.

Der Juraprofessor von der LMU München ist eines von sieben Mitgliedern einer Arbeitsgemeinschaft, die Bundesinnenministerium (BMI) und Bundesjustizministerium (BMJV) 2018 ins Leben gerufen haben. Sie soll Vorschläge zur Novellierung des Namensrechts ausarbeiten. Wann genau die Ergebnisse oder ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, steht nach Angaben des BMI noch nicht fest.

„Früher sollten Namen vor allem eine sprachliche Individualisierung und eine Klassifizierung von Personen ermöglichen, sie gaben Auskunft über das Geschlecht, die Zugehörigkeit zu einer Familie oder auch zu einer Gruppe wie Bürgertum und Adel“, so der Wissenschaftler. „Inzwischen steht die Selbstdarstellungsfunktion der Menschen im Fokus, und der Name ist Teil unseres Persönlichkeitsrechts“, sagt Dutta.

Die früheren Funktionen erfüllten heute die steuerliche Identifikationsnummer, die inzwischen jeder Bürger bei Geburt erhält, oder die Rentenversicherungsnummer längst besser.

Deiner, meiner, unsere?

Doch was genau ist aktuell in Deutschland erlaubt und welche Gesetzesänderungen werden diskutiert? Zurück zur Eheschließung: Wenn Partner namens Schmitz und Meyer heiraten, haben sie zunächst zwei Möglichkeiten: Beide behalten ihre bisherigen Nachnamen – oder sie bestimmen einen gemeinsamen Ehenamen.

Der Partner, der sich beim Ehenamen nicht durchsetzt, kann entweder nur den Ehenamen tragen oder den bisherigen Nachnamen als sogenannten Begleitnamen anfügen oder voranstellen, also Schmitz-Meyer oder Meyer-Schmitz. Haben die Partner von Geburt an den gleichen Nachnamen, ist eine Kombination wie Meyer-Meyer nicht erlaubt.

Wichtig: Ist die Entscheidung für einen Ehenamen einmal gefallen, lässt sie sich nicht widerrufen. „Wer den Ehenamen wieder loswerden möchte, muss sich scheiden lassen“, sagt Eva Becker, Fachanwältin für Familienrecht. Darüber hinaus gibt es nur beim Tod des Ehepartners die Möglichkeit, den Ehenamen abzulegen.

Sind die Partner bei der Namenswahl unsicher, können sie bei der Hochzeit zunächst ihre bisherigen Namen behalten und zu einem späteren Zeitpunkt einen Ehenamen bestimmen. Eine Frist gibt es dafür bundesweit nicht, bestätigt ein Sprecher des BMI. Beliebig viel Bedenkzeit haben Paare auch bei der Entscheidung für einen Begleitnamen. Dieser kann auch Jahre nach der Hochzeit ergänzt werden. Diese Entscheidung kann man dann maximal einmal widerrufen.

Der Partner, dessen Name Ehename geworden ist, kann an seinem Namen nichts verändern. In Deutschland ist es nicht erlaubt, dass Ehepaare einen „echten“ Doppelnamen aus ihren Nachnamen bilden, den sie beide tragen und an ihre Kinder weitergeben können. Tobias Helms, Juraprofessor an der Uni Marburg und ebenfalls Mitglied der Arbeitsgemeinschaft von BMI und BMJV, kritisiert das.

„Eine solche Namenskombination kann man als Ausdruck der Gemeinschaft sehen. International ist das weitverbreitet“, sagt er. „Kritiker warnen häufig, dass die Namen dadurch mit jeder Generation länger würden, aber das lässt sich einfach verhindern, indem Namensketten untersagt werden“, erklärt Helms.

Scheidung bringt Auswahl

Vergleichsweise viele Möglichkeiten zur Namenswahl eröffnet eine Scheidung: Die Partner können den Ehenamen fortführen, ihren Geburtsnamen hinzufügen, nur noch ihren Geburtsnamen tragen oder einen Ehenamen aus früherer Ehe erneut annehmen. Wer seinen Ehenamen nach der Scheidung behält, kann ihn seit 2005 bei einer weiteren Hochzeit auch an den neuen Partner weitergeben. Der Ex-Partner kann sich dagegen nicht wehren.

Das gilt selbst dann, wenn sein Name ein sogenanntes Adelsprädikat enthält, also ein „zu“ oder „von“. „Seit Abschaffung des Adels in Deutschland können diese Namenszusätze bei einer Hochzeit oder Adoption übertragen werden“, erklärt Familienrechtlerin Sybill Offergeld von der Kanzlei Rose & Partner. Echte Adelstitel dagegen gingen früher mit der Scheidung verloren.

Wer Kinder bekommt, darf bei ihrer Geburt nicht nur über ihre Vornamen, sondern auch über ihren Nachnamen bestimmen. Sind die Eltern nicht verheiratet, bekommt das Kind automatisch den Nachnamen der Mutter – es sei denn, die Eltern erklären gemeinsam, dass das Kind den Namen des Vaters tragen soll. Wenn die Eltern verheiratet sind und einen Ehenamen bestimmt haben, bekommt das Kind automatisch diesen. Nicht erlaubt ist die Weitergabe der Nachnamen beider Eltern.

Doch keine Regel ohne Ausnahme – und die ist laut Juraprofessor Dutta ein Beispiel für die derzeitige „Prinzipienlosigkeit des deutschen Namensrechts und die mangelnde Konsistenz“: So regelt Paragraf 1618 des Bürgerlichen Gesetzbuchs die „Einbenennung“.

Ein Beispiel: Nina Schmitz trägt den Ehenamen ihrer Eltern. Die Eltern lassen sich scheiden, die Mutter heiratet später Herrn Krause und nimmt dessen Namen an. Dann darf Nina ausnahmsweise doch Schmitz-Krause heißen – sofern ihr leiblicher Vater und Nina selbst, falls sie mindestens fünf Jahre alt ist, zustimmen. Aber: An einer gesetzlichen Regelung, um das später rückgängig zu machen – sogenannte Rückbenennung – fehlt es aktuell noch.

Individuelle Änderungen

Wer seinen Nachnamen unabhängig von Geburt, Hochzeit, Scheidung oder Tod des Partners ändern will, hat es in Deutschland schwer. Laut Namensänderungsgesetz muss dazu ein „wichtiger Grund“ vorliegen. „Was dabei akzeptiert wird, hängt meist von der Auslegungspraxis der einzelnen Behörden ab“, sagt Juraprofessor Helms. Meist brächten die Betroffenen ihr Anliegen ohne Anwalt vor, und dann komme es darauf an, wie überzeugend sie schildern, dass sie tatsächlich unter dem Namen leiden.

„Wenn jemand durch sogenannte Einbenennung den Namen seines Stiefvaters erworben hat und von diesem geschlagen und traumatisiert wurde, wird dem Antrag auf Ablegung dieses Namens wohl stattgegeben“, sagt Helms. „Wer nur sagt, dass er den Namen ändern will, weil die Mutter sich von dem Mann abgewandt hat, hat kaum eine Chance.“

In Österreich zum Beispiel gibt es neben einer Namensänderung aus wichtigem Grund auch die Möglichkeit, einen sogenannten Wunschnamen frei zu wählen. „Es ist nicht bekannt geworden, dass die Österreicher von dieser Möglichkeit in allzu großen Zahlen Gebrauch machen würden“, sagt Helms. Wer unter seinem Namen nicht aus irgendwelchen besonderen Gründen leide, werde ihn auch nicht aus einer Laune heraus ändern lassen.

Ungerecht erscheinen die strengen Vorgaben in Deutschland nicht nur im Vergleich zu den liberalen Regeln anderer Länder. Auch Ausländer, die nach Deutschland kommen, haben diverse Wahlmöglichkeiten für ihren Namen. Wer die deutsche Staatsangehörigkeit annimmt, kann seinen Namen zum Beispiel an die deutsche Form anpassen. Aus Pjotr Šmit könne dann Peter Schmidt werden, erklärt Dutta.

Unter „falschem“ Namen

Was viele Bürger nicht wissen: In Deutschland gibt es keine Pflicht zur Namensführung. „Gegenüber staatlichen Behörden muss man sich mit dem bürgerlich-rechtlichen Namen ausweisen“, erklärt Dutta. „Im privatrechtlichen Verkehr kommt es aber in erster Linie darauf an, dass eine Person eindeutig identifizierbar ist und beispielsweise klar ist, wer den Vertrag schließt.“

Die Folge: „Nimmt Herr Meyer nach der Eheschließung mit seiner Ehefrau oder seinem Ehemann den Ehenamen Schmitz an, darf er im gesellschaftlichen Bereich trotzdem weiterhin als Herr Meyer auftreten, soweit der Vertragspartner nicht auf einer Verwendung des bürgerlich-rechtlichen Namens besteht“, erklärt der Juraprofessor. Gleiches gelte für frei gewählte Pseudonyme. „Abseits der staatlichen Behörden gibt es nur wenige Situationen, wo man den bürgerlichen Namen offenbaren muss“, sagt auch Helms.
Relevant kann das Auftreten unter dem Geburtsnamen etwa sein, wenn eine Person unter diesem Namen im Berufsleben bereits bekannt ist.

Besonders verbreitet sind Pseudonyme etwa bei Schriftstellern. Bei Schauspielern und anderen Künstlern ist meist von „Künstlernamen“ die Rede. Ein Künstlername kann auch in den Ausweis eingetragen werden. „Die Eintragung setzt jedoch voraus, dass man unter dem Namen bereits eine gewisse Bekanntheit erlangt hat“, sagt Anwältin Offergeld. Die Eintragung des Geburtsnamens als Künstlername ist laut der „Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Passgesetzes“ nicht möglich.

Bei Vornamen ist Kreativität erlaubt

Pebbels, Tequila, Boss und Amsterdam – bei der Wahl eines Vornamens für ihr Kind dürfen Eltern heute kreativ sein. Inspiration holen sie sich laut einer Auswertung der Gesellschaft für Deutsche Sprache (GfdS) etwa in der Literatur. Daraus entsteht dann Ophelia oder Faustus. Fans der Serie Games of Thrones kommen auf Namen wie Khaleesi und Euron. Auch die englische Sprache hilft weiter: Peace und Melody. All diese Namen wurden tatsächlich in Geburtsurkunden eingetragen.

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„Die deutschen Standesämter sind inzwischen viel großzügiger geworden“, sagt Frauke Rüdebusch von der GfdS. „Früher mussten deutsche Bürger zum Beispiel einen familiären Bezug zu einem Land nachweisen, wenn sie ihrem Kind einen dort gebräuchlichen Namen geben wollten.“ Durch zahlreiche Urteile wurden die Verwaltungsvorschriften nach und nach gelockert.

„Gesetzlich ist die Erteilung des Vornamens bisher überhaupt nicht geregelt, sondern basiert auf langjähriger Rechtsprechung“, sagt Anatol Dutta, Jura-Professor an der LMU in München. Wie das Bundesverfassungsgericht bestätigt hat, kommt es bei der Wahl des Vornamens nur noch darauf an, dass das Kindeswohl nicht gefährdet ist.

„Ein Kind Fanta zu nennen muss nicht kindeswohlwidrig sein, schließlich ist das ein wohlklingender Name, auch wenn es eine bekannte Marke ist“, sagt Dutta. „Bei reinen Sach-, Gattungs- oder Ortsbezeichnungen, etwa Wiesengrund oder Borussia, sähe das wohl anders aus.“ Die GfdS hat in Gutachten etwa Chaotica, Lucifer und Urmel abgelehnt. Die Mehrheit der Eltern mag es allerdings noch klassisch. Auch der Trend zu alten Namen wie Emma und Paul ist ungebrochen.

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Unzulässig sind geschlechtswidrige Namen. Ein Mädchen darf nicht Thomas genannt werden. Die Vorgabe, dass Namen das Geschlecht des Kindes anzeigen müssen, besteht indes nicht mehr. Dafür hat das Bundesverfassungsgericht 2008 mit dem „Kiran“-Beschluss gesorgt. Bei geschlechtsneutralen Namen wie Kim oder Luca muss nun kein zweiter Vorname ergänzt werden, der das Geschlecht anzeigt.

Unklar ist, welche Folgen die Anerkennung des dritten Geschlechts „divers“ haben wird. „Eine Möglichkeit wäre, dass Kindern mit Variante der Geschlechtsentwicklung entweder ein geschlechtsneutraler oder je ein weiblicher und ein männlicher Vorname gegeben wird und sie später einen Namen ablegen“, sagt Dutta.

Mehr zum Thema: Bei einer Hochzeit wird häufig auch das Thema Steuern interessant. Lesen Sie hier alles zum Thema Steuererklärung in unserem 37-seitigen Ratgeber-Dossier.

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