Einstweilige Verfügung Verbraucherschützer kontern gegen Prokon

In einem Schreiben richtet sich der angeschlagene Windparkbetreiber Prokon eindringlich an die Inhaber von Genussrechten. Verbraucherschützern geht das zu weit. Es werde in unangemessener Weise Druck ausgeübt.
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Anleger verlieren Vertrauen in Prokon

DüsseldorfDer Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) geht gerichtlich gegen den Öko-Strom-Anbieter Prokon vor. Beim Landgericht Itzehoe haben die Verbraucherschützer den Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen die Prokon beantragt. Der Grund: Dem Unternehmen soll untersagt werden, auf Genussrechtsinhaber durch ein Schreiben in unangemessener Weise Druck auszuüben.

Vor knapp einer Woche hat sich der Öko-Strom-Anbieter Prokon mit einem Brief an die Inhaber seiner Genussrechte gewendet. Sie sollen bis zum 20. Januar erklären, ob sie an ihren Genussrechten festhalten oder diese kündigen möchten. Bei einer Kündigung, so Prokon, nehme der Anleger die Insolvenz des Unternehmens „bewusst in Kauf“. Auch wer nicht antworte, trage automatisch zur drohenden Planinsolvenz bei. Mit dem Schreiben würden die Inhaber von Prokon-Genussrechten in rechtlich fragwürdiger Weise aufgefordert, nicht zu kündigen, so die Einschätzung des vzbv.

Das Schreiben bietet insgesamt vier Optionen zur Wahl: Sämtliche Optionen zielen darauf ab, die Verbraucher zu bewegen, ihre Genussrechte zur Vermeidung einer Insolvenz mit Einschränkungen beizubehalten oder gar zu erhöhen, so die Verbraucherschützer. Ein Festhalten am Vertrag zu den bestehenden Bedingungen wird als Option nicht angeboten.


„Wir sehen in diesem Verhalten einen Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb und lassen daher die Rechtmäßigkeit gerichtlich prüfen“, sagt Lars Gatschke, Referent im Team Finanzen beim vzbv. Es dürfe nicht unnötig mit der Angst der Verbraucher gespielt werden, die bei Prokon investiert haben. Auf sie werde durch die gesamte Aufmachung des Schreibens und die Gestaltung der Rückantwort in unzulässiger Weise Druck ausgeübt. Auch bestehe die Gefahr, dass bei den Verbrauchern der unzutreffende Eindruck erweckt werde, sie müssten eine der vier Optionen im Antwortschreiben ankreuzen.

Der vzbv hatte das Unternehmen am 14. Januar aufgefordert, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung abzugeben und den rund 75.000 Inhabern von Prokon-Genussrechten ein Berichtigungsschreiben zu schicken. Prokon hat diese Erklärung nicht innerhalb der gesetzten Frist abgegeben, so dass der vzbv nun hinsichtlich des Unterlassungsanspruchs beim Landgericht Itzehoe Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gestellt hat.

Das Unternehmen hat etwa 1,4 Milliarden Euro von rund 75.000 Kleinanlegern eingesammelt. Sie müssen nun um ihr Geld bangen. Anlegerschützer warnen schon seit längerem vor Genussrechten, weil Investoren im Fall einer Insolvenz meistens nur nachrangig ausgezahlt werden und ihr Kapital daher in der Regel verlieren. Der Fall Prokon hat deshalb auch eine neuerliche Debatte über einen besseren Schutz von Anlegern auf dem sogenannten Grauen Kapitalmarkt ausgelöst.

Bis Donnerstagmittag haben sich nach Angaben von Prokon mehr als 11.700 Genussrechte-Inhaber entschieden, ihre Genussrechte zu halten, zu erhöhen oder ausgesprochene Kündigungen zurückzunehmen. Das entspreche einem Genussrechtskapital von knapp 238 Millionen Euro. Dem gegenüber stehen Genussrechte im Wert von 216 Millionen Euro, die bereits gekündigt wurden.

  • ksh
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17 Kommentare zu "Einstweilige Verfügung: Verbraucherschützer kontern gegen Prokon"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Banken und Versicherungen sind transparenter, sicherer und Kundenfreundlicher? - Ihre Beleherungen habe ich nicht nötig.

  • Hallo Betroffener,
    hier schreibt Betroffener 2:
    Ich stimme Dir zu 100 % zu.
    Leider kann ich auch über die Medien mit ihrer Leierkastenmanier und deren Abschriebergehabe
    nur den Kopf schütteln. Nicht Prokon (die mühen sich redlich) sondern die Medien schüren die Angst!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • VolkerLangeHH: Jede Wette, nächsten Dienstag geht's zum Amtsgericht und es kommt der Insolvenz-Verwalter !!! Konzern-Jahresabschluss-Entwurf 2012: Gemäß GuV bei nur 410 Mio. Umsatz aber 171 Mio. Verlust mit z.B. agressivem Marketing etc. ergab lt. Bilanz Passiva 110 Mio. negatives Eigenkapital; alarmierende Testat- nicht Einschränkung sondern Verweigerung der Wirtschaftsprüfer, weil noch nicht mal HGB-konform... (statt wie üblich beim Anlagevermögen Buchwert/Anschaffung+Abschreibung eigene Zahlen fiktiver Marktwert = angebliche "Stille Rerserve") Bis incl. Okt. '13 weitere 38 Mio. Minus erwirtschaftet also plötzlich in weniger als 2 Jahren insgesamt 209 Mio. versenkt. Dafür brauchte man immer neue kurzfristige Anleger um die gegenüber KfW o. Genossenschafts-Banken usw. doppelt so teuren 6% Genuss-Zinsen der alten langfristigen Rechtehalter zu bedienen... Deswegen gibt's in Lübeck ja auch schon Strafanzeigen. Wie konnte man bei den, korrekte Verbuchungen vorausgesetzt, sicherlich defizitären BWA Q1/13, Q2/13 u. Q3/13 noch die versprochene Rendite v. (m. 2%-"Erfolgs-Beteiligung"<schlechter Scherz) in Summe 8% auskehren ???PS: Die Anlagen-Laufzeiten wurden bereits Marktwidrig um 5 auf 25 Jahre zu hoch kalkuliert

  • Sie scheinen etwas gegen "alte" Leute zu haben, denn bei Ihnen bedeutet alt offensichtlich = dumm/ naiv.
    Super Schublade !
    Übrigens dürfen diese Alten auch noch wählen, Autofahren, Einkaufen, Handy Verträge abschließen, Studieren und Geld für Urlaub ausgegeben.
    Nur für Geldanlage sind sind sie zu blöd und können nicht lesen, denken und lassen sich die Hand führen.
    Tun sie bitte nicht so, als ob alte Leute doof wären, ich kenn sogar welche, die andere gezielt bei Immobilienverkäufen über den Tisch ziehen.
    Da hilft auch kein "Enkeltrick".

  • Urselgruen was genau haben die Banken mit den bei Prokon auftretenden Problemen zu tun?
    Prokon hat keinen testierten Jahresabschluss, meines Wissens ein glatter Verstoß gegen Veröffentlichungspflichten bei GmbHs mit dieser Größe.
    Prokon finanzziert langfristige Investitionen mit mit extrem teuren kurzfristig (binnen 4 Wochen) kündbaren Kundengeldern. Der Einfachheit halber haben diese Genieser zwar keinerlei Rechte indem Unternehmen, aber das volle Risiko weil sie Nachrangige Gläubiger sind.
    In der nicht testierten Bilanz 2012 wird ein negatives Eigenkapital von über -100 millionen € ausgewiesen.
    Aber Prokon hat ja knapp 75.000 Gläubige(r), sie sind Gläubiger ohne Rechte und Gläubige mit besonderer Inbrunst denen Fakten vollkommen egal sind.
    Auch recht nett - die "Freunde Prokons" http://www.freunde-von-prokon.de/news/19/63/Prokon-Webseite-mit-weiteren-Details#comment-1204283371
    Die Freunde die sich selbst als kritsch und solidarisch loben, haben ein Problem damit wenn andere Freunde kritische Fragen stellen, flugs will mancher eine Gesinnungspolizei einführen. Ganz böse, aber höflich und sachlich schreibende werden von den Admins am Folgetag direkt mal blockiert wie der Schreiber Jo Schmitt vom 15.01. der ab heute blockiert ist.
    Nun - das Vorgehen einer Sekte halt.

  • Alten Leuten (auf den Veranstaltungen sah ich überwiegend alte Leute) das Geld aus der Tasche zu ziehen, ist beliebt und weit verbreitet. Prokon hat das über Jahre erfolgreich gemacht. Irgendwie erinnert mich das Ganze an den sogenannten "Enkeltrick", denn auch hier wird die Naivität [...] der alten Menschen ausgenutzt. Dabei ist der grauhaarige Firmengründer mit Pferdeschwanz-Frisur selber schon älter...

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Da kommt doch so ein langhaariger Öko-Freak aus Itzehoe daher, sammelt mal eben 1,4 Millarden in einer Branche ein, die mehr oder weniger von drei Groß-Konzernen unter sich aufgeteilt wird und hat dann auch noch die Stirn alle Banken aus diesem Geschäft zu feuern - sprich er wildert inmitten des Epizentrums der deutschen Kernkraft-Lobby?

    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Es ist für mich unbegreiflich, wie Prokon-Anleger in diesem Forum die Firma noch in Schutz nehmen können. [...]
    Fakt ist: die Firma ist unrentabel und schreibt hohe operativer Verluste!!! Und daran sind weder Medien, Banken oder Verbraucherschützer schuld!!! Fakt ist auch, dass Prokon langfristige Investitionen nur kurzfristig finanziert hat (eben mit kurzfristig kündbaren Genussrechten). Und wenn die Firma eine geringere Rendite hat als sie an Fremdkapitalzinsen zahlt, ist das Ende absehbar.
    Für die momentane Situation bei Prokon ist nur einer verantwortlich: Prokon!! Und sonst niemand!!!

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Hier scheint die vzbv endlich mal wieder eine Gelegenheit gefunden zu haben, sich Publikumswirksam in Szene zu setzen
    und das mit allen Mitteln.
    Druck sieht anders aus. Im Gegenteil hat Prokon offen daraufhingewiesen, was passiert wenn die Anleger ihre Geld rausziehen. Das ist legitim und mit offenem Visir.
    Jeder der Anleger hat vermutlich die Volljährigkeitsgrenze erreicht und kann sich ganz alleine entscheiden und zwar mit vollem Bewusstsein, was passiert wenn Einlegergelder abgezogen werden. Also ist dies als wirklich notwendige und dringende Info anzusehen und keinesfalls als NÖtigung.
    Im Gegenteil kann man dieser Vereinigung sowie einigen Journalisten Nötigung vorwerfen. Hier wird so getan als ob es jetzt dringend notwendig ist, Geld zu kündigen und wenn nicht, hätte man alles verloren. Was ist das denn ? Die Aufforderung, ein Unternehmen schnell an die Wand fahren zu lassen ?
    Das Geld wäre im Ernstfall ohnehin für alle weg. Wichtiger wäre eine besonnene Reaktion und versuchen (wie im übrigen auch schon in der Insolvenzverordnung vorgesehen ) das Unternehmen wieder zum Laufen zu kriegen.
    Und die Zeitungen, die gerne die Anzeigen (gegen viel Geld) geschaltet haben, sollten sich schämen, jetzt zur Hetzjagd zu blasen. Ebenso wie die Leute, die dei Jahre zuvor gute Rendite erhalten haben.

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