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Ende einer Ehe Scheiden tut weh – oft auch finanziell

Rein rechtlich kann es kompliziert werden, eine Ehe zu beenden. Nicht immer ist eine einvernehmliche Scheidung möglich – dann wird es auch teuer.
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Hilfreich ist meist für beiden Seiten, sich gütlich zu einigen. Vor allem dann, wenn Kinder im Spiel sind. Quelle: Paul Reid/RF Ikon Images/F1onlin
Scheidungen

Hilfreich ist meist für beiden Seiten, sich gütlich zu einigen. Vor allem dann, wenn Kinder im Spiel sind.

(Foto: Paul Reid/RF Ikon Images/F1onlin)

FrankfurtEs ist kein schöner Moment. Ein Richter, der sich rasch die Robe über Hemd und Jeans geworfen hat, bittet das Noch-Ehepaar und den Anwalt ins Büro. Dann werden ein paar Formalitäten erledigt. Der Richter fragt noch einmal, ob beide Seiten sich sicher sind, dass sie eine Scheidung wollen. Danach erklärt er die beiden offiziell für geschieden.

Damit ist alles vorbei. Ein Gefühl von Ernüchterung nach langen Jahren breitet sich aus, vermischt mit Trauer oder Erleichterung. Doch auch wirtschaftlich hat der Schritt Folgen.

Kosten

Scheiden tut weh. Oft auch finanziell. Einvernehmliche Scheidungen sind für beide Seiten günstiger. Anwältin Sybill Offergeld von der Kanzlei Rose & Partner in Berlin: „Ich gehe nur vor Gericht, wenn es gar nicht anders geht. Meist kommt am Ende etwas heraus, was man auch so hätte aushandeln können.“

Wer im Gespräch zu zweit keine Einigung schafft, kann es auch mit einer Mediation versuchen, also einer Verhandlung, die von einem geschulten Moderator mit dem Zweck einer Einigung begleitet wird. Das ist erheblich billiger als ein Rechtsstreit.

Mediatorin Charlotte Wicke-Reitz sagt: „Manchmal wissen die Betroffenen selber nicht genau, was sie eigentlich wollen, das gilt es dann herauszufinden.“ Ihrer Erfahrung nach sind in den Gesprächen drei Punkte wichtig: das Interesse der Kinder, wenn vorhanden, ins Zentrum zu rücken; statt Vorwürfen Wünsche zu formulieren; alte, verletzende Geschichten ruhen zu lassen und nach vorne zu schauen.

Wer sich einvernehmlich scheiden lässt, braucht nur einen Anwalt vor Gericht. Gibt es aber Streit, etwa zur Aufteilung des Hausrats und des Vermögens, dann ist es meist billiger, den gleich im Verbund mit dem Scheidungsverfahren entscheiden zu lassen, als nachher in Extra-Prozessen.

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Steuern

Steuerlich absetzen lassen sich Scheidungskosten nur noch in Ausnahmefällen. Es empfiehlt sich aber, das Ehegattensplitting möglichst lange wirken zu lassen. Wer während der Trennung noch einmal mit dem Partner im Rahmen eines „Versöhnungsversuchs“ zusammenwohnt, zum Beispiel für einen Monat, kann für dieses Jahr das Splitting weiterlaufen lassen.

Die einjährige Trennungsfrist, die in der Regel der Scheidung vorausgehen muss, wird damit nicht unterbrochen. Die finanzielle Frage bei der Scheidung lautet: Wer bekommt was? Dabei sind drei Bereiche zu unterscheiden: Hausrat, Vermögen und Altersvorsorge.

Hausrat

Dazu zählt grob gesprochen alles, was den Haushalt ausmacht und nicht in erster Linie der Kapitalanlage dient. Dabei kann es Abgrenzungsprobleme geben. Ein besonders wertvolles Gemälde wird möglicherweise zum Vermögen gezählt, besonders, wenn es offensichtlich auch zur Kapitalanlage gekauft wurde. Bei Autos kann eine Rolle spielen, wofür es benutzt wurde – für berufliche Zwecke oder die Familie. Grundsätzlich gilt: Der Hausrat soll „gerecht“ verteilt werden.

Vermögen

Hier gilt, wenn nichts anderes vereinbart wurde, die Zugewinngemeinschaft. Dabei wird das Vermögen zu Beginn und zum Ende der Ehe verglichen und das entstandene Plus geteilt. Dabei kann das Vermögen indexiert werden, um den Wertverlust durch Inflation auszugleichen. Gibt es ein Minus, wird nichts geteilt. Schenkungen und Erbschaften auch während der Ehezeit kann jeder behalten.

„Häufig gibt große Sorgen wegen der Erbschaften, aber die sind unbegründet“, sagt der Kölner Anwalt Max Postulka. Wichtig ist aus seiner Sicht aber, das Vermögen zu Beginn der Ehe „sauber zu dokumentieren“. Seine Kollegin Offergeld nennt Punkte, über die oft gestritten wird: War ein Geldgeschenk nur für einen oder für beide gedacht? Wie lassen sich Geschenke in Bargeld nachweisen?

Postulka lobt die gesetzliche Regelung: „Sie soll einen fairen Ausgleich bieten, vor allem in den Fällen, wo ein Partner seine Karriere zurückstellt, um sich um die Kinder zu kümmern.“ Es könne aber sinnvoll sein, per Ehevertrag den Zugewinn etwa von Arztpraxen oder Unternehmen auszuklammern. Offergeld nennt den typischen Fall: „Da kommt ein Unternehmer und hat nur das Unternehmen als Vermögen. Wie soll er dann seine Ex-Frau auszahlen?“

Ähnliches kann passieren, wenn bei Immobilien wegen eines Wertzuwachses ein Ausgleich fällig wird. „Ein neues Problem ist die Bewertung von Start-up-Unternehmen, dazu gibt es bisher kaum Rechtsprechung“, erzählt die Anwältin zudem. Aber Verträge schützen auch nicht immer vor Streit. Postulka warnt: „Manchmal wird prozessiert, ob ein Ehevertrag überhaupt noch wirksam ist.“ Etwa, wenn bei Abfassung keine Kinder geplant waren, aber dann doch welche kommen.

Altersvorsorge

Hierzu nimmt das Gericht automatisch einen Versorgungsausgleich vor, wenn die Ehe länger als drei Jahre gedauert hat, wobei die Zeit bis zum Scheidungsantrag den Ausschlag gibt. Sollten die Eheleute auf den Ausgleich verzichten, prüft das Gericht, ob einer von beiden sittenwidrig benachteiligt wurde – hier gibt es also mehr Kontrolle als bei Hausrat und Vermögen, wo grundsätzlich freie Vereinbarungen möglich sind. Manchmal kann ein Ausgleich wegfallen, wenn dafür ein entsprechender Vermögensvorteil gewährt wird.

In den Ausgleich gehen alle Ansprüche aus gesetzlichen, berufsständischen und privaten Rentenversicherungen ein, dazu weitere Verträge wie Riesterrente oder Betriebsrente. Die Ansprüche beider Partner, die in der Zeit der Ehe erworben wurden, werden jeweils hälftig dem anderen zugeschlagen. Das ähnelt dem Zugewinnausgleich. Schwierig kann es aber bei Unternehmern oder Selbstständigen werden, deren Altersvorsorge in erster Linie der eigene Betrieb war.

Unterhalt

In der Trennungsphase greifen noch recht strikte Unterhaltsverpflichtungen. Aber schon hier kann es Streit geben. „Die Frage ist bei Selbstständigen manchmal, wie viel sie verdienen, das kann auch manipuliert werden“, sagt Offergeld. Nach der Scheidung muss vom Grundsatz her jeder für sich selber sorgen. Aber die Rechtsprechung dazu ist besonders kompliziert. „Zu kaum einem anderen Punkt gibt es so viele Gerichtsurteile, das ist verrückt“, sagt Offergeld.

Es geht dabei um die Höhe und die Dauer der Unterhaltsansprüche. Ausschlaggebend sind die Dauer der Ehe und die Frage, wie weit die Frau – inzwischen manchmal auch der Mann – auf eigene Karriere- und Verdienstmöglichkeiten verzichtet hat. Offergeld nennt die entscheidende Frage: „Wie viel könnte ich heute verdienen, wenn ich nicht der Kinder wegen meine Karriere zurückgestellt hätte?“

Der Nachweis ist schwierig, manchmal helfen Vergleiche mit Leuten, die beruflich ähnlich gestartet sind und voll auf die Karriere gesetzt haben. Gestritten wird oft auch über die Fragen, wer sich wie viel um die Kinder gekümmert hat und ob nicht trotz der Erziehungsarbeit mehr berufliches Engagement möglich gewesen wäre.

Fazit also: besser nicht streiten. Oder gar nicht erst scheiden lassen?

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