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EU-Prospektverordnung Experten streiten über Regeln für Wertpapiere von Mittelständlern

Experten und Vertreter der Unternehmen halten die deutsche Umsetzung der EU-Prospektverordnung für wenig praxistauglich, vor allem im Bereich Mittelstandsanleihen.
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Eine EU-Verordnung wird als nicht ausgewogen kritisiert. Quelle: picture alliance
Justitia-Statue in Frankfurt

Eine EU-Verordnung wird als nicht ausgewogen kritisiert.

(Foto: picture alliance)

Berlin Als die Große Koalition im Sommer die sogenannte EU-Prospektverordnung in ein deutsches Gesetz umsetzte, wollte sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Kleine Mittelständler sollen den Kapitalmarkt leichter anzapfen und Privatanleger an diesen Emissionen teilnehmen können.

Doch Experten und Vertreter der Unternehmen sind skeptisch. Sie halten das Gesetz, das Aktien wie auch Anleihen betrifft, für wenig praxistauglich.

Nach der Umsetzung der EU-Verordnung haben Firmen die Möglichkeit, bis zu acht Millionen Euro über den Kapitalmarkt aufzunehmen, ohne einen aufwendigen Prospekt erstellen zu müssen. Stattdessen reicht ein dreiseitiges Wertpapierinformationsblatt, das Anleger verständlich über die wesentlichen Risiken informiert.

Die Frage ist aber, wie gut dieses neue Marktsegment ankommt. „Für die Unternehmensemissionen brauchen wir einen funktionierenden Sekundärmarkt“, sagt Felix Biedermann von der Wirtschaftskanzlei Simmons & Simmons.

Sprich: Wer die Papiere gekauft hat, muss sie im Bedarfsfall auch wieder schnell abstoßen können. Darauf legen vor allem institutionelle Investoren Wert. Wenn die Liquidität von Sekundärmärkten nicht gewährleistet sei, bestehe die Gefahr, dass professionelle Anleger diese Wertwertpapiere mieden, warnt der Anwalt.

Die Zurückhaltung der Profiinvestoren wäre nach Einschätzung Biedermanns ein großer Nachteil. Denn sie können ein Unternehmen besser beurteilen als Privatanleger. Als warnendes Beispiel verweist er auf den Markt der Mittelstandsbonds. Die Anleihen mittelständischer Unternehmen fanden vor allem bei Privatleuten Anklang, die zum Teil hohe Summen damit verloren haben.

Emissionen leicht gemacht

Das Gesetz kam überhaupt nur zustande, weil die Union die Wünsche der SPD beim Anlegerschutz respektierte. Private Anleger dürfen sich daher nur mit maximal 10.000 Euro pro Emission beteiligen, sofern sie über ein frei verfügbares Einkommen von mehr als 100.000 Euro verfügen. Ansonsten liegt das Limit bei 1.000 Euro je Emission. Damit will die SPD verhindern, dass Anleger sich auf zu viel Risiko einlassen. Die Union hingegen fürchtete eher eine Entmündigung der Anleger, gab aber nach.

Bei den betroffenen Unternehmen stoßen die Limits auf Kritik. „Das aktuelle Gesetz ist missglückt“, sagt Ingo Wegerich, Präsident des Interessenverbands Kapitalmarkt KMU. Ihn stört, dass bei Kapitalerhöhungen Anleger leicht über diese Schwellenwerte kommen können, wenn ihnen entsprechend viele Bezugsrechte für neue Aktien zustehen. Daher sollte am Gesetz eine Korrektur vorgenommen werden, damit die vorgesehene Erleichterung umfassend wirksam werden kann. Unternehmen, die bereits einen Prospekt erstellt haben und deren Wertpapiere an einem Freiverkehr oder geregelten Markt gelistet sind, sollten von den Schwellenwerten ausgenommen werden, fordert der Verband.

Bereits im kommenden Jahr will die Bundesregierung das Gesetz noch einmal überprüfen. Dann dürften die vorgebrachten Kritikpunkte in den Mittelpunkt rücken. Bei der geplanten Evaluierung geht es auch um die Frage, ob die bestehenden Befreiungsvorschriften für Aktiengesellschaften nicht auch auf GmbHs und auf Schwarmfinanzierungen ausgedehnt werden könnten. Auch die Sinnhaftigkeit der Anlageschwellen für Privatinvestoren sollen in dem Rahmen überprüft werden.

Die Verordnung und die daraus folgenden Gesetze sind Teil des Projekts, den Kapitalmarkt in der EU einheitlicher zu gestalten. Das soll dazu beitragen, wirtschaftliche Risiken besser zu verteilen und dem Wirtschaftsraum mehr Stabilität zu verschaffen.

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